Konzert einer virtuosen und weltbekannten Violinistin

Benediktinerin Marie Magdalena Fuxová beim Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde

Lag es daran, dass Konzertbesuche in Corona-Zeiten nicht oder nur bedingt möglich sind? Jedenfalls waren zum jüngsten Kultur-Zoom der Ackermann-Gemeinde, in dem ein Violin-Konzert mit der Benediktinerin Schwester Marie Magdalena Fuxová geboten war, 55 Bildschirme online, d.h. rund 75 Personen ließen sich von den wunderbaren Klängen verzaubern.

 

Ein Ausschnitt aus dem Video mit dem Konzert von Marie Magdalena Fuxová OSB.

Ein Teil der gut 75 „Konzertbesucher“.

Marie Magdalena Fuxová OSB beim Gespräch zur Einführung in den Abend.

Die Ackermann-Gemeinde e.V. wird für die Kulturarbeit im Institutum Bohemicum aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.

Als ein „besonderes Schmankerl“ kündigte Moderatorin Sandra Uhlich das Konzert an und freute sich, dass wiederum „einige neue Gäste“ mit dabei waren. Sie stellte die im Kloster der Abtei Venio am Weißen Berg in Prag lebende Benediktinerin (Hauptsitz in München) kurz vor und machte deutlich, dass Fuxová praktisch als Nonne und als Berufsmusikerin tätig sei. Für die Ackermann-Gemeinde hat sie einen gut einstündigen Videofilm in der Wallfahrtskirche Maria vom Siege am Weißen Berg aufgenommen mit Violinstücken von Johann Sebastian Bach, Niccolò Paganini und Johann Paul von Westhoff, wobei sie auch das Kloster und die Klosterkirche vorstellt, in die einzelnen Werke einführt und musikalische Besonderheiten erklärt. Fuxová hat Violine studiert, sie gehört einigen renommierten Ensembles und Orchestern an, ist Preisträgerin vieler internationaler Violinwettbewerbe – unter anderem zweimalige Gewinnerin des Violinwettbewerbs des Konservatoriums der Republik Tschechien. Zudem hat sie, so Uhlich, „auf vielen prestigeträchtigen Bühnen schon gespielt“.

Vom Geigenvirtuosen und Komponisten Johann Paul von Westhoff (1656 – 1705) spielte sie die Suite in A-Dur. Detaillierter ging sie auf Johann Sebastian Bach ein, hat dieser doch bei seinem Aufenthalt in Böhmen unter anderem drei Violinsonaten komponiert, die den christlichen Hochfesten Weihnachten, Ostern und Pfingsten zugeordnet werden. Fuxová erklärte an einigen Beispielen Bachs Notenschrift und darin enthaltene Verschlüsselungen (Buchstaben- und Zahlenkombinationen), aus denen auch Texte der lateinischen Liturgie herauslesbar sind. Auch musikalische Umsetzungen dieser Verschlüsselung führte sie vor.  Bei der Pfingstsonate hat Bach unter anderem Martin Luthers Lied „Komm Heiliger Geist“ als variierendes Fugenthema verwendet. Auch Datierungen für Kompositionen hat Bach damit gelöst, zum Beispiel ein Werk in seinem 33. Lebensjahr, d.h. im Jahr 1718 anhand geheimer Noten bzw. Akkorde. Nach diesen detaillierten Erklärungen spielte die Violinistin die Fuge aus der Sonate für Solovioline Nr. 3 C-Dur (BWV 1005) – ein gut 18-minütiges Werk.

„Wir sind begeistert, was man aus einer Geige alles herausholen kann“, kommentierte Moderatorin Uhlich die Glanzleistung Fuxovás. Sozusagen als Zugabe gab es noch ein kürzeres Werk eines weiteren Geigenvirtuose und Komponisten, von Niccolò Paganini (1782 – 1840) – die Caprice Nr. 24, die letzte der zwei Dutzend dieser Reihe. Nach Einschätzung von Klassik-Kennern gehören Paganinis Capricen mit zum Schwierigsten, was je für die Geige komponiert wurde. Aber auch das meistert Schwester Fuxová.

Zum Abschluss fragte Sandra Uhlich nach den Bezügen zwischen Musik und Glauben. Musik sei immer auch eine Art Gebet und trage damit auch zur Evangelisierung bei, meinte die Nonne. So bestehe zwischen Musik und Gebet eine lebendige Wechselwirkung – auch im gregorianischen Choral, der zum Klosterleben gehört, werde dies deutlich.

Das Konzert kann via Youtube https://youtu.be/pf2zCejd97Y nochmals gestreamt werden, enthalten ist auch ein weiteres Stück, ein Ausschnitt aus der Partita Nr. 5 von Johann Joseph Vilsmayr (1663 – 1722).

Die Themen- und Kulturzooms gibt es noch bis Ende Juni wöchentlich am Dienstag (20.15. Uhr bzw. 21.30 Uhr), ab Juli dann immer am ersten Dienstag im Monat.

Markus Bauer