Da steppt … die Cordula

Als einen „besonderen Gast“ bezeichnete Moderatorin Sandra Uhlich die junge Frau, die den März-kulturzoom der Ackermann-Gemeinde (AG) bestritt. Denn damit gelangte ein weiterer Kulturaspekt – dargeboten von einer Person aus der Ackermann-Gemeinde – in den Fokus der monatlichen Online-Veranstaltung. Mit der aus Murnau stammenden und inzwischen in Hamburg lebenden Cordula Decker konnten die an den 64 PCs und Smartphones versammelten AG-Mitglieder und -Freunde hinter die Kulissen des Stepptanzes blicken.

„In der Ackermann-Gemeinde begegnet man immer wieder vielen Leuten mit spannenden Lebensläufen und Geschichten“, eröffnete Uhlich den kulturzoom. Daraus werde deutlich, was die Ackermann-Gemeinde bedeutet und bewirkt. Dies zeigte sie anhand der Vita von Cordula Decker auf. Die aus dem oberbayerischen Murnau stammende Tänzerin nahm ab Ende der 1980er Jahre als Teenagerin regelmäßig an Tagungen des Jugendbildungsreferats der Ackermann-Gemeinde und der Jungen Aktion teil und begeisterte hier besonders mit ihren Tanz-KAKs (KAK heißt Kreativer Arbeitskreis). Letztlich hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht: Von 1996 bis 2001 studierte sie an der Stage School Hamburg. Nach ihrer Ausbildung war sie in Hamburg Bühnendarstellerin am St. Pauli Theater und Deutschen Schauspielhaus. Seit 15 Jahren gehört sie zur Profiklasse von Thomas Marek und trainiert regelmäßig bei internationalen Stepptanz-Größen wie Brenda Bufalino und Josh Hilberman. Von 2015 bis 2019 wirkte sie als Dozentin für Stepptanz an der „Stageart musical school“ in Hamburg. In den letzten Jahren trat Decker als Stepptanz-Solistin in Duke Ellingtons „Sacred Concert“ auf und hatte mit der Big Band „Jazzigs“ und diversen Chören Auftritte in Neumünster, Lübeck, Kiel und Plön. Außerdem produzierte sie ihre eigene Tap-Show „Tap im Park“. Aktuell ist sie stellvertretende Schulleiterin in Thomas Mareks „Footprints Tap dance Studio“ in Hamburg.

Zum Zoom war Cordula Decker aus dem Keller des Hauses ihrer Eltern zugeschaltet, da auch bei ihr durch Corona die Berufsausübung eingeschränkt ist. Sandra Uhlich hatte ein etwa 30 Jahre altes Foto hervorgekramt, das bei einer Tagung der Jungen Aktion im Kloster Rohr entstanden war: Cordula Decker mit zwei weiteren jungen JA-Damen, die eine Szene aus dem Musical „Jesus Christ Superstar“ als Tanz einstudiert hatten und präsentierten. „Man konnte sich ausprobieren. Ich hatte damals noch keine Ahnung von Jazz oder anderen Tanzstilen. Aber ich denke gerne zurück“, kommentierte die Stepptänzerin rückblickend. Auch schilderte sie für AG-Mitglieder nicht uninteressant, dass bei ihrer ersten Tanzstunde Rainer Karlitschek, heute Moderator der themenzooms, Mitglied des AG-Bundesvorstands und Dramaturg an der Bayerischen Staatsoper, ihr Tanzpartner war.

Natürlich verriet sie auch Interessantes und Wissenswertes über die Vielseitigkeit und die Technik des Stepptanzes sowie über einige Größen dieses Tanz-Genres: so über Bill „Bojangles“ Robinson, den ersten erfolgreichen afroamerikanischen Stepptänzer, der in den 1930er Jahren vor allem durch seinen „superschnellen und sauberen“ Tanzstil Furore gemacht habe. Live präsentierte Cordula Decker einen Stepptanz aus dessen Repertoire – übrigens, coronabedingt, ihr erster öffentlicher Auftritt seit einem Jahr. Per Video zeigte sie den Stepptanz „Tea for two“, eine Verbindung zwischen Step und Ballett. Für diese Kategorie steht vor allem Paul Draper, der besonders in den 1930er und 1940er Jahren zu klassischer Musik steppte und seinerzeit auch Ballettunterricht genommen hat. „Tanz und Musik müssen eins sein“, stellte Decker fest und meinte, dass man zu jeder Musik steppen könne.

Ein Höhepunkt bisher für sie war die Mitwirkung bei Duke Ellingtons „Sacred Concert“. Hier steht am Beginn ein Stepptanz ohne Musik, über einige Minuten ist hier vollkommen freie Improvisation angesagt. Ein Filmausschnitt vom Sommer 2019 mit eben diesem Solo verdeutlichte das Können der gebürtigen Murnauerin.

Ebenso erklärte sie, mit welcher Technik die verschiedenen „Tonlagen“ zustande kommen und dass mit unterschiedlichen Schuhen ganz spezifische Klangfarben zu erreichen seien. Natürlich informierte sie auch über die Herkunft und Ursprünge des Stepptanzes – aus Irland und den amerikanischen Südstaaten. Eine Hommage galt Buster Brown, ebenfalls eine Step-Legende. Abschließend verwies sie auf ihre momentane Haupttätigkeit, das Unterrichten via Zoom, und auf einen bekannten ehemaligen Schüler von ihr: Jendrik Sigwart (26), der heuer für Deutschland beim European Song Contest mit dem Lied „I don’t feel hate“ an den Start geht und im Video dazu natürlich auch kurz steppt. Mit dem eher langsamen Stück „Soft Shoe“, wieder live getanzt, beendete Cordula Decker ihre Vorführungen - und mit der Bemerkung „langsam steppen ist genauso schwer wie schnell steppen“.

Markus Bauer

Cordula Decker Stepp-Tanz Tap
Cordula Decker auf dem Sprung zu einer ihrer Live-Stepptänze.
Sandra Uhlich kulturzoom
Moderatorin Sandra Uhlich bei der Vorstellung von Cordula Decker.