Weihnachtsgruß "Mehr geht nicht"

Auch in diesem Jahr wendet sich Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge an den Vertriebenen und Aussiedlern, mit einem Weihnachtsgruß an die Mitglieder, Freunde und Förderer der Ackermann-Gemeinde:

Im Haus des Bischofs von Puyo/Ecuador fand ich diese Weihnachtsdarstellung. Beim ersten Blick fiel mir der Titel ein: „Mehr geht nicht“. Auf engstem Raum finden wir um das Jesuskind geschart Maria, Josef, zwei Hirten, ein Schaf und natürlich auch Ochs und Esel – wenn auch nur ihre Köpfe. „Mehr geht nicht!“ auf diesem engen Raum. Warum hat der Künstler alles so eng gestellt? Vielleicht will er sagen: „Schart euch um dieses Kind, das der Welt das Heil bringen will!“ Oder: „Schützt das junge und neue Leben, das Gott in die Welt geschickt hat! Es ist eure letzte Chance!“ Oder: „Die ganze Schöpfung freut sich über das Heil, das von Gott kommt, und kann es nicht fassen!" Das Wort „Mehr geht nicht“ müssen wir nicht nur auf den engen Raum beziehen, sondern auf die Liebe Gottes, die sich im Kommen des göttlichen Kindes zeigt, das von Maria in Bethlehem unter dem Schutz des heiligen Josef geboren wurde und mit Freuden von den Hirten verehrt worden ist, die das mitgebracht haben, was sie hatten: ein Schaf.

Bis heute gilt dieses Wort: „Mehr geht nicht!“ Wenn auch die Menschen heute nach vielen Dingen verlangen, die ihnen Freude zu bringen scheinen, so kann doch Gott seine Geschenke nicht mehr vergrößern. Unsere Geschenke am Weihnachtsfest möchten eigentlich die Sehnsucht nach dem Schönen und Guten nicht stillen, sondern vergrößern. Bei Geschenken ist es doch so, dass wir uns immer nur kurzzeitig freuen und doch sofort die Frage aufkommt: Lässt sich das Angebot noch steigern? Jedes Jahr werden neue technische Geräte auf den Markt gebracht und scheinen derzeit „der letzte Schrei“ zu sein, den man nicht überbieten kann und den man unbedingt haben muss, um glücklich zu sein. Und dennoch weiß jeder: Im nächsten Jahr kommt noch etwas Besseres. Jetzt ist es das Smart-Phone zum Knicken und der durchsichtige Bildschirm und vielleicht im nächsten Jahr schon der Fernseher, der weiß, was wir gern sehen würden und uns das Programm vorlegt, das wir anschauen sollten.

Ich wünsche mir, dass alle Menschen spüren können: „Das reicht nicht zum Glücklichsein!“ Die Nachricht vom liebenden Vater, der seinen eigenen und einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, um uns das Heil des Paradieses zu schenken, kann durch Nichts überboten oder ausgetauscht werden. Die Sehnsucht nach gelingendem Leben außerhalb der Liebe Gottes führt in das Dunkel und den Egoismus, der uns krank macht. Wir dürfen an diesem Weihnachtsfest wieder hören, wie groß die Liebe Gottes zu uns Menschen ist und wie einfach es auch sein kann, ihm zu begegnen: nämlich mit dem, was wir haben – so wie es der Hirt auf unserem Bild getan hat. Interessant ist, dass nur bei den Weisen aus dem Morgenland die Geschenke aufgezählt werden. Von den Geschenken der Hirten schweigt das Evangelium. Oder? Die Hirten teilen mit, was sie auf den Feldern von den Engeln gehört haben: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens!“ Mehr können wir nicht sagen und tun: Gott die Ehre geben und den Menschen zur Erfahrung des Friedens helfen. Dann wird es ein Weihnachten, das uns wirklich froh machen kann. Das wünsche ich Ihnen von Herzen.

+ Weihbischof Dr. Reinhard Hauke