Rohrer Sommer in Haindorf/Hejnice
Der Rohrer Sommer zieht um – die gute Stimmung bleibt
Der 34. Rohrer Sommer fand in diesem Jahr vom 2. bis 8. August statt. Fast wäre er ausgefallen, weil uns aus Rohr im Frühjahr eine Absage ereilte. Es war bekannt, dass wir ab 2027 einen neuen Aufenthaltsort für unsere Deutsch-Tschechische Kultur- und Begegnungswoche brauchen werden, aber diese Mitteilung löste zunächst Fassungslosigkeit im Organisationsteam aus. Wohin mit ca. 100 Menschen, die mit nicht unerheblichem Equipment anreisen würden und Raum brauchen für die verschiedenen Aktivitäten, die dieses Treffen so einmalig machen?
Zdeněk Talácko, seit seiner frühen Jugend jährlicher Teilnehmer des Rohrer Sommer und seit einem Jahr Geschäftsführer der Sdružení Ackermann-Gemeinde, klemmte sich ans Telefon und schaffte es, einen Veranstaltungsort zu finden. So konnte der Rohrer Sommer in diesem Jahr im Kloster Hejnice/Haindorf im Isergebirge stattfinden.
Einige Teilnehmer und Teammitglieder reisten bereits einen Tag vor Beginn der Kulturwoche an und gestalteten in Kooperation mit dem Jazz-Festival „Hejnic pro Hejnice“ einen deutsch tschechischen Kulturtag unter dem Motto „Kultur ohne Grenzen“ mit diversen kreativen Angeboten zum Mitmachen für Klein und Groß. Zwischen den Auftritten einer Jazz-Band begeisterte Volksmusik unter Leitung von Ines und Paul Barth die zahlreichen Besucher, die sich trotz Regens teilweise nicht vom Tanzen abhalten ließen. Dieser Abend war von Interreg Tschechien – Sachsen kofinanziert worden.
Der Rest ist nun schon wieder Geschichte. 90 Teilnehmer aus Deutschland und Tschechien nahmen die teils sehr lange Anreise auf sich und erlebten eine intensive, abwechslungsreiche, fröhliche und unvergessliche Zeit miteinander. In den vertrauten Arbeitskreisen wurde geprobt, entworfen, gebastelt, getanzt, gesungen gespielt und sich mit geistlichen Themen befasst. Am Abschlusstag bekamen alle die Gelegenheit, die Ergebnisse der Gemeinschaft vorzustellen.
Unter der Leitung von Stephanie Kocher gestaltete der Chor am letzten Tag in Anwesenheit der Gläubigen vor Ort den Gottesdienst musikalisch mit der Messe D-Dur op. 86 von Antonín Dvořák. Nach dem Gottesdienst erklang in einem kleinen Konzert in der Kirche weitere Musik, genannt seien hier drei Vertonungen des Gedichts von Walter von der Vogelweide „Unter den Linden“. Die Musik wurde jeweils komponiert von Bernhard Stavenhagen, Edward Grieg und von Mathilde Kralik. Vorgetragen wurden diese musikalischen Besonderheiten von Anna Kocher, begleitet am Klavier von Merlind William.
Das Orchester des Rohrer Sommer, geleitet von Simon Ullmann, hatte eine Auswahl an Filmmusiken einstudiert. Wir hörten von Karl Svoboda den Ohrwurm aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, von Ennio Morricone aus dem Film „The Mission“ die Stücke „Brothers“ und „Gabriels Oboe“. Darüber hinaus von Leonard Cohen „Halleluja“, von Karl Jenkins „Palladio“ und von Dimitri Schostakowitsch den „Walzer Nr. 2“. Die letztgenannten Musikstücke hatten aufgrund ihrer Eingängigkeit Verwendung in Filmen gefunden, auch wenn sie ursprünglich nicht als Filmmusik komponiert worden waren.
Das Blockflöten-Ensemble, angeleitet von Johanna Boehm, hatte ein Stück von Johann Christian Schieferdecker, das Konzert Nr. 13 einstudiert. Dazu lieferten das Schattenspiel-Theater fantasievolle Sequenzen über einen Konzertbesuch. Die Ideen dazu und die Umsetzung kamen von Jutta Boehm und ihren Mitstreitern, vor allem Kindern. Klar, dass es dort mit viel Augenzwinkern alles andere als ernst zuging. Zum Schluss erklang auch die „Wassermusik“ von G.F. Händel.
Ebenfalls Fantasie wurde in den Arbeitskreisen „Kreatives Gestalten“ bei Markéta Hirschlová und Marie Lebedová sowie „Holzarbeiten“, angeleitet von Pavel Kučerka, bei der Herstellung vieler praktischer, geistig fordernder oder einfach nur schöner Dinge eingebracht. Barbara Hauck hatte jede Menge Utensilien zum Verschönern von Kerzen mitgebracht. Davon wurde vor allem von Jugendlichen rege Gebrauch gemacht.
Sowohl die Volkstanzgruppe als auch die Volksmusik waren wieder bei der Familie Barth in besten Händen. Wenn am Anfang des Beitrags von „Raum“ die Rede war, so hatten die Tänzer entweder keinen oder den größten, je nachdem, wie man es betrachten will. Im Gegensatz zu Rohr gab es keine Turnhalle, in der wetterunabhängig die Schrittfolgen einstudiert werden konnten. So blieb nur der Platz vor der Kirche. Das Wetter hielt die ganze Woche, Publikum war auch garantiert und wurde gleich aufgefordert, mitzutanzen. Das Ergebnis war wieder wunderschön anzuschauen.
Völlig anders, aber auch nicht wegzudenken, sind die Arbeitskreise Religion (Rebecca Kopřivová) und Literatur, getrennt nach Erwachsenen (Anna Nedvědová) und Kindern (Kristýna Kraus). Es wurden sich zu den ausgewählten Themen viele Gedanken gemacht und bei der Kinderliteratur sehr dynamisch vorgetragen.
Alle Teilnehmer sind immer sehr beschäftigt, vor allem das Organisations-Team und die Arbeitskreisleiter. Umso mehr sei hervorzuheben, dass über das Berichtete hinaus auch jedes Jahr ein Tschechisch/Deutsch-Kurs oder umgekehrt, je nachdem, was man lernen möchte, von Kristýna Kraus angeboten wird. Und Anna Kocher wird nicht müde, dem Chor einen noch schöneren Klang zu ermöglichen, indem sie sich mit Interessierten der Stimmbildung widmet. Beides wurde wieder dankend angenommen.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass man sich um diese „fröhliche Schar“, bestehend aus Jung und Alt, aus Tschechen und Deutschen, keine Sorgen machen muss. Egal, wo das Schicksal sie hin verschlagen wird, sie wird ihrer Bestimmung gerecht – nämlich zusammen ein gemeinsames Erbe durch Kultur erlebbar zu machen.
Und so freuen sich alle schon jetzt auf den Rohrer Sommer im nächsten Jahr.
Wir danken für die Förderung durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, den Kulturreferenten des Adalbert Stifter Vereins (aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern) und das Haus des Deutschen Ostens (aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales).
Erdmute Schrecker/Sophia Kocher
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