Brünner Symposium "Dialog in der Mitte Europas" 2020 - Absage

Sehr geehrte Damen und Herrn,

 

die große Anzahl an Anmeldungen hat gezeigt, wie sehr das gewählte Thema „Zwei Europas? Warum und worüber wir keine gemeinsame Sprache finden“ uns Mitteleuropäer bewegt.

 

Leider müssen wir mitteilen, dass wir den diesjährigen Jahrgang des Brünner Symposiums absagen müssen. Hierzu zwingt uns die aktuelle Ausbreitung des Corona-Virus und die damit verbundenen Maßnahmen. So hat die tschechische Regierung am Dienstag (10. März) ein Verbot von Veranstaltungen über 100 Personen ausgesprochen. Der zwischenzeitliche Plan, das Programm mit einer geringeren Teilnehmerzahl durchzuführen, musste letztlich auch aufgegeben werden. Dabei spielt auch ein Blick auf die Dynamik der Entwicklung eine Rolle, bei der die Verhängung von noch einschneidenderen Maßnahmen bis Anfang April nicht ausgeschlossen werden kann.

 

Wir bedauern diese Absage sehr.

 

Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis, hoffen auf die Besserung der derzeitigen Situation und freuen uns darauf, Sie in dem kommenden Jahr von 26.-28. März 2021 erneut zum „Dialog in der Mitte Europas“ begrüßen zu dürfen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Martin Kastler MdEP a.D.

Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde

 

Die Ackermann-Gemeinde und die Bernard Bolzano Gesellschaft haben gemeinsam mit der Stadt Brünn das XXIX. Brünner Symposium „Dialog in der Mitte Europas“ mit dem Thema "Zwei Europas? Worüber und warum wir keine gemeinsame Sprache finden können" vorbereitet. Dies sollte vom 3. bis 5. April 2020 in Brünn/Brno stattfinden.

1989/90 beendeten die gewaltfreien Revolutionen die jahrzehntelange Teilung Europas. Deutschland, das bis dahin durch eine fast unüberwindbare Grenze geteilt war, konnte sich vereinigen - und die mittel- und osteuropäische Länder kamen in vielerlei Hinsicht ihm näher. Insbesondere die Nachbarschaft mit der Tschechischen Republik hat sich intensiviert, und der Austausch und der Dialog wurden (und werden) auf vielen Ebenen geführt. Das allmähliche Annäherung der mittel- und osteuropäischen Länder und des früheren Kerns der europäischen Integration schien ein kontinuierlicher Prozess zu sein.

Das hat sich aber geändert. Es entstand in den letzten Jahren immer mehr der Eindruck, dass in den westlichen und in den östlichen EU-Ländern ganz unterschiedliche Einstellungen zu sehr grundsätzlichen Fragen bestehen. So blicken die Visegrad-Staaten verständnislos auf die in Deutschland angestrebte Energiewende und die neue ökologische Klimabewegung. Auch das Thema Migration und die damit verbundene Diskussion um Werte wie Humanität und Offenheit sowie nationale Identität und Sicherheit haben eine Spaltung des Kontinents zu Tage befördert. Wann und warum ist diese Kluft entstanden? Sah es nicht lange danach aus, dass nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sich die Gesellschaften und ihre Denkmuster annähern?

Beim diesjährigen Brünner Symposium sollte die unterschiedlichen gesellschaftlichen Präferenzen und die Vorstellungen von dem, was „richtig und falsch“ oder gar „gut oder böse ist“, beleuchtet werden. Sicher sind die Langzeitwirkungen der kommunistischen Ära ein Teil der Antwort, warum es ein fehlendes Vertrauen in den Staat und in die demokratischen Strukturen gibt. Aber dies erklärt nicht, warum es auch in den westlichen Ländern ein immer größeres Misstrauen in die Demokratie besteht, wie das Erstarken extremistischer Parteien zeigt. Wie kann etwas Positives und Zukunftsgerichtetes gegen die verbreitete Angst vor Veränderung und dem Unbekannten gesetzt werden?

Für das Miteinander in der Mitte Europas ist es wichtig, zu wissen, warum es zu bestimmten Haltungen und Entwicklungen in den jeweils anderen Ländern kommt. Dazu will der „Dialog in der Mitte Europas“ beitragen. Die Auseinandersetzung mit den genannten Fragen geschieht dabei vor dem Hintergrund der Erfahrungen der deutsch-tschechischen und mitteleuropäischen Beziehungen der letzten Jahrzehnte sowie der Tradition der Brünner Symposien. Der Dialog geschieht dabei in einer offenen und durch gegenseitigen Respekt geprägten Haltung. So wird er seit über 25 Jahren in Brünn/Brno und Iglau/Jihlava gepflegt und hat uns schrittweise vorangebracht.

 

Das Symposium findet statt mit Unterstützung der Stadt Brünn und unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin Dr. Markéta Vaňková und des Hauptmannes des Südmährischen Kreises Dr. Bohumil Šimek.

Wir danken für die Förderung dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (Berlin), dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (Prag) und der Stadt Brünn/Brno.