Hans Traxler: Mama, warum bin ich kein Huhn?


Hans Traxler: Mama, warum bin ich kein Huhn? Kindheitserinnerungen, Insel-Bücherei Nr. 2035. Insel Verlag Berlin 2019, 103 Seiten, zahlreiche Illustrationen des Autors, ISBN 978-3-458-20035-2, € 16,00.

 Mit einem künstlerischen Einstieg beginnen die Kindheitserinnerungen des bekannten Cartoonisten Hans Traxler. Er vergleicht seine von ihm als Kind „Klofenster“ genannten Bilder mit den von Piet Modrian schwarz gerahmt und bunt ausgemalten Kästchen, bei denen dieser sein Leben lang geblieben sei und viel Geld damit gemacht habe. Traxler habe sich auf kleine Bilderstrips konzentriert und dazu lustige Geschichten erzählt.

Fasziniert von den Hühnern, die er auf dem heimischen Bauernhof intensiv beobachtet hat, soll der Autor seine Mutter gefragt haben: „Mama, warum bin ich kein Huhn?“ Das gab dem Buch seinen Titel. Einzelne Ereignisse aus seiner Kindheit werden humorvoll beschrieben und mit Zeichnungen kommentiert. Die Schlaglichter der Kindheit beleuchten nicht nur das familiäre Umfeld und machen Gebräuche deutlich, wie den Umgang mit dem Sterben, sondern gehen auch auf die historischen Ereignisse ein. Die Geschichten greifen einzelne Geschehnisse des Krieges auf. Traxler macht hier mit seinen Erzählungen die Absurdität der letzten Tage des Krieges deutlich, in denen man Schüler einsetzte, um eine Hauptkampflinie, ein Schützengrabensystem mit Unterständen zu errichten. Das sollte einen Schutzwall gegen die anstürmenden Russen bilden. Bei dieser Arbeit waren sie den Tieffliegern schutzlos ausgesetzt und sind nur durch das erstaunliche Abdrehen eines Fliegers verschont geblieben.

In der letzten Szene befindet sich der Autor, noch Kind, versteckt in einem Wald und versucht herauszubekommen, ob die Russen im nahegelegenen Dorf sind. Zwei Kinder, die im Gras spielen, bestätigen, dass die Russen da gewesen seien. Beim Hineingehen in das Dorf begegnet der Protagonist einem Huhn, das zusieht, wie eine russische Soldatin den nicht vorhandenen Verkehr regelt. Nach einer Weile kommt ein Auto mit einem Sowjetstern, nimmt die Soldatin mit und das Huhn läuft über die Straße, das waren die letzten Bilder der Kindheit des Autors.

Die humorvolle Niederschrift der Kindheitserinnerungen macht Freude beim Lesen und fordern mit ihrer Art der Darstellung in Bild und Text durchaus zum Nachdenken heraus.


Dorothea Schroth