Martin Kastler und Daniel Herman: „Es braucht Begegnung“

Mit einer Erklärung meldeten sich am 6. August 2021 die Vorsitzenden der deutschen Ackermann-Gemeinde und der tschechischen Ackermann-Gemeinde, Martin Kastler und Daniel Herman, zu Wort. Diese verlasen sie beim festlichen Konzert in der Basilika St. Peter und Paul auf dem Vyšehrad. Dieses fand am Vorabend des „deutsch-tschechischen Picknicks“ anlässlich 75 Jahre Ackermann-Gemeinde statt. Die Vorsitzenden nehmen in ihrem Text Bezug auf die noch frischen Erfahrungen der Grenzschließungen in der Corona-Zeit und werben für Begegnungen. Diese müssten „ehrlich und offen“, „respektvoll und wertschätzend“ sowie in einem „europäischen Bewusstsein“ stattfinden.

Bei dem Konzert erklangen Werke böhmischer Komponisten, wie Heinrich Ignaz Franz Biber, Jiří Antonín Benda, Jan Babtista Jiří Neruda und Antonín Dvořák. Dargeboten wurden sie von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der deutsch-tschechischen Kulturwoche „Rohrer Sommer“. In bewährter Weise dirigierte Simon Ullmann das Orchester, während Stephanie Kocher den Chor leitete. Die Grüße der deutschen Botschaft überbrachte Chargé d´affaire Dr. Hans-Peter Hinrichsen. Martin Kastler erinnerte in seiner Begrüßung an die Gründung der Ackermann-Gemeinde im Jahr 1946 in Müchen und schlug einen Bogen zum Engagement des Verbandes für Europa. Daniel Herman warb dafür, die böhmische Kultur, die von Tschechen und Deutschen, Christen und Juden geprägt wurde, zu pflegen und an der Entstehung einer „mitteleuropäischen Identität“ mitzuwirken.

ag

 

Die Erklärung des Bundesvorsitzenden der Ackermann-Gemeinde, Martin Kastler, und des Vorsitzenden der Sdruźení Ackermann-Gemeinde, Daniel Herman, vom 6. August 2021 im Wortlaut:

 

Dialog – Kultur – Begegnung

 

Zu einem deutsch-tschechischen Picknick auf dem Vyšehrad am 7. August 2021 in Prag laden die Ackermann-Gemeinde und die Sdružení Ackermann-Gemeinde gemeinsam mit zahlreichen Partnern ein. Wir wollen uns dort als Deutsche und Tschechen nach Monaten erstmals wieder persönlich treffen.

Noch sind die Erfahrungen der Grenzschließungen im Zuge der Corona-Pandemie und die dabei erlebte Entfremdung zwischen unseren Ländern frisch. Wir sind davon überzeugt: Es braucht Begegnung!

  1. Es braucht ehrliche und offene Begegnung - und offene Grenzen. Auch trotz vieler Unsicherheiten wie der Klimakrise, der Corona-Pandemie, Populismus und Totalitarismus gehört der regelmäßige Austausch über die Grenzen hinweg zum Wesen unserer europäischen Gemeinschaft. Die Gegenwart verstehen wir besser, wenn wir die Vergangenheit kennen und gemeinsam als Europäer und Christen die Zukunft gestalten wollen. Gemeinsam und im Dialog, auch zwischen den Generationen, stellen wir uns diesen Herausforderungen.
  1. Es braucht respektvolle und wertschätzende Begegnung. Ohne gegenseitigen Respekt vor den historischen Erfahrungen, der Kultur, den Meinungen sowie Werten und Glaubensüberzeugungen des Anderen findet keine echte Begegnung statt. Jeder Mensch ist anders. Wir wissen um die Vielfalt und sehen diese als Bereicherung. Hierzu pflegen wir den interkulturellen Austausch und werben für das Erlernen der Sprache des Nachbarn.
  1. Es braucht Begegnung in einem europäischen Bewusstsein. Die Europäische Union steht für „Einheit in Vielfalt“. Zudem ist sie Garant für Frieden und Freiheit. In den Nachbarregionen der EU wie auch in anderen Teilen der Welt gibt es kriegerische Konflikte und oft werden fundamentale Menschenrechte verletzt. Es braucht von uns Europäern mehr Solidarität für die Verfolgten und Unterdrückten. Die Erfahrungen des letzten Jahres zeigen außerdem: Europa muss enger miteinander zusammenarbeiten und global besser als gemeinsame Europäische Union auftreten.

Als vor 75 Jahren, im Jahr 1946, die Ackermann-Gemeinde in München gegründet wurde, war das Miteinander von Deutschen und Tschechen auf einem Tiefpunkt. Die Ackermann-Gemeinde hat sich von Beginn an für Begegnung, Dialog und Versöhnung ohne Bedingungen eingesetzt und kann dies seit 1999 gemeinsam mit der Sdružení Ackermann-Gemeinde tun. Wir werden auch zukünftig als eine Gemeinschaft, die aus dem christlichen Glauben schöpft, für eine versöhnte und lebendige Nachbarschaft von Deutschen und Tschechen arbeiten und uns für ein freies und geeintes Europa engagieren.

 

Gemeinsame Erklärung des Bundesvorsitzenden der Ackermann-Gemeinde, Martin Kastler, und des Vorsitzenden der Sdružení Ackermann Gemeinde, Daniel Herman.

Praha | Prag, Vyšehrad, 6.8.2021

 

Die Erklärung in deutscher Sprache: Download

Die Erklärung in tschechischer Sprache: Download

Daniel Herman Martin Kastler
Martin Kastler (l.) und Daniel Herman (r.) trugen auf dem Vyšehrad ihre gemeinsame Erklärung vor.
Rohrer Sommer Simon Ullmann
Deutsche und tschechische Musikerinnen und Musiker spielten Werke böhmischer Komponisten.
Deutsche Botschaft Prag Dr. Hinrichsen
Chargé d´affaire Dr. Hans-Peter Hinrichsen überbrachte die Grüße der Deutschen Botschaft Prag.
Rohrer Sommer Simon Ullmann
Das Orchester des "Rohrer Sommers" unter der Leitung von Simon Ullmann