Jana Frantová/Jan Polouček: Noch sind wir im Krieg.

Emmeram Kränkl OSB: Glaube & Vernunft.

 

Emmeram Kränkl OSB: Glaube & Vernunft. Christliche Philosophen aus zwei Jahrtausenden, Verlag Friedrich Pustet
Regensburg 2018, 327 S., ISBN 978-3-7917-2753-0, € 29,95.

Christliche Philosophen

Der Band ist eine Sammlung der wichtigsten Aussagen von christlichen Philosophen zum Verhältnis zwischen Rationalität und Religion. Der Autor trägt Texte von insgesamt 51 Philosophen und Theologen zusammen, kommentiert jeden mit Hinblick auf die Ausgangsfrage und hebt die historische Bedeutung der Verfasser hervor.

Das Buch bietet einen prägnanten Einblick in die Hauptgestalten der christlichen Philosophie, ist aber auch für diejenigen gut zugänglich, die keine philosophisch-theologischen Vorkenntnisse besitzen. Die Zugänge zum Thema erweisen sich als vielfältig: Tertulian betrachtet die griechische Philosophie negativ, Basilius der Große meint, sie sei die „Wegbereiterin“ für die christliche Offenbarung, und Blaise Pascal lehnt gar jede Möglichkeit, die Existenz Gottes zu beweisen, kategorisch ab. Über die Jahrhunderte hat sich die Beziehung zwischen Philosophie und geoffenbarter Religion gewandelt, aber über eines waren alle christlichen Denker sich einig: zum Menschensein gehört die Dimension, die das Diesseitige übersteigt und im Jenseitigen beheimatet ist - Metaphysik.

Auch wenn einige Texte sich schwer durchdringen lassen, sind die zahlreichen Kommentare des Autors sehr hilfreich, die Hauptthesen zu erfassen. Gerade weil die Texte so kurz und kompakt sind, provoziert die Auseinandersetzung mit ihnen das eigene Nachdenken. Auf der anderen Seite muss das Buch gerade so gelesen werden, wie es im Titel und Untertitel steht. Gefragt werden also nur diejenigen Denker, die als „Christliche Philosophen“ gelten, die also per definitionem in sich Glaube und Vernunft verbinden. Das Interessengebiet des Buches schließt alle Gruppierungen innerhalb des Christentums aus, die keine philosophische Ausbildung hatten. Außerdem ist die Auswahl der Philosophen sehr stark männlich geprägt. Es wird insgesamt nur eine einzige Frau (Edith Stein) betrachtet.

„Glaube & Vernunft“ erschließt dem breiten Publikum den großen geistigen Reichtum des christlichen Denkens und trägt insofern zur Vergewisserung bei, dass auf der Suche nach der letzten Wahrheit wir von zwei Gaben Gottes Gebrauch machen dürfen - Glaube und Vernunft.

Lukas Ambraziejus SJ

Lenka Hubačková/Arthur Schnabl: Wie eine Ratte nagt am Putz die Zeit

Lenka Hubačková/Arthur Schnabl: Wie eine Ratte nagt am Putz die Zeit. Literatur aus Mähren, 2 Audio-CDs 148 Min., LohrBär Verlag Regensburg 2010, ISBN 978-3-939529-09-5, € 17,90.

Mährens Literatur für die Ohren

Der Germanist und Literat Arthur Schnabl aus Regensburg und die in Prag lebende Lenka Hubačková, beide Mitarbeiter des Reiseunternehmens „Begegnung mit Böhmen“, haben nach zahlreichen literarischen Reisen durch Böhmen und Mähren nun ein Hörbuch mährischer Literatur eingespielt. Auf zwei CDs werden zweieinhalb Stunden überwiegend Prosatexte in Mähren beheimateter oder mit dieser Landschaft verbundener Schriftsteller des 20. Jahrhunderts vorgestellt. Werke von deutsch- als auch tschechischsprachigen Autoren bekommen wir zu hören, unter ihnen auch weniger bekannte, wie Jan Čep, Hermann Ungar, Erica Pedretti und Jiří Kratochvíl. In ihren Geschichten beschreiben sie die verschiedenen Landstriche von Südmähren mit Weinbau und der engen Beziehung von Brünn/Brno zu Wien, über Mährisch Sternberg/Šternberk an dessen Putz die Zeit wie eine Ratte nagte, bis zum nordmährischen Industriegebiet um Ostrau/Ostrava. Alle Autoren haben eine besondere Beziehung zu Mähren, aber der mährischste unter ihnen ist zweifellos Jan Skácel, von dem leider nur Prosatexte zu hören sind. Und schließlich vermissen wir auch die zu Beginn beschriebene mährische Musik.

Adriana Insel

Georg Jäschke: Wegbereiter der deutsch-polnisch-tschechischen Versöhnung?

Georg Jäschke: Wegbereiter der deutsch-polnisch-tschechischen Versöhnung?  Die katholische Vertriebenenjugend 1946-1990 in der Bundesrepublik Deutschland, Aschendorff-Verlag Münster 2018, 393 Seiten, ISBN 978-3-402-13276-0, 49,00 €.

Vertriebenenjugend katholisch

In seiner leicht überarbeiteten Dissertation von 2017 legt Georg Jäschke, der selbst aus der Grafschaft Glatz stammt, eine erste Darstellung der Entwicklungen bei den Jugendverbänden der katholischen Vertriebenen vor. Insgesamt gründeten sich in den späten 40er- und beginnenden 50er-Jahren zwölf, meist herkunftsbezogene Gemeinschaften katholischer vertriebener Jugendlicher, von denen elf sich in der „Aktion heimatvertriebener katholischer Jugend“ (AhkJ) im Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ) zusammenschlossen (heute Aktion West-Ost (AkWO), Arbeitsgemeinschaft für europäische Friedensfragen, mit vier Mitgliedsverbänden: Adalbertus Jugend, Gemeinschaft Junges Ermland, Junge Aktion der Ackermann-Gemeinde und Junge Grafschaft). Jäschke beschreibt die Entwicklungen vor allem am Beispiel dieser vier Verbände sowie der Aktion junges Schlesien; auf die anderen Organisationen wird nur gelegentlich hingewiesen. Er verfolgt die Ziele und Themen in den einzelnen Gemeinschaften und ihrem Zusammenschluss zwischen der Gründungszeit und der deutschen Vereinigung 1990 und widmet dabei jeweils einem Jahrzehnt ein Kapitel. Dies wird jeweils durch eine kurze Charakterisierung der gesellschaftlichen und kirchlichen Themen des Jahrzehnts eingeleitet, dann erfolgt die Skizzierung der Entwicklung in den einzelnen Gemeinschaften und in der AhkJ und abschließend ein Fazit.

Er skizziert für die Gründungsphase die wichtige Rolle der Laien und Seelsorger, die zuvor in den Herkunftsgebieten in der katholischen Jugendarbeit engagiert gewesen und mit ihren organisatorischen und pädagogischen Erfahrungen handlungsfähig waren. Ihnen ging es zuerst um Verbindung, Unterstützung und Stabilisierung für die Jugendlichen, die vielerorts als Fremde auf wenig Akzeptanz stießen. Bei der damaligen Leitung des BDKJ allerdings gab es eine große Bereitschaft, diesen neuen Gemeinschaften im Dachverband einen Raum zu geben.

Aus den 50er-Jahren wird die Veränderung der Thematik hin zu allgemeineren Themen der religiösen und der politischen Bildung sowie die Auseinandersetzung mit dem Vertretungs-Anspruch der Deutschen Jugend des Ostens (DJO) dargestellt; aus den 60-ern das veränderte Selbstverständnis in den einzelnen Gemeinschaften, die ersten intensiveren Kontaktaufnahmen mit jungen Christen in den Herkunftsregionen wie auch divergierende politische Einschätzungen und daraus erwachsende Spannungen innerhalb des BDKJ. Aus der ersten Hälfte der 70er Jahre greift er besonders den praktisch vollständigen Generationenwechsel in den Gemeinschaften und die Auseinandersetzungen im Kontext der Ostpolitik Willy Brandts und der Neuordnung der ostmitteleuropäischen Diözesen auf. Den meisten der untersuchten Gemeinschaften gelang es, sich auf die veränderte Situation einzustellen – die Themen Menschenrechte und Kirchenverfolgung standen jetzt im Vordergrund. Die Aktion Junges Schlesien brach aber in dieser Periode massiv ein. In der zweiten Hälfte der Dekade ging es u.a. um die Integration der zuwandernden Spätaussiedler; die politischen Veränderungen erlaubten auch eine Intensivierung der Kontakte über den Eisernen Vorhang hinweg; innerhalb des BDKJ waren die inzwischen als AkWO firmierenden Gemeinschaften als Spezialisten für Ostmitteleuropa anerkannt. In den 80er-Jahren zeigte sich, dass diejenigen Gemeinschaften, die sich bereits lange auf den Kontakt mit jungen Menschen in den Herkunftsländern der Gründungsgeneration und auf Ost-West-Gegenwartsthemen spezialisiert hatten, weiterhin aktiv waren und auch Mitglieder gewinnen konnten.

Insgesamt gibt das Buch einen guten Überblick über die Entwicklungen, bei denen die Ackermann-Gemeinde und besonders die Junge Aktion wichtige Akteure waren. So ist es sehr verdienstvoll, dass diese Untersuchung jetzt greifbar ist.

Dr. Barbara Krause