Der Franziskusweg in Blattendorf/Blahutovice
- Institution
Zeichen der Versöhnung, Ort der Inspiration
In zahlreichen Orten Europas befinden sich Franziskuswege mit Stationen, die von Pilgern gerne besucht werden. Einer davon ist der Franziskusweg von Blattendorf/Blahutovice im mährischen Kuhländchen, einer historisch deutsch besiedelten Gegend, die von Landwirtschaft geprägt ist.
1924 hat der Hofbesitzer Eduard Bayer seinen Hof mit Land im Nachlass einer Ordensgemeinschaft bestimmt. Aus dem Hof wurde ein Kloster und eine Gemeinschaft von etwa 10 Schwestern bewirtschaftete den Hof und betreute heranwachsende Jugendliche. Mit der Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg wurden die deutschen Bewohner und Schwestern des Klosters aus Blattendorf vertrieben. Das Kloster nutzte man noch viele Jahre als Kindergarten, danach kam es aber in Besitz der Landwirtschaftlichen Genossenschaft und verfiel langsam vor sich hin.
Vor zwanzig Jahren gründeten heutige Bewohner des Ortes den Verein „Bayers Nachlass“ und begannen den Hof mit Kapelle wieder herzurichten und als Begegnungszentrum und Pilgerherberge zu nutzen. Die Kapelle des Klosters dient heute dem Ort für Gottesdienste, Hochzeiten und andere Feste. Bei ihrer Initiative erhielt der Verein viel Unterstützung von den in Deutschland lebenden ehemaligen Bewohnern des Ortes. Ein noch aus dem Kloster stammendes Kreuz, dessen Corpus stark beschädigt war, ist von einem deutschen Schnitzer rekonstruiert worden. Und auch der Blattendorfer Walter Hanel aus dem württembergischen Ottenbach besuchte oft seine Heimat und sah nun, wie die Bewohner des Ortes das Kloster wieder herrichteten. Nach dem Vorbild seines jetzigen Wohnortes ließ er 2012 als Beitrag zur Versöhnung einen Franziskusweg errichten. Der Weg beginnt beim Kloster und führt 4,8 km durch Wiesen, Felder und Wald zu den Stationen des Sonnengesangs. Die Naturverbundenheit und Sorge um die Schöpfung ist ein zentrales Anliegen des Franziskusweges, der auch viele nichtgläubige Menschen anspricht und einlädt. Eine der Stationen ist aber auch der Versöhnung gewidmet. Die Besucher werden zu Beginn des Weges aufgefordert einen Stein mitzunehmen, den sie zum Zeichen der Versöhnung an dieser Station für ihr Versöhnungsanliegen ablegen. Die heutigen Bewohner und die vertriebenen ehemaligen Bewohner haben gemeinsam einen Ort geschaffen, wo Menschen sich begegnen, gemeinsam beten, sich versöhnen und inspiriert werden sich für das Gute einzusetzen.
Adriana Insel
(Foto: facebook Franziskusweg)