Am "Ende der Welt" tanzen

Die Georgshalle im Krebsgrund

Blick auf die renovierte Georgshalle
(Fotos: www.tancirna.rychleby.cz - J. Štrajt)
Blick in den Tanzsaal
2007 bekam die Junge Aktion auf ihrer Spurensuche noch die Ruine der Tanzhalle und Fotos aus der Vergangenheit zu sehen (Foto:ja)

Abgelegener kann ein Ort kaum sein: Gefühlt bereits in Polen und im wörtlichen Sinne „hinter den Bergen“ begrüßt einen ein scherzhaftes Ortsschild mit der Aufschrift „Konec světa“ (Ende der Welt). Genau dort verbirgt sich im Wald eines der schönsten Bauwerke der Jauerniger Region: die Tanzhalle oder Georgshalle/Tančírna im Krebsgrund südlich von Jauernig/Javorník.

Wer sie noch vor wenigen Jahren besichtigen wollte, stand vor einer Ruine, wie die Teilnehmer der deutsch-tschechischen Spurensuche 2007 von Junger Aktion, Antikomplex und Jukon. Der Glanz vergangener Zeiten und der Trubel der Feiern in früheren Jahrzehnten konnten nur erahnt werden. Doch selbst in diesem traurigen Zustand strahlte dieser Ort eine besondere Atmosphäre aus. In dem Bericht von damals heißt es: „Unser eigentliches Ziel war an diesem Tag eine alte hölzerne Tanzdiele, die mit prachtvoll geschnitztem Schmuck leider kurz vor dem Zerfall steht. Vlasta Osmančíková vom Verein Hnutí Brontosaurus aus Jeseník/Freiwaldau erzählte uns über die großartige Geschichte, aber auch über die krasse Gegenwart. Nach jahrelanger Un-Pflege von České dráhy scheint nun eine bessere Zukunft angebahnt zu sein, indem die Tanzdiele von der Gemeinde Bernartice/Barzdorf übernommen werden sollte.“

Und tatsächlich: Seitdem sich das Gebäude im Besitz der Gemeinde Barzdorf befindet, konnte der Verfall aufgehalten und 2014 mit der Rekonstruktion begonnen werden. Heute ist die Tanzhalle wieder eines der beliebtesten Ausflugsziele für Besucher des Jauerniger Ländchens und darüber hinaus eines von vielen Beispielen für eine gelungene deutsch-tschechische Zusammenarbeit bei der Wiederherstellung von Denkmälern im ehemaligen Sudetenland.

Der Bauunternehmer Utner begann 1906 mit den Planungen eines sog. „Schweizer Hauses“. Wenige Jahre später gelangte der Bau in den Besitz der Breslauer Bischöfe und gehörte zu deren Sommerresidenz Schloss Johannesberg/Jánský Vrch in Jauernig. Damals erhielt er den Namen „Georgshalle“. Als solcher war er nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung dann zunehmend dem Verfall preisgegeben.

Seit der Wiedereröffnung 2015 bildet die Georgshalle und ihre Umgebung den malerischen Rahmen
für Konzerte, mehrtägige Festivals, Feiern und Ausstellungen. So trat ein Orchester aus Prag mit 24 Musikern hier auf und auch der bekannte tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudi
š hat hier schon gelesen.

Dass dieser schmucke Jugendstilbau „am Ende der Welt“ heute wieder erlebbar ist, ist zahlreichen Idealisten, wie den Mitgliedern von Brontosaurus zu verdanken. Auch den ehemaligen deutschen Bewohnern, die im umtriebigen „Förderkreis Alte Heimat neue Freunde/Spolek Stará vlast noví přátelé“ zusammengeschlossen sind, liegt dieser Ort besonders am Herzen, berichtet Georg Schiedeck, der ganz in der Nähe der Tanzhalle in Waldek/Zálezí geboren und von dort vertrieben worden ist.

ag

Weitere Informationen und Kontakte: www.tancirna.rychleby.cz/

Dieser Beitrag ist erschienen in der Zeitschrift  "Der Ackermann", Heft 1-2020