Ein Denkmal verbindet

Altbischof František Radkovský von Pilsen/Plzeň segnete das neue Denkmal, das an Johannes von Saaz erinnert. (Fotos: P. Thürl)

Die Einwohner von Schüttwa/Šitboř ehren nach 600 Jahren ihren größten Sohn Johannes, den Schöpfer des „Ackermann aus Böhmen“ mit einem Denkmal vor der St. Nikolauskirche.

Man merkt es Franz Bauer, dem Oberstudiendirektor a.D. und Ehrenvorsitzenden der Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese Bamberg an, in jeder Minute seines Aufenthalts in Schüttwa, mit jedem und in jedem seiner Gespräche mit tschechischen und deutschen Mitbürgern und Amtsträgern freute er sich, dass einer seiner zentralen Lebenswünsche in Erfüllung geht, den er jahrzehntelang als Heimatvertriebener, als Christ, Pädagoge, Schriftsteller und Philologe im Herzen trug.

Die alten und neuen Bürgerinnen und Bürger von Schüttwa, einer Gemeinde im Weichbild von Franz Bauers Heimatort, der Coudenhove-Kalergi-Stadt Ronsperg/Poběžovice, enthüllten in einer großartigen tschechisch-deutschen Feierstunde vor der alten St. Nikolauskirche das Denkmal für den größten Sohn des Ortes, den Dichter des „Ackermann aus Böhmen“, Johannes von Schüttwa oder Johannes von Saaz genannt.

Nach der Segnung des Denkmals durch Altbischof František Radkovský aus Pilsen/Plzeň besitzen die deutsche Ackermann-Gemeinde und ihre tschechische Schwesterorganisation Sdružení Ackermann-Gemeinde ein neues Denkmal ihres Namensgebers, nach der Büste in Saaz, diesmal aufgestellt im Herzen seines Geburtsorts. Ein Denkmal, dessen Botschaft wiederum vom Böhmerwald aus nach ganz Europa strahlt.

Geschaffen von einem großartigen und international anerkannten tschechischen Künstler, dem in Pilsen geborenen und dort arbeitenden akademischen Maler und Bildhauer Jaroslav Šindelář, der einen Großteil seiner Jugend in Schüttwa verbrachte.

Šindelář sprach bei der Enthüllung und Einweihung „seines Denkmals“ aber nicht wie erwartet über die künstlerische Dimension seines Werks, sondern widmete seine Denkmalrede an diesem historischen Ort, der nun auch sein Denkmal in der Kunst verewigt hat, intensiv und avantgardistisch dem Begriff Heimat: „Die Heimat bleibt immer da, wo sie ist, nur die Menschen kommen und gehen.“ Damit setzte der Künstler den alles überwölbenden, völkerverbindenden Akzent für die Feierstunde.

Franz Bauer nutzte die Gelegenheit der Denkmalseinweihung in seinen Gesprächen und in seiner Denkmalrede, um zu erläutern, warum sich 1946 die Gemeinschaft der Katholiken aus Böhmen, Mähren und Schlesien, getragen vom Geist der Prosadichtung des Ackermanns aus Böhmen, eine neue alte, geistige Heimat unter dem Namen Ackermann-Gemeinde gegeben hat.

Peter Franz Thürl