Deutsch-tschechischer Spendenlauf: „Die Ackermann-Gemeinde bewegt“

Sportlich und mit einer guten Tat beendete die Ackermann-Gemeinde das Jahr 2020. Gemeinsam mit ihrem Jugendverband Junge Aktion und mit den Salesianern in Teplitz/Teplice lud der katholische Verband am Silvestertag zu einem deutsch-tschechischen Spendenlauf ein. Die Erlöse gehen an das geplante Jugendzentrum „Lebendiges Haus/Živý dům“ für Kinder und Jugendliche, welches die Salesianer in der nordböhmischen Stadt erbauen wollen. Die Siegerehrung soll im August in Prag stattfinden.

Dem Aufruf über das Internet folgten 59 Personen. Zuvor hatten sie sich Laufpatinnen und Laufpaten gesucht, die für jeden gelaufenen Kilometer einen Betrag als Spende zusicherten. Gemeinsam legten dann die Läuferinnen und Läufer in Deutschland und Tschechien, meist bei strahlendem Sonnenschein am Vormittag des Silvestertages, insgesamt 522,19 Kilometer zurück. „Dies entspricht in etwa der Strecke von München über Teplitz/Teplice nach Prag“, freut sich Msgr. Dieter Olbrich, Geistlicher Beirat der Ackermann-Gemeinde. Olbrich liegt zudem das Projekt der Salesianer am Herzen, auch als Vorsitzender des Sozialwerkes der Ackermann-Gemeinde. So ließ er es sich nicht nehmen, auch als Laufpate dabei zu sein. Die fast 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich für den Silvesterlauf eigene Routen bei sich vor Ort aussuchen. Das Teilnehmerfeld bestand aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und war so bunt gemischt. Gelaufen wurde in Deutschland und in Tschechien. Jüngste Teilnehmerin war die 2-jährige Johanna aus der Nähe von Landshut, die stolze 1,32 Kilometer absolvierte. Ein Läufer aus Oberbayern wiederum legte sogar eine komplette Marathonstrecke von 42,195 Kilometern zurück.

Die Idee für einen Spendenlauf hatte Martin Neudörfl aus Berlin. "Eigentlich würde ich den Jahreswechsel mit Freunden aus der Ackermann-Gemeinde und der Jungen Aktion im Kloster Rohr in Niederbayern feiern. Dabei sollte wie in den letzten Jahren auch die Teilnahme am traditionellen Silvesterlauf in Sandharlanden auf dem Programm stehen," erklärt Neudörfl seine eigentlichen Silvesterpläne. Zunächst wollte er, nach der Absage der Silvesterbegegnung und des Wettkampfs in Sandharlanden, das Jahr mit einem virtuellen Lauf im kleinen Kreis ausklingen lassen. "Aus dieser kleinen Idee wurde innerhalb kurzer Zeit der große Spendenlauf." Durch die Ackermann-Gemeinde sei er auf das Projekt der Salesianer in Teplitz gekommen, die sich auch sofort dieser Initiative anschlossen. "Wir kennen die Salesianer und glauben, dass ihre Arbeit für Kinder und Jugendliche dazu beiträgt, die Situation in Nordböhmen zu verbessern", erläutert Matthias Dörr, Bundegeschäftsführer der Ackermann-Gemeinde. Zudem seien die Salesianer "ein recht sportlicher Orden, so dass alles gut zusammenpasst."

Jana Švecová, die für die Salesianer tätig ist, war auch direkt „Feuer und Flamme“ für diese Spendenaktion und machte den Lauf in Tschechien bekannt, so dass selbst die tschechische Nachrichtenagentur ČTK berichtete. „An Weihnachten können wir nicht nur Plätzchen essen, Märchen anschauen und uns einander besuchen oder aufräumen, sondern auch durch den Benefizlauf Gutes tun“, warb sie für die Teilnahme. Neben der „tollen Unterstützung“ sieht sie aber auch, dass ein gemeinsames deutsch-tschechisches Projekt „Spaß macht und verbindet“.

Mit dem „Lebendigen Haus/Živý dům“ gehen die Salesianer, die seit dreißig Jahren in Teplitz wirken, ihr bisher größtes Projekt an. Bis 2024 soll ein neues Salesianer-Zentrum für Kinder, Jugendliche und Familien entstehen. „Wir bringen das Leben in die Ruinen der alten Kinderkrippe, die wir letztes Jahr gekauft haben. Dieses Haus wurde jahrelang nicht bewohnt und wir möchten es renovieren und beleben, den Garten erneuern und einen Spielplatz errichten. Nach der Vollendung wird eine Filiale des Kinderzentrums hierher ziehen, die Wohnung für unsere Salesianer-Kommunität und auch einige Aktivitäten der Pfarrei“, erklärt der Leiter der Teplitzer Salesianer, Pater Petr Kalas.

Die Kosten für dieses Projekt bewegen sich in einer Größenordnung von mehreren zehn Millionen Kronen, wovon rund ein Drittel die Teplitzer Salesianer selbst organisieren müssen. „Ich bin sehr dankbar für die Reaktionen der Teplitzer Bewohner, die sich bei uns bedanken, dass wir ein Stück altes Teplitz retten und dass wir das Haus renovieren, das ein Vierteljahrhundert nicht bewohnt war. Schon jetzt laufen im Gebäude einige Arbeiten, aber auch Veranstaltungen, durch die wir das Gebäude und dessen Geschichte kennenlernen. Und natürlich ist jede Hilfe willkommen“, wie nun auch durch den Spendenlauf, erwähnt Vendulka Drobná, die Leiterin des „Salesianer-Zentrums Štěpán Trochta“.

Die Salesianer wirken in Teplitz schon seit 30 Jahren, zum einen in Pfarreien und zum anderen im Jugendzentrum. In Teplitz sind sie für acht Pfarreien verantwortlich. Außer klassischen pastoralen Aufgaben, wie Gottesdienste und Religionsunterricht, laufen hier zum Beispiel auch Glaubenskurse. Im Kinderzentrum bieten die Salesianer den Kindern, unabhängig von deren religiösem und sozialem Hintergrund, Nachhilfe, Freizeitaktivitäten, Veranstaltungen und Ferienlager an. Den Jugendlichen helfen sie auch beim Lernen, mit der Jobsuche und bei weiteren Schwierigkeiten. Den Eltern bieten sie auch Erziehungstipps an. Für die Schulen organisieren sie Programme für bessere Beziehungen in Schulklassen und gegen Mobbing. Die Leistungen des Zentrums werden dabei kostenfrei oder günstig angeboten, damit sie auch für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien erschwinglich sind.

Eine Siegerehrung für den Silvesterlauf soll es am 7. August 2021 im Rahmen eines deutsch-tschechischen Begegnungsfestes der Ackermann-Gemeinde auf dem Vyšehrad in Prag geben. Doch bei den drei Kategorien, in denen Teilnehmer geehrt werden, gehe es nicht um Schnelligkeit oder um die zurückgelegte Distanz, erläutert der Initiator des Laufes, Martin Neudörfl. „Wir suchen den größten Multiplikator mit den meisten Laufpatinnen und -paten und den Freudebringer mit dem schönsten Lächeln auf dem Zieleinlauffoto“. Zudem werde unter der Kategorie „Intergenerativer Dialog“ der größte Altersunterschied zwischen einem Läufer und seinem Paten ausgezeichnet, führt Neudörfl aus.

Dass dieses Projekt ein voller Erfolg war, zeigt auch der Erlös, der durch die Läuferinnen und Läufer und ihre Patinnen und Paten erzielt wurde. Gemeinsam freuen sich Monsignore Olbrich von der Ackermann-Gemeinde und Jana Švecová von den Teplitzer Salesianern über einen erlaufenen Spendenbetrag von 4.952,91 Euro. Olbrich dankt dem Initiator und allen, die sich beteiligt haben: „Diese Aktion zeigt: Die Ackermann-Gemeinde bewegt.“

Gruß aus Teplitz
Gruß aus Teplitz: Jana Švecová (r.) und Robert Kotyšan, Koordinator des Projektes „Lebendiges Haus“ warben vor dem Haus (Foto: Screenshot Facebook)
Sportler in Prag: Die Route von Jan und Klára führte über den Altstädter Ring in Prag (Foto: privat).
Zieleinlauf Martin Neudörfl: Der Initiator des Spendenlaufs, Martin Neudörfl (l.), erreicht mit Marie Smolková in München das Ziel (Foto: Screenshot Facebook)
Felix und Mirjam: Auch Mirjam und Felix schnürten die Sportschuhe und nahmen an dem Spendenlauf teil (Foto: privat).
Spendenlauf_Logo: Logo des deutsch-tschechischen Silvesterspendenlaufs am 31. Dezember 2020.
Vor der Rekonstruktion: In Teplitz soll ein „Lebendiges Haus“ für Kinder und Jugendliche entstehen.
Nach der Rekonstruktion: In Teplitz soll ein „Lebendiges Haus“ für Kinder und Jugendliche entstehen.