Jan Larisch: Mons. ThDr. Josef Schinzel


Jan Larisch: Mons. ThDr. Josef Schinzel – Weihbischof der Erzdiözese Olmütz. Hg. Slezský n
ěmecký spolek, z. s. (Schlesisch deutscher Verband e. V.) mit Sozialwerk der  Ackermann-Gemeinde e. V., aus dem tschechischen Original ins Deutsche übertragen von Marketa Barth, mit einem Geleitwort von Bischof František Lobkowicz, Opava 2019, 78 Seiten mit Abbildungeen, ISBN 978-3-9800815-5-9, € 5,00.

Erhältlich über die Bundesgeschäftsstelle der Ackermann-Gemeinde.

 

In der Reihe „Osobnosti ostravsko-opavské diecéze“ (Persönlichkeiten der Diözese Ostrau-Troppau) hat Pfarrer Dr. Jan Larisch mit dem Lebensbild des letzten deutschen Weihbischofs von Olmütz das fünfte Lebensbild bedeutender katholischer Seelsorger aus der nordmährisch-schlesischen Landschaft veröffentlicht. Es ist allerdings die erste Publikation der Reihe, die in deutscher Übersetzung erscheint. Die Publikation schließt eine Jahrzehnte alte Lücke im Bereich fundierter Biographien bedeutender Kirchenmänner aus Böhmen-Mähren-Schlesien. Der Mährer Dr. Josef Schinzel (1869-1944) zählte in schwierigster Zeit mit den Leitmeritzer Bischöfen Groß bzw. Weber, dem Brünner Bischof Klein und dem Prager Weihbischof Remiger zu den einzigen Bischöfen der deutschen Minderheit in der ersten Tschechoslowakischen Republik. Doch ist die nationale Zugehörigkeit nicht das entscheidende Kriterium, das Weihbischof Schinzel zu einer herausragenden Persönlichkeit bestimmt. Vielmehr war sein fünfzigjähriges Wirken als Priester, Theologe, Pädagoge, Sozialpolitiker und seit 1923 als Weihbischof geprägt von einem großen Engagement in kirchlichen und weltlichen Aufgaben als Hirte in der Seelsorge am Menschen.

Der Autor zeichnet mit zahlreichen Belegen aus Archiven und aus der zeitgenössischen Presse ein prägnantes Lebensbild Schinzels. Nach der Priesterweihe 1892 und sechs Kaplansjahren in Zwittau führte der Berufsweg Schinzel in den höheren Schuldienst nach Ostrau und Kremsier. Sein herausragender Fleiß und das pädagogische Geschick Schinzels erweckten bald die Aufmerksamkeit nicht allein der Vorgesetzten. 1910 konnte er promovieren. 1912 erfolgte wegen seines Einsatzes für die katholische Pressearbeit die Ernennung zum Monsignore, ein Jahr darauf die Aufnahme ins Olmützer Domkapitel. Schinzels caritatives und gesellschaftliches Engagement zeigte sich in zahlreichen führenden Ämtern: erster Vorsitzender des katholischen Arbeitervereins in Zwittau (1894-98), Kandidat für die Reichsratswahlen 1907, Mitbegründer und erster Vorsitzender der Christlichsozialen Volkspartei des Landesverbands Nordmähren und Schlesien (1911-18), Generalpräses des Olmützer Diözesanverbandes der katholischen Jugend (1913-27), Präsident des Volksbundes der deutschen Katholiken in Mähren und Schlesien (1919-27). Ungezählt sind die Wallfahrten unter Schinzels Leitung. 17 Kirchen und Kapellen hat er konsekriert.

Die Übersetzung ist insgesamt gelungen, wenn auch in einigen Fällen zu wörtliche Übertragungen störend wirken: „erzieherlichen“ (erzieherischen): „für ein niedriges und höheres Gymnasium“ (für ein Unter- und ein Obergymnasium); „eine kurze Zeit lang“ (für kurze Zeit); „zum letzten Mal ausatmete“ (den letzten Atemzug tat).

Dr. Larisch hat eine solide, lesenswerte Arbeit über Schinzels Leben und Wirken vorgelegt. Die Publikation gehört in jede Fachbibliothek im deutschen Sprachraum, in der pastorale und kirchengeschichtliche Werke vertreten sind. Schinzel, ein Propagator der Katholischen Aktion und damit des Laienapostolats, verkündete 1928: „Wir wollen nicht nur verteidigen, wir wollen bauen; wollen zurückerobern, was wir verloren“ (S. 57). Dieser Leitsatz ist auch 90 Jahre später für unsere Kirche v. a. im deutschen Sprachraum eine unverändert aktuelle Herausforderung!

 

Dr. Raimund Paleczek