Grenzen müssen offen bleiben

Samstag für Nachbarschaft bei Eschlkam/Všeruby wird zur Grenzöffnungsfeier

Seit Mitte März war wegen der Corona-Pandemie die deutsch-tschechische Grenze geschlossen, im Mai hatte sich daher die Initiative „Samstage für Nachbarschaft“ gegründet, um mit unterschiedlichen Aktionen entlang der Grenze auf die Öffnung hinzuwirken. Mitte Juni wurde die Grenze nun wieder geöffnet. Daher stand der „Samstag für Nachbarschaft“ am 13. Juni am Grenzübergang Eschlkam/Všeruby (Neumark) ganz unter dem Aspekt der Wiederöffnung der Grenze. Neben den beiden Gemeinden Eschlkam und Všeruby hatte die Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg zu diesem Treffen eingeladen.

 

Die Veranstalter und Politiker vor dem Schild „Wir vermissen Euch!“

Auch Mitglieder von „Pulse of Europe“ nahmen an der Veranstaltung teil.

Das Ensemble „Konrádyho dudácká muzika“ (Konrádys Dudelsackmusik) spielte zünftig auf.

Karl-Ludwig Ritzke (rechts), der Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg, bei seinem Grußwort. Florian Würsch übersetzte ins Tschechische.

Karl-Ludwig Ritzke (rechts), der Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg, bedankte sich bei Bürgermeister Václav Bernard für dessen vielfältiges grenzüberschreitendes Engagement.

Der stellvertretende Pilsener Bezirkshauptmann Pavel Čížek bei seinem Grußwort. Rechts Christoph Mauerer, der ins Deutsche übersetzte.

Symbolisches Durchschneiden des trennenden Grenzbandes. Von links: Der stellvertretende Pilsener Bezirkshauptmann Pavel Čížek, MdB Karl Hohlmeier, AG-Diözesanvorsitzender Karl-Ludwig Ritzke, Bürgermeister Václav Bernard, Bürgermeister Florian Neppl, Christoph Mauerer, MdL Dr. Gerhard Hopp, Martin Daiminger (Tourismusbeauftragter von Eschlkam).

Das Ensemble Konrádyho dudácká muzika“ (Konrádys Dudelsackmusik) stimmte mit chodischer Musik auf das Treffen von deutschen und tschechischen Freunden ein. Auch Mitglieder der tschechischen Sektion von „Pulse of Europe“ ließen es sich nicht nehmen und kamen mit tschechischer und europäischer Flagge. Zwar hatte es zuvor noch ein wenig genieselt, doch pünktlich mit der Musik zeigte sich wieder die Sonne.

Als „Grenzöffnungsfeier“ bezeichnete der Bürgermeister von Všeruby Václav Bernard die Veranstaltung und freute sich in seiner Begrüßung über die Präsenz seines Eschlkamer Amtskollegen Florian Neppl, des Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier sowie des Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Hopp. Bernard merkte auch an, dass in Tschechien die Grenzschließung „völlig unterschiedlich aufgenommen“ worden sei, begünstigt durch unterschiedliche Informationen. „Wir haben regelmäßig grenzüberschreitenden Kontakt, wir wussten, wie es im Nachbarland Deutschland aussieht“, verdeutlichte er und kritisierte Berichte in tschechischen Medien, die negative Stimmung gestreut und gar von einer zweijährigen Schließung der Grenze geschrieben hatten. Bernard stellte die allgemeinen Corona-Maßnahmen nicht in Frage, wohl aber die Grenzschließungen, die sich besonders auf die Grenzpendler auswirkten. „Viele Male musste ich Falschmeldungen zurückweisen, die über starke Ausbrüche der Pandemie in Bayern berichtet haben“, führte der Rathauschef von Všeruby aus. Die über 25-jährige gute und enge Nachbarschaft auf allen gesellschaftlichen Ebenen zwischen Eschlkam und Všeruby könne auch die Corona-Krise nicht beeinträchtigen. Sein Dank galt allen, „die für die guten grenzüberschreitenden Kontakte einen Beitrag geleistet haben und leisten“ und sich für die Pendler eingesetzt haben.

Auf die Historie der Ackermann-Gemeinde ging Karl-Ludwig Ritzke, der Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg, in seinem Grußwort ein. „Seit 1946 war und ist es ein wichtiges Anliegen für die Ackermann-Gemeinde, über die Grenzen hinweg vor allem im christlichen Glauben Freundschaft zu schließen.“ Ritzke verwies auf die Aspekte gegenseitige Vergebung, Versöhnung und gutes Kennenlernen, Hilfestellung beim Aufbau sowie Partnerschaften auf gleicher Augenhöhe. Besonders erfreut zeigte er sich über das Engagement der jungen Generation insbesondere bei den Veranstaltungen „Samstage für Nachbarschaft“ und dankte namentlich Christoph Mauerer, Marcus Reinert und Florian Würsch sowie auf tschechischer Seite dem Ehepaar Barbora und Štěpán Špád aus Klattau. „Dass das Grenzland nicht zur Grenze wurde, dazu haben viele Partnerschaften beigetragen“, lobte Ritzke die Politiker und Bürgermeister der beiderseits an der Grenze liegenden Kommunen. Speziell bei Bürgermeister Bernard bedankte er sich mit einer Flasche Wein.

Dass der Bürgermeister von Všeruby in der grenzüberschreitenden Arbeit immens aktiv ist, wurde auch beim bekannten Lied „Žádný neví co sou Domažlice“ deutlich, in dem es um die Stadt Domažlice bzw. Taus geht. Die speziell gedichtete vierte Strophe lautete (auf Deutsch): „Koana woaß, wos is des Všeruby, koana woaß, wos is Neimork. Do hamma den besten Mann im Bürgermeisteramt: Václav Bernard, ein Original!“ Christoph Mauerer informierte darüber, dass zeitgleich acht solche grenzüberschreitende Treffen entlang der bayerisch-tschechischen, der sächsisch-tschechischen und der polnisch-tschechischen Grenze stattfanden – mit dem Ziel, das Bewusstsein für offene Grenzen zu fördern und an die Politik zu appellieren, bei einer eventuellen zweiten Corona-Welle die Grenzen offen zu lassen.

Der stellvertretende Pilsener Bezirkshauptmann Pavel Čížek, dessen Arbeitsschwerpunkt der Verkehr ist, sprach angesichts der dreimonatigen Grenzschließung von einer Erfahrung, „wie es vor 1989 war“. Daher zeigte er sich auch erfreut, dass Mitte Juni alle Einschränkungen an der Grenze beendet seien. „Ich hoffe, dass wir daraus gelernt haben“, bilanzierte er. Wie Bürgermeister Bernard befürwortet auch er die weithin bekannten Maßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz und Abstandsregelung, wehrt sich aber eindeutig gegen Grenzschließungen. Zugleich lud er in seinen Bezirk Pilsen ein.

Mit einem symbolischen Zerschneiden eines Grenzbandes endete die Grenzöffnungsfeier.

Markus Bauer