„Tritt hervor!“ - Ausblick auf das diesjährige Festival „Meeting Brno“

Programmdirektorin Blanka Návratová informierte beim Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde

Zum fünften Mal findet heuer – wenn auch unter etwas anderen Rahmenbedingungen – in Brünn/Brno das Kulturfestival „Meeting Brno“ statt. Über die Geschichte der Veranstaltung, das diesjährige Programm und die persönlichen Bezüge der Programmdirektorin Blanka Návratová ging es beim jüngsten Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde, zu dem 47 Bildschirme in mehreren Ländern zugeschaltet waren.

Programmdirektorin Blanka Návratová bei ihren Ausführungen.

Sandra Uhlich moderierte alle seit 21. April wöchentlich ausgestrahlten Kulturzooms und erhielt dafür ein herzliches Dankeschön vom Bundesgeschäftsführer der Ackermann-Gemeinde Matthias Dörr.

Blick auf einen Teil der am Kulturzoom interessierten Personen.

Die Ackermann-Gemeinde e.V. wird für die Kulturarbeit im Institutum Bohemicum aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.

Die aus Brünn stammende Direktorin, die unter anderem Deutsch studiert und bei Tandem sowie für ein Reisebüro in Regensburg gearbeitet hat, stellte Moderatorin Sandra Uhlich kurz vor. Sie erwähnte auch, dass Návratová bereits beim ersten Festival „Meeting Brno“ mit dabei war und sie es sehr spannend gefunden habe, „wie andere auf die Geschichte des Landes reagieren“.

Bereits 2017 habe sich Návratová, wie sie schilderte, mit einer Stahlgerüstkonstruktion, die an das frühere Deutsche Haus in Brünn erinnern sollte, in das Festival aktiv mit eingebracht. Damit und mit anderen Elementen wurde die deutsche Geschichte Brünns ins Bewusstsein gerufen – auch dunkle Aspekte wie der Brünner Todesmarsch. „Das Festival habe ich von Anfang an begeistert verfolgt und ich habe daran teilgenommen“, vertiefte Návratová und berichtete von konstruktiver Kritik ihrerseits an einer Veranstaltung. Das habe dazu geführt, dass sie im Herbst 2017 zur Mitarbeit beim Festival eingeladen wurde und sie inzwischen den Posten der Programmdirektorin bekleidet.

Natürlich ging die Referentin auch auf die unmittelbare Vorgeschichte von „Meeting Brno“ ein, das Gedenken der Stadt Brünn im Jahr 2015 an 70 Jahre Kriegsende mit dem „Jahr der Versöhnung“, bei dem neben vielen weiteren Veranstaltungen der Brünner Versöhnungsmarsch zu den wichtigen Elementen gehörte. Initiator war Jaroslav Ostrčilík, der bereits zuvor mit einer kleinen Gruppe zum Gedenken an den Brünner Todesmarsch den Weg von Brünn (Mendelplatz) nach Pohrlitz/Pohořelice gegangen ist. Nun, im Gedenkjahr 2015, sollte diese Veranstaltung größer und in umgekehrter Richtung erfolgen. Da dieser Versöhnungsmarsch bei allen Generationen (auch Zeitzeugen) auf ein überwältigendes Echo stieß, wurde er 2016 wiederholt und mit weiteren Veranstaltungen ergänzt – das Festival „Meeting Brno“ war geboren. Es hat jedes Jahr ein neues Motto.

„Tritt hervor!“ lautet das diesjährige Thema des Festivals. Dabei geht es laut Návratová besonders um „Persönlichkeiten aus der Geschichte und Gegenwart, die es geschafft haben, aus der Reihe zu tanzen, etwas Besonderes zu machen“, so die Referentin. Aber auch das Jubiläum, eben der Rückblick auf den anderen Weg, sollte gewürdigt werden. Zumal Proteste und Gegner dieser Aktivitäten immer weniger würden, erklärte Návratová. Anhand von Fotos zeigte sie Highlights aus den vergangenen Jahren, unter anderem einen der Höhepunkte von 2017, die Einladung von 120 Nachkommen der bedeutendsten jüdischen Familien aus Brünn. „Für viele Leute dieser Familien war es das erste Mal, dass sie in Brünn waren“, schilderte die Direktorin. Und daraus hat sich die Kooperation mit Daniel Low-Beer entwickelt, der eine Gedenkstätte für Oskar Schindlers Arche, die Shoah und das Löw-Beer-Textilfabrik errichten möchte.

Damit war Návratová beim diesjährigen Programm, in dem der Spielfilm „Schindlers Liste“ gezeigt wird – natürlich mit Erläuterungen zu den örtlichen und regionalen Bezügen (Fabrik Brünnlitz, Zwittau usw.). Das Festival „Meeting Brno“ ist heuer zweigeteilt: vom 17. bis 25. Juli mit Veranstaltungen vorzugsweise für Einheimische und vom 4. bis 14. September mit weiteren größeren Veranstaltungen – unter anderem dem Versöhnungsmarsch am 12. September und einem von der Ackermann-Gemeinde verantworteten deutsch-tschechischen Gottesdienst am 13. September zum Thema „Vor wem sollte ich mich fürchten (Ps. 27,1)“. Eine weitere Veranstaltung in Kooperation mit der Ackermann-Gemeinde ist am 10. September die Podiumsdiskussion „Aufstehen und entgegentreten. Einsatz für eine bessere Gesellschaft“. Besonders verwies Návratová auf das Gartenfest zu Ehren von Marie von Ebner-Eschenbach am 13. September. Viele Gründe und Anlässe also, um im Juli und/oder September nach Brünn zu fahren. (www.meetingbrno.cz)

Angesichts dieses letzten wöchentlichen Kulturzooms (seit 21. April) – nun gilt der monatliche Rhythmus jeweils am ersten Dienstag im Monat – dankte der Bundesgeschäftsführer der Ackermann-Gemeinde Matthias Dörr der Moderatorin Sandra Uhlich und lud zum nächsten Kulturzoom am 4. August ein. Hier wird es Beiträge von Mitgliedern des Rohrer Sommers geben – direkt aus dem Kloster Rohr. Die traditionelle beliebte kulturelle Großveranstaltung, zu der sonst aus Deutschland und Tschechien über 100 Personen zusammen kommen, musste coronabedingt heuer abgesagt werden.

 

Markus Bauer