Gedenken an den letzten deutschen Weihbischof von Prag

Mit einem feierlichen Gedenkgottesdienst im Münchner Liebfrauendom erinnerte am Vorabend des Festtages Christi Himmelfahrt die Ackermann-Gemeinde an den vor 50 Jahren verstorbenen letzten deutschen Weihbischof des Erzbistums Prag Johannes Nepomuk Remiger.

Bischof Hučko beim Gedenken in der Krypta. (Foto: Markus Bauer)

Bischof Hučko beim Gedenken in der Krypta

Als Hauptzelebrant stand Bischof Ladislav Hučko aus Prag, der Sekretär der tschechischen Bischofskonferenz und Apostolischer Exarch der griechisch-katholischen Kirche in Tschechien ist, der Eucharistiefeier vor. In seiner Begrüßung erinnerte Dompfarrer Domkapitular Monsignore Wolfgang Huber an das Wirken von Weihbischof Remiger. „Die Ackermann-Gemeinde ist sich ihm bis heute verpflichtet und hat sich seinem Gedenken angenommen“, zollte er dem katholischen Verband Anerkennung und konnte eine ganze Reihe Konzelebranten, unter ihnen Domdekan Dr. Lorenz Wolf, Pater Angelus Waldstein OSB und Monsignore Johann Tasler, zu dieser Messfeier willkommen heißen. Unter den Gottesdienstbesuchern war auch der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft MdEP Bernd Posselt.

In seiner Predigt ging Bischof Ladislav Hučko auf das Fest Christi Himmelfahrt und dessen Bedeutung für die gläubigen Christen beziehungsweise in der heutigen Zeit ein. An die Gottesdienstbesucher appellierte er, sich von Bildern zu lösen und die unsichtbaren Realitäten im Glauben an Gott zu erleben. „Gott sucht uns und tut alles, um uns zu sich zu ziehen“, interpretierte er die Auffahrt Jesu in den Himmel. Und in der Feier der Eucharistie könne der Mensch mit Gott eins werden.

Nach dem Gottesdienst gedachten der Bischof und die Priester mit Gebeten und dem Segen in der Krypta des Domes des vor fünf Jahrzehnten verstorbenen und im Münchner Liebfrauendom auch beigesetzten Weihbischofs. Dem Gedenken schlossen sich zahlreiche Mitglieder der Ackermann-Gemeinde, von sudetendeutschen Organisationen sowie weitere Gläubige an.

Johannes Nepomuk Remiger wurde am 4. Mai 1879 im westböhmischen Weshorsch geboren. Nach dem Theologiestudium wurde er im Jahr 1902 zum Priester der Diözese Prag geweiht. Der promovierte Theologe wurde schließlich im Dezember 1929 zum Weihbischof in Prag ernannt und im Februar 1930 in sein Amt eingeführt. Remiger wurde – wie unzählige Deutsche – 1946 aus der Tschechoslowakei vertrieben. Er fand Aufnahme in Buchendorf bei Gauting, wo er als Seelsorger für die Heimatvertriebenen wirkte. Darüber hinaus war er von 1950 bis zu seinem Tode auch Geistlicher Protektor des Sozialwerkes der Ackermann-Gemeinde. Am 21. Mai 1959 verstarb er in Gauting. Er ist im Münchner Liebfrauendom beigesetzt.

Am Nachmittag vor dem Gedenkgottesdienst fand in der Geschäftstelle der Ackermann-Gemeinde ein Pastorales Rundgespräch über die deutsch-tschechische Zusammenarbeit von Christen statt. Daran nahmen Bischof Hučko, Domkapitular Huber, Laienvertretern aus Prag und Verantwortlichen der Ackermann-Gemeinde teil. Huber, der in der Diözese die Verantwortung für die weltkrichliche Zusammenarbeit und die fremdsprachige Seelsorge trägt, hob die Bedeutung des geistlichen Austausches bei christlichen Begegnungen hervor. Von den Erfahrungen der tschechischen Kirche während der kommunistischen Zeit können wir als deutsche Christen viel lernen, so Huber.

Markus Bauer | AG