Vier christliche Vorbilder stehen für das Motto „Tritt hervor“ - Deutsch-tschechischer Gottesdienst beim Festival „Meeting Brno“

Zum Brünner Festival „Meeting Brno“ gehört seit Beginn auch ein deutsch-tschechischer Gottesdienst. Hierzu lädt die Ackermann-Gemeinde als Kooperationspartner mit ein. Erstmals fand dieser in der Kirche der Seligen Schwester Restituta Kafka im Stadtteil Lesna statt. Das Gotteshaus, welches in diesem Jahr fertiggestellt wurde, war erst am Vortag gesegnet worden. Als eine gute Fügung sah es Pfarrer Pavel Hověz an, dass die Segnung und der Versöhnungsmarsch am Samstag sowie der Festivalgottesdienst am Sonntag zeitlich zusammenfielen. Neben Pfarrer Hověz als Hauptzelebrant standen Msgr. Anton Otte, Repräsentant der Ackermann-Gemeinde in Prag, sowie Pfarrer Klaus Oehrlein, Geistlicher Beirat der Ackermann-Gemeinde Würzburg, mit am Altar. Die musikalische Gestaltung übernahmen die Musikgruppe und der Chor der Pfarrei.

Der deutsch-tschechische Gottesdienst im Rahmen des Festivals Meeting Brno in der neu gesegneten Kirche Brünn Lesná

Vier christliche Vorbilder vor dem Altar: Restituta Kafka, Josef Beran, Přemysl Pitter und Paulus Sladek.

Die Kirche der Seligen Restituta Kafka ist von Weitem ein Blickfang.

Die Messe nahm mit dem Psalm 27 auf das Festivalmotto „Tritt hervor“ Bezug. In diesem heißt es: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten?“ Darin wird deutlich, dass das Leben in der Gemeinschaft mit Gott Gläubigen Zuversicht und Kraft für Zeugnisse der Nächstenliebe gibt. Denn wenn Menschen bedroht und verfolgt werden oder wenn sie unter Unrecht leiden, sind Christen in besonderer Weise herausgefordert.

Tschechische und deutsche Christen haben sich im 20. Jahrhundert der Not der Bedrängten angenommen und Mut in schweren Zeiten bewiesen. Mit der seligen Schwester Restituta Kafka, Přemysl Pitter, P. Dr. Paulus Sladek und Kardinal Dr. Josef Beran wurden vier mutige Christen dieser Zeit mit ihrem Wirken und Glaubenszeugnis vorgestellt. „Alle vier sind auf ihre Weise eine Verkörperung des Festivalmottos „Tritt hervor“. Ja, sie sind „ausgestiegen“, sie sind aufgestanden und buchstäblich „aus der Reihe getanzt“, schlug Pfarrer Oehrlein zu Beginn seiner Predigt den Bogen. Zunächst ging er auf Restituta Kafka ein, der als Selige die neue Kirche geweiht ist. Die Ordensfrau bekam den Spitznamen „Sr. Resoluta“, führte der Prediger aus, weil sie es ablehnte, „arische“ Patienten gegenüber den damals sogenannten „fremd-rassigen“ zu bevorzugen. „Vielmehr schenkte sie liebevolle Zuwendung jedem Menschen ohne Unterschied - nach dem Vorbild des gekreuzigten und auferweckten Jesus Christus.“ Diese Haltung und die Weigerung, die Kreuze in den Krankenzimmern abzuhängen, wurden ihr zum Verhängnis. Kardinal Josef Beran, der Opfer des Nationalsozialismus und Kommunismus war, habe, so Oehrlein, „den Missbrauch der Macht der Mächtigen“ angeprangert. „Sein Leben durchzieht der Kampf gegen das Absolut-Setzen einer Person oder eines Systems“. Das Lebensbeispiel Berans stelle für ihn die Frage nach „dem wahrhaft Absoluten“ und will so „die Frage nach Gott in unsrer Zeit, in unsrem Leben wach halten.“ Beran mahne, auch heute wachsam zu bleiben und aufzustehen gegen staatliche Willkür - nicht nur in Diktaturen, sondern auch gegen ungerechte Polizeigewalt oder gegen Korruption in der Wirtschaft und in der Politik.

Weiter lenkte der Geistliche den Blick auf den tschechischen, evangelischen Christen Přemysl Pitter. Dieser setzte sich im Prag der Zwischenkriegszeit für verarmte Kinder ein. Aus diesen Erfahrungen entsprang nach Ende des Zweiten Weltkriegs sein rettender Einsatz für die elternlosen jüdischen Kinder der befreiten Konzentrationslager und der Kinder der Sudetendeutschen in den Internierungslagern vor der Vertreibung. Für Oehrlein ist Pitters Zeugnis Mahung dafür, „die Schwachen und die unter der Last des Lebens Bedrückten“ im eigenen Umfeld wahrzunehmen und sich für diese zu engagieren. Der Augustinerpater Paulus Sladek widmete sich nach der Vertreibung seinen sudetendeutschen Landsleuten. Oehrlein erinnerte an dessen Ausspruch: „Not ist Anruf Gottes!“. Als Vertriebenenseelsorger und Mitbegründer der Ackermann-Gemeinde ging es ihm neben der humanitären Hilfe um die religiöse Beheimatung. 1946 formulierte er ein „Sühne- und Gelöbnisgebet“. Aus diesem zitierte er „Gedanken der Rache und der Vergeltung sollen nicht Macht gewinnen über unsere Herzen.“ Im Namen der Vertriebenen habe er vielmehr um Vergebung gebeten von allem Unrecht, dass dem tschechischen Volk angetan wurde. Oehrlein betonte: „Seine Überzeugung war: nur ein beiderseitiges Bekenntnis der eigenen Schuld und eine beiderseitige Bitte um Vergebung könnten beide Völker freimachen von dem Bösen, das sie beide belastet - für versöhnte und friedliche Nachbarschaft.“

„Restituta Kafka, Josef Beran, Přemysl Pitter und Paulus Sladek. Diese vier ganz unterschiedlichen Menschen vereint ihr christlicher Glaube, ihr Leben in der Gemeinschaft mit Gott und den Gläubigen. Dieser Glaube schenkte ihnen die Wachsamkeit zu einem kritischen Hinterfragen des damaligen Mainstreams, was „man“, was viele für gut, für richtig, für opportun hielten. Und auf unterschiedlichen Wegen schöpften sie daraus dann einen geradezu übermenschlichen Mut, eine zupackende Zivilcourage in schweren Zeiten, um bewusst gegen diesen Mainstream ihrer Zeit zu schwimmen, hervorzutreten, aus der Reihe zu tanzen durch Zeugnisse der Nächstenliebe,“ fasste Oehrlein zusammen. Ihr Beispiel sei ein Weckruf für uns Christen heute und er schloss die Predigt mit dem Aufruf: „Ja, fürchte Dich nicht, mit Deinem Verhalten vielleicht aus der Reihe zu tanzen. Tritt hervor als Christ!“

Auch in den anschließenden Fürbitten wurde auf die vier Personen Bezug genommen. Kinder brachten hierzu Fotos von ihnen nach vorne und stellten sie vor dem Altar ab. Am Ende des Gottesdienstes ergriffen noch Peter Barton, Leiter des Sudetendeutschen Büros, und David Macek, stellvertretender Direktor von „Meeting Brno“, das Wort. Barton betonte, Schwester Restituta sei „nicht nur eine historische Persönlichkeit, sondern sie möchte uns auch etwas sehr Aktuelles sagen“. Dies bedeute vor allem, angesichts der Herausforderungen der Gegenwart nicht zu schweigen. Macek dankte im Namen von „Meeting Brno“ der Ackermann-Gemeinde für die Vorbereitung des Gottesdienstes und die Mitwirkung am Festival. Er brachte zudem seine Freude über die enge Kooperation mit der Pfarrei in Brünn-Lesna zum Ausdruck.

Zum Abschluss ging Pfarrer Oehrlein auf das Wandernagelkreuz aus dem englischen Coventry ein. Der Würzburger Ackermann-Gemeinde wurde dieses Symbol für Versöhnung für ein Jahr anvertraut. Es geht zurück auf ein zusammengesetztes Kreuz aus Zimmermannsnägeln, welche nach der Zerstörung der dortigen Kathedrale durch deutsche Bomben im November 1940 aus den Ruinen geborgen wurden. Es trägt seither die Idee der völkerweiten Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg in die Welt hinaus. Gemeinsam wurde zum Abschluss das Versöhnungsgebet von Coventry gebetet.