Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Dorother Schroth: Begegnung als Lebensaufgabe

Dorothea Schroth ist der Ackermann-Gemeinde seit vielen Jahrzehnten eng verbunden. Schon als junge Frau kam sie durch ihre Familie mit der Gemeinschaft in Berührung, denn ihr Vater Josef Stingl, der aus Maria Kulm bei Eger stammte, war schon in der Ackermann-Gemeinde aktiv. Als christdemokratischer Politiker und langjähriger Bundestagsabgeordneter und als Präsident der Bundesanstalt für Arbeit prägte er das öffentliche Leben der Bundesrepublik mit. 

In der Ackermann-Gemeinde fand Dorothea Schroth schon als Studentin einen Ort, an dem Begegnung, Verantwortung und der Blick nach Mittel- und Osteuropa zusammenkamen. Über viele Jahre engagierte sie sich in verschiedenen Bereichen der Gemeinschaft, unter anderem im Hochschulring und später im Bundesvorstand. Als stellvertretende Bundesvorsitzende brachte sie ihre Erfahrungen, ihre ruhige Art und ihren Blick für die Menschen in die Arbeit der Ackermann-Gemeinde ein. Auch beruflich stand für sie der Mensch im Mittelpunkt: Als Ehe-, Familien- und Lebensberaterin bei der Katholischen Eheberatung München begleitete sie viele Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Im Gespräch blickt Dorothea Schroth zurück auf ihre persönlichen Wege in die Ackermann-Gemeinde, auf die Bedeutung von Begegnungen über Grenzen hinweg und auf die bleibende Aufgabe, Verständigung und Frieden in Europa zu fördern. Dabei wird deutlich: Für sie war und ist die Ackermann-Gemeinde mehr als ein Verein — sie ist ein Raum gelebter Verantwortung, christlicher Verbundenheit und europäischer Hoffnung.

Interview: Markéta Homolová (ESC-Freiwillige), im Folgenden MH
Gesprächspartner: Dorothea Schroth, im Folgenden DS

Für die Veröffentlichung wurde das Gespräch redaktionell gekürzt und sprachlich bearbeitet

MH: Hallo, Frau Schroth. Danke, dass Sie gekommen sind. Ich wollte Sie nur willkommen heißen. Ich habe ein paar Fragen an Sie zur Ackermann-Gemeinde und zu Ihrem Engagement. Aber am Anfang wollte ich fragen, wie sind Sie zur Ackermann-Gemeinde gekommen und welche Rolle spielte die Gemeinschaft in Ihrem Leben?

DS: Erstmal herzlichen Dank für die nette Begrüßung. Ich bin sehr früh zur Ackermann-Gemeinde gekommen. Und zwar durch meine Familie, vor allen Dingen durch meinen Vater, der auch mal Vorsitzender war der Ackermann-Gemeinde war. Ich bin früh auf Tagungen mitgegangen und das hat mir immer sehr gut gefallen, weil ein Anspruch da war, sich mit Dingen auseinanderzusetzen.  Europa waren immer ein großes Thema in der Ackermann-Gemeinde, das war auch das, was mich dann da gehalten hat letztlich. Aber eben auch die vielen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen.

MH: Und Sie waren viele Jahre im Vorstand des Trägervereins der Ackermann-Gemeinde tätig und zuletzt stellvertretende Vorsitzende. Was hat Sie motiviert, sich in diesem Gremium so lange zu engagieren?

DS: Ja, das war eben das, wofür die Ackermann-Gemeinde stand. Also es ging ja immer darum, die Beziehungen in Mitteleuropa zu pflegen, zu fördern und weiterzubringen und damit eben auch einen Beitrag zum Frieden in Europa— das klingt jetzt sehr großartig— zu leisten. Aber ich glaube schon, dass Begegnungen im Kleinen da ganz wichtig sind. Und das zu fördern war mir und ist mir nach wie vor ein Anliegen, auch wenn ich jnicht mehr in Funktionen bin.

MH: Und denken Sie, dass es sich in den letzten Jahren ein bisschen verändert hat, zum Beispiel oder dass die Rolle der Ackermann-Gemeinde ein bisschen anders ist, als es vor, ich weiß nicht, vor 20 Jahren war, oder denken Sie,  dass Mitteleuropa immer noch im Mittelpunkt steht??

DS: Ich glaube, die europäische Frage ist immer noch relevant, also wie organisiert man sich, wie arrangiert man sich, wie arbeitet man miteinander. Und da glaube ich, dass das nach wie vor ein großes Thema ist. Weil auch nach meinem Eindruck der Blick nach Ostmitteleuropa immer noch nicht so da ist. Also immer noch sehr nach Westen orientiert sind. Und wenn wir uns anschauen, die politische Landschaft, da ist ja auch mit der Slowakei und mit Ungarn, das ist ja manchmal nicht ganz so einfach, dass da noch weiter dran gearbeitet wird. Und man versucht eben auf der Ebene, wo die Ackermann-Gemeinde tätig ist,  Beziehungen  weiter intensiv zu pflegen.

MH: Was macht die Ackermann-Gemeinde für Sie persönlich besonders und warum war es Ihnen wichtig, sich über die vielen Jahre für ihre Arbeit einzusetzen?

DS: Da taucht eigentlich immer wieder das Thema Europa und Frieden auf. Und natürlich die Beziehungspflege der Menschen, die in der Ackermann-Gemeinde organisiert sind und sich treffen. Dieser Aspekt der Beziehungspflege ist schon ganz wichtig. Also man muss nicht ständig beieinander sein, aber wenn sich die Ackermann-Gemeinde trifft, bei Tagungen oder so, die vielen Menschen, da ist sofort eine gute Beziehung da, würde ich sagen. Nicht zuletzt deswegen, weil man sich thematisch eben orientiert, aber  auch, weil über die Jahre sich immer wieder zu  begegnen Beziehungen festigt.

MH: Sie vertreten die Ackermann-Gemeinde im Aktionsbündnis gegen Frauenhandel. Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass sich die Ackermann-Gemeinde auch in diesem Bereich engagiert?

DS: Es war ja so, dass kurz nach der Wende sehr viel über die Grenze hin und her ging. . Also an Negativbeziehungen, sage ich jetzt mal, also eben auch Menschenhandel. Und das ist heute auch noch nicht überwunden. Im Aktionsbündnis gegen Menschenhandel sind  viele Organisationen vertreten, die sich um von Menschenhandel Betroffene, überwiegend  Frauen , kümmern. Und die Ackermann-Gemeinde, weil sie eben den Kontakt nach Ostmitteleuropa hat, hat da vielleicht noch eine besondere Aufgabe. Wobei  die anderen Organisationen, die dort tätig sind in dem Bereich, auch inzwischen einiges an Kenntnis gewonnen haben und auch viel unterstützen. Grundsätzlich soll die Würde des einzelnen Menschen immer wieder zu fördern durch verschiedenste Aktionen. Das ist eigentlich so die Idee dahinter.

Aber ich glaube, manchmal ist es gar nicht so, dass man eine besondere Aktion in die Wege leitet. Es geht zunächst einmal darum, den Blick auf die Situation zu lenken, die für viele, glaube ich, völlig außerhalb ihres Denkens ist. Und da aufmerksam zu machen, was passiert, was  los ist. Das ist, glaube ich, ganz wichtig, also im weitesten Sinne, aufklärerisch tätig zu sein.

MH: Danke. Und wie kann die Ackermann-Gemeinde dazu beitragen, mehr Raum für Frauen im kirchlichen oder nicht kirchlichen Kontext zu schaffen?

DS: Das ist eine schwierige Frage, wobei ich ja denke, dass in der Ackermann-Gemeinde die Frauen einen ganz guten Stand haben. Sowohl auf den Führungsebenen als auch insgesamt in der Tätigkeit. Es war ja auch nie so, dass das so getrennt war, auch früher nicht. Als ich jung war  waren Freizeiten,Tagungen, Reisen immer gemeinschaftlich, Jungen und Mädchen,Frauen und Männer. Auch die Vorstände waren immer gemischt.  Ja, eine Vorsitzende gab es noch nichtbei der Ackermann-Gemeinde, aber vielleicht kommt das ja noch.

MH: Und meine letzte Frage: Was wünschen Sie der Ackermann-Gemeinde zum 80-jährigen Jubiläum?  

DS: Dass sie selbstbewusst auftritt, nach wie vor dranbleibt,  Europa im Blick zu haben und besonders die Länder, die allgemein vielleicht weniger beachtet werden, und eben die Basisarbeit weitermachen. Ich bin der Meinung die Jugendarbeit ist einfach sehr  wichtig, hier wird der Grundstein für vieles gelegt, von dem später zehren und profitieren kann,  womit man dann später arbeiten und umgehen kann.

MH: Ja, Ganz herzlichen Dank. Danke für die ehrlichen Antworten und danke, dass Sie gekommen sind.

DS: Bitte, ich habe das gerne gemacht. Ich bedanke mich bei Ihnen.