Gut behütet seit Jahrhunderten

Neutitschein / Nový Jičín

Hüte aus Neutitschein für die ganze Welt (Foto: Hutmuseum)
Kinder an die Hüte! (Foto: Hutmuseum)
Martina und ihre Enkelin testen die Hüte ausgiebig. (Fotos: privat)

Das Wahrzeichen Neutitscheins/Nový Jičín, der hohe schlanke Hut-Turm der Fabrik TONAK, grüßt die Herankommenden schon von weitem. TONAK ist die Abkürzung des tschechischen Wortes für Hutfabrik und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg für die verstaatlichten Betriebe der Region gewählt.

Hüte haben hier eine lange Tradition. Der erste Nachweis für eine Hutmanufaktur in Neutitschein stammt aus dem 16. Jahrhundert. Im Jahre 1799 eröffnete der Hutmacher Johann Nepomuk Hückel (1779-1835) aus Fulnek eine schnell wachsende Werkstatt und begründete so eine erfolgreiche Familiendynastie. Die Firma wurde 1893 sogar zum k. u. k. Hoflieferanten ernannt. Nach der Vertreibung der Deutschen wurde die „Hutfabrik Johann Hückel‘s Söhne“ zusammen mit weiteren Hutfabriken der Region unter dem Namen TONAK verstaatlicht. Die heute wieder privatisierte Firma behielt den Namen.

Heute gibt es in Neutitschein zwei Museen, die sich mit der Geschichte und der Herstellung von Hüten beschäftigen. Das ursprüngliche Museum befindet sich im Schloss Žerotín und umfasst die wohl größte Sammlung weltweit mit über 4.000 Hüten. Es lädt ein zu einem historischen Spaziergang durch alle Bereiche und Stände, ausgehend von der k. u. k. Zeit bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Das Besondere an diesem Haus sind die wechselnden Ausstellungen, natürlich immer zum Thema Hut. Aber anfassen darf man hier nichts.

Das ist im mehrfach prämierten, interaktiven Museum im Besucherzentrum im Laudon Haus anders: sämtliche Modelle darf man aufsetzen, man kann sich damit fotografieren lassen, und Kinder dürfen dort selbst Modelle entwerfen. Und das Café ist auch einen Abstecher wert.

Der Besucher lernt viel über Hutmanufaktur im Allgemeinen und auch, dass dabei Kaninchen eine entscheidende Rolle spielen, weil das Kaninchenfell das Rohmaterial zur Herstellung des Filzes ist. Aber erst die richtige Methode des Filzens, die noch immer streng geheim gehalten wird, entscheidet über die Qualität der Hüte, die in die ganze Welt verkauft werden.

Die gesamte Geschichte der Hutmanufaktur liest sich wie ein Roman, der nicht in drei Worten zusammengefasst ist. Der Besuch in den beiden Museen liefert die Bilder dazu, und das sollte sich keiner beim nächsten Besuch entgehen lassen. Mit Begeisterung werden die Besucher dann Hüte tragen, wie es Martina, eine Freundin der Autorin, und ihre Enkelin getan haben.

Wer sich vor einem Besuch in Neutitschein über die Hutmuseen dort informieren möchte, findet auf der sehr gut gestalteten mehrsprachigen Website www.mestoklobouku.cz/ wertvolle Einblicke und Hinweise.

Mechtild Handschuch


Weitere deutschsprachige Informationen im Tourismuszentrum:
Frau Natálie Tobolová
Tel.: +420 556 711 888

E-mail: icentrum@novyjicin-town.cz
www.mestoklobouku.cz
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Dieser Beitrag erschien im Heft 2-2020 der Zeitschrift "Der Ackermann".