Hinter die Kulissen eines Schattentheaters geblickt

Jutta Boehm erläuterte beim Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde diese Theaterform

Eine nicht alltägliche Form des Theaters stand beim jüngsten Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde im Mittelpunkt: das Schattentheater, das zum regelmäßigen Angebot beim jährlichen Rohrer Sommer gehört. Zusätzlich erlebte die als Schattentheater inszenierte Geschichte „Der kleine Wassermann“ (mehrere Szenen) von Otfried Preußler Aufführungen bei den Feiern zum 75. Geburtstag der Ackermann-Gemeinde Anfang August in Prag.

 

Über Interessenten an 46 zugeschalteten Computern freute sich Moderatorin Sandra Uhlich und hieß besonders Jutta Boehm, die Regisseurin und Hauptverantwortliche des Schattentheaters, willkommen. Boehm stellte die traditionell im Kloster Rohr stattfindende Kulturtagung der Ackermann-Gemeinde vor, bei der eine gute Woche lang verschiedene kulturelle Inhalte für alle Generationen angeboten werden – mit Präsentationen bei einem Konzert bzw. Bunten Abend. Seit vielen Jahren ist das Schattentheater, musikalisch von einem Flötenensemble begleitet, fester Bestandteil.

Anhand mehrerer Ausschnitte aus der Präsentation in Prag erläuterten Boehm sowie Kai Kocher (Flötenspieler) und der neunjährige Elias Ullmann die einzelnen Arbeitsschritte bis hin zur Aufführung: Umschreiben des Textes bzw. Inhalts zu einem passenden Konzept, Suche nach Musik und Arrangieren für das Flötenensemble, Erstellen von Heften mit Text und Musik. Während diese Aufgaben im Vorfeld der Tagung laufen, geht es in der Woche in Rohr um das Basteln der Figuren, die Einstudierung der speziellen Aufführungspraxis bei einem Schattentheater sowie der Musikstücke und des Textvortrags. Es kann natürlich auch vorkommen, dass ein Teilnehmer – wie Elias Ullmann – bei zwei Aufführungen dann unterschiedliche Aufgaben bzw. Rollen hat. So war er bei der ersten Aufführung für zwei Fische verantwortlich, bei der zweiten für einen Wassermann. „Ich hatte zuvor von dem Buch gehört, die Geschichte aber erst beim Rohrer Sommer kennengelernt“, blickte der Bub zurück. Im Nachgang, also nach der Tagung in Rohr und den Aufführungen in Prag, las er dann Preußlers Erzählung im Original.

„Wie sollen die Figuren aussehen?“ Das ist für Jutta Boehm eine der zentralen Fragen, die es dann zu lösen gilt – nicht selten mit komplizierten handwerklichen Aspekten, wenn etwa neben den Stäben auch noch Gelenke die Figuren gut beweglich machen sollten. „Zum Teil ist das Halten der Figuren anstrengend für die Kinder – aber sie sind mit Begeisterung dabei“, schilderte sie ihre Erfahrungen. Außerdem helfen viele Tagungsteilnehmer gerne mit.

Von einer „Herausforderung für die Flötenspieler“ sprach Kai Kocher. Und er wies auf eine andere Sache hin. „Als Mitglied des Flötenensembles bekommen wir nicht viel von der Bühne und dem Stück mit. Das Zusammenspiel muss klappen, Proben sind nötig.“

Speziell bei diesem Schattentheater war unter anderem neben dem Volkslied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ auch das Hauptthema aus Bedřich Smetanas „Moldau“ zu hören. Im Gegensatz zu Elias Ullmanns Möglichkeit, mehrere Figuren darzustellen, sind Kochers Einsatzwechsel begrenzt. Er kann höchstens eine andere Flötenstimme spielen und ggf. eine Sprechrolle übernehmen.

Mit Blick auf den Rohrer Sommer 2022 will Boehm nochmals den „Kleinen Wassermann“ auflegen und das eine oder andere Detail verbessern bzw. anders gestalten. „Man sieht erst jetzt, wie viel ehrenamtliche Arbeit hier dahintersteckt“, fasste Moderatorin Uhlich zusammen und wünschte dem „Kleinen Wassermann“ noch viele öffentliche Aufführungen.

Markus Bauer

Der neunjährige Elias Ullmann war beim Schattentheater „Der kleine Wassermann“ mit dabei.
Impression aus der Aufführung in Prag mit dem Flötenensemble im Vordergrund und der Bühne mit dem Schattenspiel im Hintergrund.
Regisseurin Jutta Boehm mit der Figur des kleinen Wassermanns.
Kai Kocher informierte über das Flötenensemble.