St. Anna- Wallfahrt für ein friedvolles Miteinander

Die Wallfahrtskirche St. Anna in Altwasser/Stará Voda
(Foto: U. Broßmann)

Ein aktiver Beitrag zur Völkerverständigung und Versöhnung ist das zentrale Anliegen der traditionellen „Deutsch-Tschechischen St. Anna-Wallfahrt“. Die 42 Kilometer lange Fußwallfahrt startet im nordmährischen Kuhländchen/Kravařsko in Bölten/Bělotín bei Mährisch Weißkirchen/Hranice. Das Endziel ist die im Bärner Ländchen gelegene St. Anna-Wallfahrtskirche in Altwasser/Stará Voda.

Der Baubeginn der Wallfahrtskirche ist datiert mit 1683. Da die Vollendung 1688 erfolgte, wird 2018 das 330-jährige Bestehen gefeiert. Die nach 1968 verwüstete St. Anna-Kirche befindet sich mitten im militärischen Sperrgebiet „Liebau/Libavá“. Dort liegen mit Altwasser insgesamt 24 verschwundene Orte. Die Wallfahrtskirche gehört seit vielen Jahren zu den von der UNESCO aufgenommenen Bauten. Die barocke Kirche ist durch einen Förderverein inzwischen zwar weitgehend renoviert, aber das Innere ist nach wie vor stark ruinös.

Mit rund 300 Gläubigen fand die historische Wallfahrt zuletzt im Juli 1944 statt. Danach wurde sie erstmals im Jahr 2005 von einer kleinen deutsch-tschechischen Pilgergruppe (3 Erwachsene, 3 Kinder) wieder gelaufen. Seitdem hat die Fußwallfahrt großen Zulauf gefunden. 2017 nahmen insgesamt 65 Gläubige – Tschechen, Slowaken, Polen, Ungarn und 7 Deutsche – an der bisher größten St. Anna-Wallfahrt teil.

Bewegende Momente: Zum Auftakt das Singen der Nationalhymnen vor der Böltener Kirche mit der abschließenden Europa-Hymne, bei der sich alle die Hände reichen, aber auch die kurze Andacht auf dem Friedhof mit Gebeten und Gedenken an die verstorbenen deutschen und tschechischen Bewohner, die hier in der gleichen Erde ruhen. An den Bildstöcken wird gebetet, der Toten, der Vertriebenen und der Neusiedler gedacht. In einigen Kirchen, in die die Wallfahrerprozessionen einziehen, läuten die Glocken und die Orgel spielt.

Bereits seit vielen Jahren wird jährlich am Anna-Fest in der Wallfahrtskirche von Altwasser ein deutsch-tschechischer Gottesdienst abgehalten. An ihm nehmen jedes Mal zahlreiche Pilger teil, die eigens zu diesem Anlass mit Bus oder Auto von weit her kommen. Sowohl die ehemaligen deutschen Bewohner der Region sind dabei stark vertreten, als auch tschechische Wallfahrer. Der feierliche Einzug der Pilgerschaar in die Wallfahrtskirche mit dem Te Deum „Großer Gott, wir loben Dich“ – wechselweise in deutsch und tschechisch gesungen – und die Ehrung der langjährigen Wallfahrer, bewegt.

Was berührt eine Nachgeborene wie mich heute noch? Ich spüre, wo meine christlichen Wurzeln verankert sind, ich erlebe die freundschaftliche Begegnung zwischen den teilnehmenden Wallfahrern, aber es geht heute weit mehr – neben der versöhnenden Begegnung zwischen den Völkern in Europa – auch um das friedvolle Miteinander.

 

Martina E. Büchel