Europäischer Essaywettbewerb: aktiv suchen, was uns eint

Europaabgeordnete Kastler und Březina ehren junge Autoren mit eigener Auszeichnung in Brünn

Sieger des Essaywettbewerbs mit MdEP Kastler und Březina


NÜRNBERG/BRNO/BRÜNN. „Was hält uns in Europa (noch) zusammen?“ – diese Frage stand in Mittelpunkt des Europäischen Essaywettbewerbs 2013, dessen Gewinner jetzt beim 22. Deutsch-Tschechischen Brünner Symposium ausgezeichnet wurden. Gestiftet haben den – jeweils mit 500 Euro dotierten Preis – der Bundesvorsitzende der Ackermann-Gemeinde, CSU-Europaabgeordneter Martin Kastler und sein tschechischer Parlamentskollege aus der EVP-Fraktion (Europäische Volkspartei) Jan Březina, früherer Landeshauptmann von Olmütz/Olomouc. Mit weit über 60 Einsendungen aus Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Österreich verzeichnete der Wettbewerb einen neuen Teilnehmerrekord.

Kastler betonte in seiner Begrüßung die Notwendigkeit, „in dieser Krise die ehrliche Frage nach der Grundlage unseres Zusammenhalts zuzulassen. Europa ist nicht alternativlos. Wenn wir es retten wollen, müssen wir gerade der jungen Generation zugestehen, es zu hinterfragen und womöglich in Teilen neu zu begründen. Europa ist heute für viele junge Leute normal – keiner diskutiert darüber. Aber die Institution EU entspricht nicht der heutigen Lebenswelt.“ Zum Auftakt der Tagung beantwortete Kastler die Frage nach dem europäischen Zusammenhalt so, dass „die Einheit in Vielfalt unsere  Klammer ist.“

Dem stimmten auch viele der teilnehmenden Autoren zu. Ihnen, so Kastler sei es in einer „herausragenden, teils nachdenklich stimmenden Art und Weise gelungen, die Grundlagen des europäischen Zusammenhalts zu hinterfragen“. Entsprechend schwer sei es ihm und Jan Březina gefallen, die drei Sieger – plus einen Sonderpreis in diesem Jahr – auszuwählen. Im Ende fiel die Entscheidung für den mit 500 Euro dotierten 1. Preis auf Radovan Potočár aus Levice (Slowakei). Er betont in seinem Text die Bedeutung der gemeinsamen europäischen Geschichte, die – gerade aus den blutigen Erfahrungen heraus – Europa auf einer ganz menschlichen und damit starken Ebene verbinde.

Mit 300 Euro und einer Urkunde ausgezeichnet wurde der zweite Preisträger, Christoph Mauerer aus Neukirchen b. Hl. Blut (Deutschland). Für ihn baut Europas gemeinsames Haus vor allem auf den Grundfesten christlicher Werte -namentlich Demokratie und Menschenrechte, Toleranz, Pluralismus, Solidarität und Versöhnung. Den dritten Preis und 200 Euro Preisgeld erhielt Richard Guniš aus Považská Bystrica (Slowakei). Sein Ansatz: Europa verbindet vor allem der Wert des Geldes – und zwar der dahinter. Ausgehend von den Motiven der Euro-Münzen zählt auch er die kulturelle Vielfalt Europas zu dem, was den Kontinent im Grunde eine. Ein Sonderpreis ging an Eva Sigmundová aus Šitbořice (Tschechien), die in ihrem Essay einen sehr kritischen Blick auf den europäischen Zusammenhalt wirft: Im Grunde sei es vor allem der Kontinent, der die Menschen verbinde – alles Weitere hänge von der konkreten politischen Tat ab. Sie ist eingeladen ins Europäische Parlament nach Straßburg und darf sich dort selbst „hinter den Kulissen“ ein Bild von der Arbeit der Europaabgeordneten machen.

Die Preisverleihung vor mehr als 300 Gästen war einer der Höhepunkte im dreitägigen Programm des von der Ackermann-Gemeinde und der Bernando Bolzano-Stiftung gemeinsam veranstalteten Symposiums. Bereits zuvor hatte Bundestagsvizepräsident Dr. Wolfgang Thierse in seinem Eröffnungsvortrag betont, „wie wichtig Vertrauen in die Demokratie in ganz Europa ist“ – und was dieser Anspruch für Politik und Bürger bedeute. Mit Blick auf die anhaltende EU-Vertrauenskrise meinte Thierse: „Damit nicht an die Stelle der hart erkämpften Balance zwischen Markt, Staat und Gesellschaft eine eindimensionale Marktgesellschaft tritt, halte ich es weiterhin für eine der wichtigsten Aufgaben der Politik, die soziale Dimension der Demokratie zu verteidigen. Denn zu den Gesetzen des freien Marktes gehört es nicht, dass auch die Schwachen eine Chance bekommen. Aber auch der Sozialstaat kann und darf nicht alles leisten – oder glauben, dass er das könnte.“ 

Weitere Gäste der hochkarätig besetzten Podien im Kongresssaal des Brünner Hotel International waren neben Thierse und Kastler der Prager Philosoph Politiker (u.a. Tschechisches und Europäisches Parlament)  und Unterzeichner der Charta 77 Dr. Daniel Kroupa, Detlef Lingemann, deutsche Botschafter in Prag, Senatorin Dr. Eliška Wagnerová, ehem. Richterin am tschechischen Verfassungsgericht, Dr. Roman Joch vom Bürgerinstitut Prag, Dr. Ferdinand Trauttmansdorff, der Botschafter Österreichs in Tschechien sowie der ehemalige tschechische Senatspräsident Dr. Petr Pithart.

 

Foto: Ahnen, was Europa noch zusammenhält: Natália Pavlovičová (stellvertretend für Radovan Potočár), Martin Kastler MdEP, Richard Guniš, Jan Březina MdEP und Christoph Mauerer (von links)

 
Die Pressemeldung zum Downloaden in deutscher Sprache hier, in tschechischer Sprache hier.

 

Die Siegerbeiträge des Essaywettbewerbs in Originalsprache: Radovan Potočár, Christoph Mauerer, Richard Guniš und Eva Sigmundová