Dora Kaprálová: Berliner Notizbuch


Dora Kaprálová: Berliner Notizbuch. Aus dem Tschechischen von Ruben Höppner unter der Mitarbeit von Denise Lenertová, Balaena Verlag
Landsberg am Lech 2018, 210 Seiten, ISBN 978-3-9819984-1-2, € 19,90.

Hat man eine Landkarte von Mitteleuropa bei der Hand bzw. im Kopf und einen Stadtplan von Berlin, so kann man die besuchten Orte im „Berliner Notizbuch“ der Autorin erleben. Sie beschreibt die Orte nicht deutlich, erwähnt sie eher nebenbei. Man erfährt, wie sie sich in Berlin und Mitteleuropa bewegt, ist mit ihr auf Reisen, erlebt sie beim Fahren mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln durch Berlin und über Land.

Bei der Beschreibung ihres Alltags fließen ab und an kurze grundsätzliche Überlegungen ein, die mitunter aber schnell auch wieder verworfen werden, um die Beschreibung des momentanen Umfelds wieder aufzunehmen.

Ab und an gibt es auch nicht sofort verständliche Bezüge zum Zeitgeschehen, die in die Beschreibung des Alltags förmlich „hereinplatzen“ .

Beim Besuch einer Gospelmesse in einer Baptistenkirche beschreibt die Autorin, dass sie nicht dorthin gehöre, aber hier zumindest in einer „echten“ (wirklicheren, tieferen, unabsehbareren) Fremde verweilen könne. Nicht wie die Fremde, in der sie leben muss, die so peinlich nah ist, mitteleuropäisch, so dass sie eigentlich nicht fremdeln dürfte?

Hier und auch bei der Beschreibung von Begegnungen mit Menschen in den öffentlichen Räumen klingt das Fremdsein immer wieder an. Wie auch die Vergänglichkeit, mit der das Buch schließt: „Alles wird am Ende verschwinden.“

 

Dorothea Schroth