Franz Machilek: Jan Hus


Franz Machilek: Jan Hus (um 1372-1415). Prediger, Theologe, Reformator. Katholisches Leben und Kirchenreform im Zeitalter der Glaubensspaltung Band 78/79, Aschendorff Verlag Münster 2019, 272 Seiten, ISBN 978-3-402-11099-7, € 29,90.

Die Ackermann-Gemeinde hat in ihrer fast 75jährigen Geschichte nicht nur bedeutende Politiker zu ihren Mitgliedern gezählt – so Hans Schütz, Edmund Leukert, Josef Stingl –, sondern auch herausragende Historiker – zum Beispiel Prof. Lemberg Vater und Sohn, Prof. Ferdinand Seibt, Prof. Huber, Rainer Bendel (dem wir u.a. eine umfassende Geschichte der „Königsteiner Anstalten“ als kirchliches Vertriebenenzentrum nach 1946 zu verdanken haben), desgleichen wichtige Theologen, so u.a. Pater Paulus Sladek, Pater Jaksch, dann Kunsthistoriker(innen), v.a. Johanna von Herzogenberg, Lilian Schacherl; auch der Germanist Dieter Krywalski ist hier zu nennen.

Gegenwärtig ist es der so bescheiden auftretende Franz Machilek. Er vereint in seiner Person den Theologen mit dem Tschechischen vertrauten Bohemisten, Mediävisten. Vor kurzem hat er die deutsche Summe aller bisherigen Hus-Forschung von Tschechien über England, Holland, Österreich bis Deutschland als Lebenswerk vorlegen können.

Seit seiner Studienzeit ab 1954 hat er sich mit steigender Intensität mit Person, Lehre, Wirkung, Tod und späterem Missbrauch des Priesters und Universitätsmagisters Jan Hus durch (Sudeten-)Deutsche und Tschechen beschäftigt und 2019 ein Werk vorgelegt, das alle Aspekte umfassend, zitatbelegt und mit Hinweisen auf die überaus reiche internationale Literatur das Bild dieses frommen und zugleich institutionskritischen Mannes lebendig zeichnet. Auf 271 Seiten (davon 54 Seiten Quellenangaben und Literatur) in V Hauptkapiteln (das II. mit 5, das III. mit 30 Unterkapiteln) mit 1.051 Anmerkungen (!) schildert Machilek zunächst Prag als Hauptstadt der Luxemburger, insbesondere Karls IV., die Gründung und Funktion der Universität, sodann Reformansätze der Kirche und sich abzeichnende Krisenmomente in Staat, Kirche und Gesellschaft. Ausführlich und mit besonderer Betonung des Glaubens- und Kirchenverständnisses von Hus entwickelt Machilek die Biografie des aus einfachen Verhältnissen stammenden „Jan“ aus Husinec, geht auf seine Christologie ein, sein Verständnis der Wyclif`schen Reformvorstellungen, das Vaterunser-Verständnis, seine über 3000 in tschechischer Sprache in der Prager Bethlehemskapelle gehaltenen Predigten, seine auf Christus ausgerichteten Pastoralschriften, schließlich die Anklage und Reise zum Kirchenkonzil nach Konstanz und Verbrennungstod. Machilek skizziert dann auch die Argumentationen der bis in die Gegenwart reichenden Auseinandersetzungen um die Frage des „Ketzers“ oder „Reformators“, die er mit folgendem Ergebnis beschließt: „In der jüngsten Diskussion werden (…) sein priesterliches Leben, seine moralische Integrität, sein Reformwille und sein bis zum Ende auf dem Scheiterhaufen bekundeter Christusglaube betont“ (S. 216).

Mein besonderes Urteil: Die Ackermann-Gemeinde kann auch 2020 wirklich froh sein, dass mit diesem Werk des Ackermann-Gemeinde-Mitglieds Machilek wiederum ein wissenschaftliches Werk, aber auch ein transnationales Zeichen für Versöhnung in Kirche und Welt erschienen ist. Daher – von einer „Rezension“ abweichend: Lest dieses Buch!.

 

Dr. Otfrid Pustejovsky