Herzblut für Europa und für die Versöhnung

Mit zahlreichen Ehrengästen und Weggefährten stellte Monsignore Anton Otte auf dem Prager Vyšehrad sein frisch erschienenes zweisprachige Buch "Fernes Europa?/Vzdálená Evropa?" vor. Anhand von Interviews, die der Publizist Josef Beránek mit Otte führte, wird darin Ottes wechselhaftes Leben nachgezeichnet. Zugleich dokumentiere es sein Wirken und seinen Einsatz vor allem für die deutsch-tschechische Versöhnung. Unterstützt wurde die zweisprachige Buchpublikation von Renovabis und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

 

Stoßen auf die Neuerscheinung an: Propst Opatrný, Bürgermeister Vogt, Mitautor Beránek, AG-Bundesvorsitzender Kastler, Msgr. Otte, SAG-Vorsitzender Herman und Professor Halík.

Schon die vielen Gäste aus Deutschland, Tschechien und Österreich, die in den Räumen des Kollegiatskapitels der Buchpräsentation beiwohnten, belegen die weite Wertschätzung für Otte. Auf dessen Bezüge zum Königlichen Kollegiatskapitel der Heiligen Peter und Paul auf dem Vyšehrad wies Propst Aleš Opatrný in seiner Begrüßung hin. Denn Otte hatte von 2011 bis 2015 selbst das Amt des Propstes inne. Ebenso erinnerte Opatrný an einige historische Ereignisse. "Nach Leiden kommt Versöhnung", mit diesem Satz fasste der derzeitige Propst seine kurze Einführung zusammen.

Für den in Prag ansässigen Vyšehrad-Verlag, bei dem das Buch erscheint, sprach Filip Outrata ein Grußwort. Das Buch werde in der Reihe "Gespräche" publiziert, in der "Gespräche mit Menschen des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens" dokumentiert werden. Angesichts einer weitverbreiteten Angst vor der Zukunft sei Versöhnung notwendig, so der Verlagsvertreter. Der Inhalt des Buches wie auch Ottes Leben könne mit "Versöhnung" umschrieben werden. Auch wies Outrata darauf hin, dass Josef Beránek im Vyšehrad-Verlag bereits mehrere ähnliche Projekte begleitet hat.

Den Aspekt "Versöhnung" stellte auch – im Blick auf Otte - Josef Beránek in den Mittelpunkt und ging kurz auf Ottes Kindheit im Grenzgebiet zu Polen mit den damals damit verbundenen Problemen ein. "Ein gemeinsames Europa kann nicht ohne gemeinsame Geschichte existieren. Das Leben Anton Ottes ist so eine Geschichte. Zum Zusammenleben in Europa müssen wir die Verständigung und Versöhnung suchen. Auch der Glaube hilft uns dabei", brachte es der Interviewer auf den Punkt. An die in diesen Tagen begangenen Tage der Einheit der Christen erinnerte Otte. "Wir Christen sind die Bauer Europas", folgerte er daraus. Er ging sogar noch tiefer: "Die einzige Heilung, das einzige Medikament, um Barbareien wie im Zweiten Weltkrieg zu vermeiden, ist der europäische Gedanke."

Seine Freude über das Buch drückte auch der Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie Prof. Dr. EinzelansichtTomáš Halík aus. "All diese Ereignisse werden in 40 Jahren aus der mündlichen Geschichte verschwinden", stellte Halík fest und wertete die Dokumentation in Buchform als sehr gute Möglichkeit der Geschichtsvermittlung. Er selbst erinnere sich gut an die 30 Jahre Partnerschaft mit Otte und lobte seine Art und Weise des Heilens von Wunden zwischen Menschen, Völkern und Staaten.

Ähnliche Kindheitserinnerungen wie Otte schilderte Daniel Herman, der frühere tschechische Kulturminister und Vorsitzende der Sdružení Ackermann-Gemeinde. Besonders aber hob er "lebendige Brücken" hervor, also Menschen, die Brücken bauen. "Einer ist Toni Otte, der Brücken baut. Dank seines Lebens konnte ich viel verstehen", so Herman.

An einen von Otte immer wieder betonten Aspekt erinnerte der Bundesvorsitzende der Ackermann-Gemeinde Martin Kastler. Wichtig sei nicht nur für Europa zu kämpfen, sondern auch dafür zu beten. Deshalb lud Kastler zur Europa-Wallfahrt Anfang Mai nach Mariazell ein und dankte Otte "für die vielen Jahre im Dienst der Ackermann-Gemeinde, besonders aber für das investierte Herzblut für Europa".

Für die Stadt Neuburg an der Donau sprach der 2. Bürgermeister Rüdiger Vogt ein Grußwort. Die Stadt Neuburg unterhält freundschaftliche Beziehungen zum Heimatbund Weidenau-Großkrosse e.V. und zu den Gemeinden Vidnava (Weidenau) und Velká Kraš (Großkrosse) sowie eine Städtepartnerschaft mit Jeseník (Freiwaldau). Von da rührt auch die Verbindung zu Anton Otte, der in Weidenau geboren wurde und daher häufig die Aktivitäten in Neuburg begleitet.

Als wichtigste Botschaft seines Buches sieht Anton Otte, von Josef Beránek konkret danach gefragt, die Tatsache, dass Europa immer wieder auf neue Herausforderungen reagieren müsse. "Europa steht immer als unsere Aufgabe vor uns", schloss Otte seine Ausführungen und erinnerte an Politiker wie Konrad Adenauer oder Charles de Gaulle, für die besonders das Gebet wichtig war.

Markus Bauer/ag

 

Das Buch "Fernes Europa? / Vzdálena Europa?" ist für 12,00 € über die Ackermann-Gemeinde bezogen werden. Opens external link in new windowOnline-Bestellung