Rohrer Sommer im Schatten von Landshut

Die deutsch-tschechischen Begegnungstage der Ackermann-Gemeinde vom 1. bis 4. August in Landshut werfen bereits ihre Schatten voraus. Die deutsch-tschechische Kulturwoche „Rohrer Sommer“ fand deshalb schon in der Osterwoche in der Benediktinerabtei Rohr statt. Denn bei dieser kulturellen Begegnung wurden unter anderem auch musikalische Programmteile für die August-Veranstaltung erarbeitet.

Kommt auch im August in Landshut zur Aufführung: Die Kinderoper "Brundibár" als Schattenspiel.

Zum 29. Mal trafen sich deutsche und tschechische Kulturinteressierte aller Generationen in der Benediktinerabtei Braunau im Kloster Rohr. Dem „Rohrer Sommer“, so die Kurzbezeichnung der Veranstaltung, gelingt es seit mehreren Jahrzehnten, weit über die Erlebnisgeneration der sudetendeutschen Heimatvertriebenen hinaus Interesse an den gemeinsamen kulturellen Wurzeln im früheren Böhmen zu wecken. „Wenn deutsche und tschechische Kinder und Jugendliche mit Vertretern ihrer Eltern- und Großelterngeneration über mehrere Generationen zusammen singen, musizieren und Theaterstücke inszenieren, dann überwinden sie die Grenzen von Sprache und Denken im wahrsten Sinne des Wortes spielend“, so Kai E. Kocher, der neu gemeisam mit Ruth Ullmann das Leiterduo bildet, um Charakter der Kulturwoche. Auch wenn die diesmal in der Probenwoche unter anderen Rahmenbedingungen etwas weniger Teilnehmer (über 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Tschechien und Deutschland) mit sich brachten, herrschte von Ostermontag bis zum Weißen Sonntag emsiges Treiben und vor allem konzentriertes Tun in den Kreativen Arbeitskreisen bzw. Proben und Übungseinheiten.

Höhepunkte sind jedes Jahr zweifellos das Konzert in der Abteikirche mit der Präsentation der musikalischen Werke sowie der Abschlussabend mit der Vorführung aus den weiteren Arbeitskreisen. Fast schon traditionell für den Rohrer Sommer sind die aus mindestens drei Generationen bestehenden Orchester, wo die Kinder mit den Erwachsenen und Senioren einträchtig und klangvoll musizieren. Beim Kirchenkonzert leitete Simon Ullmann das Orchester, das die Sinfonie in G-Dur op. 1 / 4 ZakP 22 von Václav Pichl (1741 – 1805, böhmischer Geiger, Komponist und Musikdirektor) zum Besten gab. Drei Teile aus der Serenata I op. 3 von Vojtěch Matyáš Jírovec (1763 – 1850, böhmisch-österreichischer Komponist) brachten Anne Henneberger (Querflöte), Stefan Henneberger (Klarinette), Lothar Palsa und Lea Salathé (beide Horn) sowie Simon Ullmann (Violincello) zu Gehör. Seine böhmischen Wurzeln mütterlicherseits verschafften auch Georg Friedrich Händel (1685 - 1759) einen Platz im Konzertprogramm. Die Arie „Singe, Seele, Gott zum Preise“ sang die junge Sopranistin Anna Kocher, begleitet von Stephanie Kocher (Viola) und Irina Ullmann (Cembalo). Und was wäre ein solches Konzert ohne EinzelansichtAntonín Dvořák (1841 – 1904): Die „Bagatellen op. 17 Nr. 1, Nr. 4 und Nr. 5“ spielten Stephanie Kocher (Viola), Simon Ullmann (Violincello) und Irina Ullmann (Klavier). Eine sprachliche Herausforderung vor allem für die deutschen Chorsänger war Dvořáks Žalm 149 (Psalm 149) op. 79 für Chor und Klavier. Den Abschluss bildete die „Messe in F-Dur“ des böhmischen Komponisten Zdeněk Fibich (1850 – 1900), gesungen vom Chor und begleitet vom Streichorchester unter der Gesamtleitung von Stephanie Kocher.

Das harmonische Musizieren von Jung und Alt zeigte sich auch beim Abschlussabend. Hier gelangte die Kinderoper „Brundibár“ von Hans Krása in einer Bearbeitung von Christa Ullmann und Stephanie Kocher für Schattenspiel zur Aufführung – aus terminlichen Gründen leider ohne das Schattenspiel. Hans Krása (1899 – 1944, ermordet im KZ Auschwitz-Birkenau) entstammte einer deutsch-jüdischen Familie in Prag.

In einem weiteren Arbeitskreis wurden die Kerzen für die vier Hauptgottesdienste bei den deutsch-tschechischen Begegnungstagen in Landshut gestaltet und beim Abschlussabend präsentiert: „Ich habe Euch erwählt“, „Singt ein neues Lied“, „Auf Dein Wort hin“ und „Nach seinem Bild erneuert“ ist auf den Kerzen zu lesen, garniert mit dazu passenden Bildern.

Mit einigen im entsprechenden Workshop einstudierten Volkstänzen ging es nahtlos in den geselligen Teil des Abschlussabends über. Der Chor und das Orchester gestalteten auch noch den Sonntagsgottesdienst in der Rohrer Abteikirche mit.

Markus Bauer