"Gottes Willen annehmen!"

Ein fixes Datum ist für viele Menschen mit Wurzeln in Böhmen, Mähren und Schlesien der erste Sonntag im Juli – die Sudetendeutsche Wallfahrt nach Altötting. Und meistens – so auch heuer – ist dieser traditionsreichen Veranstaltung ein schönes Wetter beschieden. Auch in diesem Jahr war die Basilika St. Anna war zum Wallfahrtsgottesdienst mit dem emeritierten Pilsener Bischof Msgr. František Radkovský gut gefüllt. Die Marienfeier am Nachmittag hielt Pater Eduard Stuchlik OFMCap.

Reiste aus Pilsen/Plzeň an: Bischof František Radkovský (Mitte) mit Konzelebranten.

Der Wallfahrtsort Altötting gehört zum Bistum Passau, weshalb Ilse Estermaier, die Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde in diesem Bistum, auch die Begrüßung oblag. Sie würdigte die Trachten- und Fahnenabordnung, die an die alte Heimat erinnern, und hieß besonders den Hauptzelebranten Bischof em. Radkovský willkommen, der 23 Jahre lang die neu gegründete Diözese Pilsen/Plzeň geleitet und sich mit seiner „offenen und dialogbereiten Art“ als Brückenbauer stark in die deutsch-tschechische Versöhnungsarbeit eingebracht hat. Ebenso begrüßte sie die weiteren zelebrierenden Priester.

In seinen Eröffnungsworten wies Bischof Radkovský bereits auf die Bedeutung des Tagesevangeliums (Fest Mariä Heimsuchung) hin, was er in seiner Predigt noch vertiefte. Anhand der Erzählung im Lukas-Evangelium vom Besuch Marias bei Elisabeth und dem dabei von Elisabeth ausgesprochenen Lobpreis auf Maria erläuterte der frühere Pilsener Bischof die damaligen Rahmenbedingungen von Verlobung, Heirat und ggf. Trennung bzw. Strafen bei Ehebruch. Er erinnerte aber auch daran, dass Maria ohne Erbsünde auf die Welt gekommen sei, dennoch aber ganz menschlich auf die verschiedenen Ereignisse und Herausforderungen reagiert habe. Marias Worte „Ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte“ würden, so der Oberhirte, verdeutlichen, dass Maria es als ihre Aufgabe sieht, den Willen Gottes zu erfüllen. Und mit dem Besuch bei Elisabeth bzw. den Lobpreis auf Maria und deren künftiges Kind würde dieser Wille Gottes bestätigt – auch durch die Tatsache, dass Elisabeth noch im hohen Alter ein Kind bekam – Johannes, den Vorgänger und Wegbereiter Jesu. Auch die Tatsache, dass Elisabeth mit ihrem Gruß alle Fakten wusste, weise auf den Willen Gottes bzw. das Wirken des Heiligen Geistes hin.

Auf die Menschen von heute übertragen bedeute diese Passage aus dem Evangelium, so Bischof Radkovský, den Willen Gottes zu erfüllen. „Gott hilft uns immer dabei – auch mit außergewöhnlichen Taten, wenn wir seinen Willen erfüllen wollen“, konkretisierte der Pilsener Oberhirte. Darüber hinaus ermahne diese Passage des Evangeliums, auch anderen zu helfen - „manchmal sind wir die einzigen, die helfen können“. Nicht zu vergessen sei schließlich der Abschnitt aus dem Vater-Unser „Dein Wille geschehe“. „Wenn wir so beten, dann sind wir auch sicher, dass Gott uns hilft und dass wir das, was wir beten, auch verwirklichen können“, schloss der emeritierte Bischof seine Predigt.

Als Lektoren wirkten bei dem Gottesdienst Leonhard Fuchs (ehemaliger Vorsitzender der Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg) und Anita Langer (Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde im Erzbistum München-Freising). Als Kantor fungierte Cornelius Insel (Ackermann-Gemeinde München-Freising).

Bei der Marienfeier in der Konradskirche erinnerte Kapuzinerpater Eduard Stuchlik in seiner Begrüßung an einige Wallfahrtsorte in der Heimat mit den Entstehungsgeschichten: Philippsdorf, Maria Kulm, Hostein, Gojau und Rabin, nahe der Heimat von Pater Stuchlik. Ebenso wies er auf die starke Wallfahrtstätigkeit von Bruder Konrad und das Engagement des Kapuzinerordens im Wallfahrtswesen hin. Er nannte auch das Schicksal von Mariasorg bei St. Joachimstal, das nach der kommunistischen Machtübernahme in der CSSR im Jahr 1948 zerstört wurde. Und Pater Stuchlik erwähnte auch das von Bruder Konrad oft gebetete Rosenkranzgesetz zur unbefleckten Empfängnis, das er dann bei der Andacht vortrug.

In seiner Predigt deutete er den Evangeliumsabschnitt vom zwölfjährigen Jesus im Tempel und Marias Reaktion darauf („sie bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen“) dahingehend, dass zum einen Missverständnisse und schwierige Situationen in Familien normal sind, zum anderen aber der Wille Gottes an vorderster Stelle steht. In diesem Kontext mahnte der Kapuzinerpater unter anderem zum täglichen Gebet, zum Besuch des Sonntagsgottesdienstes, zur Gemeinschaft unter den Menschen, zur Ehrfurcht zwischen Mann und Frau und „keine lieblose Halbherzigkeit Gott gegenüber“. Dies betreffe aber auch die Menschen als Abbilder Gottes – vor allem Arme und Fremde bzw. Flüchtlinge. Eindeutig lobte Pater Stuchlik die Willkommenskultur von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber den Flüchtlingen.

Nach der Marienfeier zogen die Wallfahrer, musikalisch begleitet von der Altöttinger Musikkapelle, zur Gnadenkapelle. Dort dankte der Ständige Diakon Thomas Zauner der Ackermann-Gemeinde für die über viele Jahrzehnte geleistete Versöhnungsarbeit, die auch heute – in vielen Bereichen – dringend nötig sei. Bruder Konrad als „ein ganz leiser, stiller Mensch“ sei – so der Diakon – ein Vorbild für heute, d.h. in der lauten und hektischen Zeit. „Durch die Wallfahrt wächst das Herz ein Stück dem Himmel entgegen“, dankte er den Pilgern und schloss mit dem Segen die Sudetendeutsche Wallfahrt.

Markus Bauer