Urlaubsatmosphäre künstlerisch auf den Bildschirm geholt

Museen und Galerien sind (leider) in der erneuten Lockdown-Phase geschlossen. Daher gab es beim jüngsten Kultur-Zoom der Ackermann-Gemeinde eine virtuelle Exkursion ins Kulturforum Ostdeutsche Galerie (KOG) nach Regensburg. Dr. Verena Hein, Kuratorin des KOG und seit Februar 2020 dort Sammlungsleiterin für den Bereich Gemälde und Skulpturen, führte die an über 50 PCs und Telefonen versammelten Kulturinteressenten durch die Ausstellung „Fernweh. Vom Jugendstil bis zur zeitgenössischen Fotografie“. Diese war vom 9. Juli bis zum 6. September in der Ostdeutschen Galerie zu sehen.

 

Dr. Verena Hein bei ihren Ausführungen.

Blick auf einen Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kultur-Zooms.

Das Opus „Die Geburt der Venus“ von Lovis Corinth.

Rainer Karlitschek appellierte an die Zoom-Teilnehmer, zur Verbesserung der aktuellen Situation der in der Kunst- und Kulturbranche Tätigen die Stimmkreisabgeordneten zu kontaktieren.

In mit ihren Studienfächern Kommunikationswissenschaft, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft korrespondierenden Berufs- und Tätigkeitsfeldern hat Hein bereits gearbeitet. So im Museum Villa Stuck in München als Kuratorin und Leiterin der Ausstellungsabteilung sowie an der Bayerischen Staatsoper als Bilddramaturgin. Und nun seit Februar am Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Die Ausstellung „Fernweh“ war die erste Schau, die sie – zumal unter den Bedingungen von Corona – als Kuratorin eigenständig konzipierte und verantwortete.

Natürlich stellte die Sammlungsleiterin die im Jahr 1970 gegründete und im Jugendstil gehaltene Ostdeutsche Galerie, die auf Initative des Adalbert Stifter Vereins und Künstlergilde Esslingen entstand, mit der von der tschechischen Künstlerin Magdalena Jetelová im Jahr 2006 geschaffenen überaus markanten Säuleninstallation am Eingang kurz vor. Ebenso verwies sie auf den zweijährlich verliehenen Lovis-Corinth-Preis, die seit 2017 fest eingerichtete Schausammlung „Woher kommen wir, wohin gehen wir“ und den ganz speziellen Museums- und Stiftungsauftrag. Eine Ausstellung alleine mit tschechischen Künstlern musste heuer coronabedingt ebenso abgesagt werden wie das 50-jährige Jubiläum des Kunstforums.

Die Ausstellung „Fernweh“ sollte angesichts der Reisebeschränkungen in der Corona-Pandemie die Sehnsucht der letzten Monate nach Reisen sättigen. Da Hein im Februar am KOG ihren Dienst angetreten hat, war sie nur etwa einen Monat in ihrem Büro zur Einarbeitung, danach im Home-Office. „Durch das Konzept konnte ich tief in die Sammlung eintauchen“, meinte sie rückblickend. Wie Titel und Untertitel der Ausstellung bereits andeuten, geht es um Urlaubsorte, -landschaften und -atmosphären im engeren und weiteren Sinn, dargestellt von Künstlern unterschiedlicher Epochen und Techniken, angefangen beim Jugendstil. In vier Räumen waren die Werke namhafter Künstler zu sehen – zum Beispiel Emil Orlik, Willy Jaeckel, Ernst Mollenhauer, Erich Leitgeb. Zu den Künstlern und ihren Werken lieferte Verena Hein interessante Informationen und Hintergründe. Mehrmals in der Ausstellung vertreten waren Venus-Motive, unter anderem „Die Geburt der Venus“ von Lovis Corinth oder „Die liegende Venus“ von Ivo Hauptmann.

Ein besonderes Augenmerk richtete die Kuratorin auf den abschließenden Raum „Ausblick“, in dem auch die Kunstströmung „Land Art“ mit einigen Werken vertreten war und der in seiner künstlerischen Anfangszeit auch der heuer verstorbene Künstler Christo angehörte. Aber auch zeitgenössische und politisch motivierte Objekte fanden sich in diesem Raum.

Rainer Karlitschek, der Verena Hein von der Bayerischen Staatsoper kennt und den Kontakt vermittelt hatte, appellierte zum Abschluss an die Teilnehmer der Zoom-Veranstaltung, angesichts der derzeit schwierigen Situation von Künstlern und in Kunsteinrichtungen tätigen Menschen für diese aktiv zu werden. Er empfahl dringend, Kontakt mit den regionalen Landtags- und Bundestagsabgeordneten  aufzunehmen. Diese sollten sich ihre Funktion als Volksvertreter bewusst machen und die derzeit anstehenden wichtigen Fragen „in Gesetzesform fassen“, so der Dramaturg an der Bayerischen Staatsoper und Dozent an der Theaterakademie August Everding. „Für Künstler ist es extrem schwierig zu pausieren“, bestätigte Karlitschek.

Im Kultur-Zoom am ersten Dienstag im Dezember werden tschechische Advents- und Weihnachtsbräuche im Mittelpunkt stehen.

Markus Bauer