Die Residentur - Parallelen mit der Ukraine und anderen früheren Sowjetrepubliken
- Belletristik
Die Schriftstellerin Iva Procházková, 1953 in Olmütz geboren, hat zuerst vor allem Kinder- und Jugendliteratur verfasst und wechselte später ins Roman-Metier. Darüber hinaus gehört das Schreiben von Drehbüchern zu ihrem Tätigkeitsfeld.
Die Jahre 1983 bis 1995 verbrachte sie im Exil in Österreich und Deutschland. Nach der politischen Wende 1989/90 kehrte sie nach Prag zurück. Nach und nach erschienen ihre Bücher auch in Tschechien, darunter auch Kriminalgeschichten wie „Die Spur der Kälte. Ein neuer Fall von Kommissar Holina“, der in der vietnamesischen Comunity Tschechiens in der Vorweihnachtszeit spielt.
Um Spionage und Politik geht es hingegen im Roman „Die Residentur“. Der im Titel genannte Begriff bezeichnet die Vertretung eines Auslandsnachrichtendienstes. Nach Procházkovás eigenen Angaben hat die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 die Idee für den Roman geliefert, was die Story im Lichte des seit 2022 währenden Krieges umso interessanter macht.
Im Roman sind Fakten und Fiktion miteinander verwoben. Im Text eingestreut sind immer wieder reale Nachrichten aus verschiedenen Quellen. So lässt sich die Phantasie nicht von der Realität trennen – in beiden liegt Wahrheit.
Der Tod eines unbequemen Journalisten unmittelbar vor der Europawahl steht am Beginn der dramatischen Geschichte, die sich im Verlauf einer Woche abspielt. Putins Russland versucht, sich die ehemalige (fiktive) Sowjetrepublik Kasmenien zurückzuholen. Ähnlichkeiten zur Ukraine oder Georgien bzw. Moldawien sind denkbar.
Die zentralen Figuren des Romans sind Georgy, investigativer Journalist und Kriegsreporter, Stepan Chytil, Ministerialbeamter mit großen Ambitionen und allerlei Geheimnissen, der Russe „Mister Money“, der in der Residentur in Prag wohnt und arbeitet, die neu mit der Aufklärung des Mordes betraute Hauptkommissarin und schließlich auch Stepan Chytils Sohn Richard, der auf dem Weg nach Kasmenien ist, um dort in die Armee einzutreten, und die Rätsel seines Vaters allmählich entdeckt.
Kurzum – angesichts der aktuellen Kriegsereignisse ein höchst lesenswertes Opus.
Markus Bauer/ag