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Die Gedenkstätte im Konzentrationslager Dachau

Europäisches Gedenken an das Grauen und Signale der Versöhnung

Im KZ Dachau erlebte Karl [Leisner] Europa auf sehr intensive Weise im gemeinsamen Leid. Bei seiner Priesterweihe am 17. Dezember 1944 – tags zuvor hatte die Ardennenschlacht begonnen – waren Menschen aus über 20 europäischen Ländern anwesend. Obwohl Deutsche und Franzosen noch gegeneinander Krieg führten, weihte der französische Bischof Gabriel Piguet von Clermont Karl zum Priester. Die Anwesenheit von Priestern vor allem aus dem sogenannten Ostblock ließ aufleuchten, dass die Menschen in Europa zur Einheit finden könnten.“ (Seeger/Leisner: Visionär eines geeinten Europas, Topos, Kevelaer 2005, 139) In kaum einem anderen Ereignis als der heimlichen Priesterweihe Leisners zeigt sich so eindrücklich, welch internationaler Ort das Konzentrationslager Dachau gewesen ist. Zwar stellten die Pfarrerblocks in Dachau eine unfreiwillig zustande gekommene Gemeinschaft dar; und doch barg ihre internationale Zusammensetzung ein beachtliches Versöhnungs- und Friedenspotenzial für das künftige Europa.

Neben den Überlebenden bzw. deren Nachkommen machen sich auch Pilgerinnen und Pilger zahlreicher Länder regelmäßig auf den Weg nach Dachau, um dort zu erinnern, nachzudenken, zu beten. Sie tun dies in dem Wissen, dass Christus unter den Gefangenen präsent war, gleichsam wie ein Mithäftling, nicht zuletzt im Tabernakel der Lagerkapelle des Pfarrerblocks 26. Seit Mitte der 1980er Jahre hat die Katholische Kirche zudem bislang 62 der Dachau-Märtyrer seliggesprochen, den Karmelit Titus Brandsma im Jahr 2022 sogar heilig. Zu den Seligen gehört auch der sudetendeutsche Pater Engelmar Unzeitig CMM (Foto), der bei der Pflege typhuskranker Mithäftlinge, zu der er sich freiwillig gemeldet hatte, im März 1945 sein Leben verlor. Immer wieder kommen internationale Gruppen auf den Spuren „ihrer“ Seligen, um die Orte der Martyrien aufzusuchen. 

So waren beispielsweise im Jahr 2024 – zum zehnjährigen Jubiläum der Seligsprechung des Dominikanerpaters Giuseppe Girotti – italienische Pilger aus seinem Heimatort Alba im Piemont in Dachau, begleitet von ihrem Bischof Marco Brunetti. Gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins Selige Märtyrer von Dachau e.V., Schwestern des Karmel, der Katholischen Seelsorge an der Gedenkstätte und weiteren Interessierten feierten die Pilger aus Alba einen berührenden Gottesdienst bei der Kapelle Regina Pacis auf dem Leitenberg nördlich von Dachau; direkt nebenan befindet sich ein großer KZ-Friedhof, auf dem vermutlich auch die Gebeine Girottis ruhen.

Denkwürdig war auch die polnisch-deutsche Gedenkfeier anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung im April 2025. Über 1000 polnische Pilgerinnen und Pilger kamen nach Dachau, wurden in mehr als 25 Gruppen durch die Gedenkstätte geführt, aßen gemeinsam in einem großen Festzelt zu Mittag und feierten anschließend eine Eucharistiefeier, der mehrere polnische und deutsche Bischöfe vorstanden. In seiner Predigt betonte Bischof Michael Gerber aus Fulda (zu der Zeit stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz), welch versöhnliches Signal von diesem Treffen in Dachau ausgehe – nicht nur für die deutsch-polnischen Beziehungen. So bleibt die KZ-Gedenkstätte auch künftig ein Ort des Dialogs und der Verheißung von Frieden und Versöhnung.

Judith Einsiedel, 
Kath. Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte

80 Jahre nach Kriegsende besuchten im April 2025 Erzbischof ThLic. Dominik Kardinal Duka, Erzbischof Josef Nuzík und Weihbischof Mag. Antonín Basler (v.r.n.l.) das Konzentrationslager Dachau und beteten in der Todesangst Christi Kapelle für die seinerzeit inhaftierten und ermordeten Geistlichen aus Böhmen, Mähren und Schlesien (Foto: Bistum Olmütz)
Pater Engelmar Unzeitig
Die Marienstatue im Dachauer Karmel stammt aus einem aufgelösten Salva¬to¬rianer-Kloster in Jägerndorf/Krnov.
(Foto: Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte)