Aus der Erde auferstanden!

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Aus der Erde auferstanden“

Bei einer monumentalen Kreuzigungsgruppe des Erfurter Domes fehlte die Darstellung des Cruzifixus. Johannes und Maria, zwei gotische Skulpturen von jeweils über zwei Meter Größe, sollten im Jahr 1939 durch eine neue Darstellung des Gekreuzigten ergänzt werden. Der Gothaer Bildhauer Victor Embser wurde dazu beauftragt. Im Sommer 1939 stand jedoch der 2. Weltkrieg bevor. Im Protokoll des Dompropstes ist zu lesen: „Man merkte schon, dass etwas in der Luft liege.“ Es fehlte sogar an Holz, das dann doch noch für das monumentale Schnitzwerk beschafft werden konnte. Der Bildhauer wurde jedoch während seiner Arbeit am Christuskorpus durch die Regierung für andere Arbeiten dienstverpflichtet und Bombenangriffe machten die weitere Arbeit unmöglich. „Der halbfertige Christus musste vergraben werden, um ihn zu schützen“ – so lesen wir in den Aufzeichnungen des Dompropstes. Victor Embser kehrte unversehrt aus dem Krieg zurück. Die halbfertige Skulptur wurde ausgegraben und fertig geschnitzt. 1951 wurde sie im Dom angebracht und gesegnet.

Sie ist damit ein echtes Auferstehungsbild: Aus der Erde auferstanden zu neuem Leben.

„Auferstanden“ – das war der erste Gedanke, als ich den Bericht über das Kunstwerk gelesen hatte. Es handelt sich zwar um ein Kunstwerk der Passion, aber der Gestus des Gekreuzigten, wie wir ihn hier sehen, ist bei Kreuzigungsdarstellungen nicht üblich. Christus scheint zu Maria im Verweis auf Johannes zu sagen: „Frau, siehe da deinen Sohn“. Dieses Wort Jesu am Kreuz deuten wir heute als einen Hinweis darauf, wie die Mutter Jesu zu uns, seiner Kirche, in Beziehung steht. Wir sind der Fürsorge Mariens durch Christus anvertraut.

Das Bild des Gekreuzigten lädt zum Vertrauen in die Sorge Christi um seine Kirche ein.

Wir werden in unserem Glauben durch Bilder geprägt. Wer an Ostern denkt, hat meistens auch ein konkretes Auferstehungsbild vor Augen. Es kann eine Ikone sein oder eine Skulptur als 15. Station des Kreuzweges. In einer Kirche in Erfurt ist es das Bild der 15. Station, auf dem die heilige Kaiserin Helena das durch sie aufgefundene Kreuz Christi zeigt. Die Kreuzauffindung und das damit verbundene Fest Kreuzerhöhung wird durch das Kunstwerk des Bildhauers Victor Embser im Erfurter Dom aktualisiert. Das Kreuz ist und war nicht das Ende eines hoffnungsvollen Weges des Messias. Das Weizenkorn, das in die Erde gefallen ist, hat neues Leben gebracht. Mit Recht dürfen wir deshalb trotz aller Bedrängnis durch Schuld und Tod das Halleluja singen.

Von Herzen wünsche ich gesegnete Ostertage!

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke