„Der Ackermann und der Tod“ als Kammeroper

Nicht alle Tage erlebt man die Aufführung der zeitgenössischen Kammeroper von Emil Viklický „Der Ackermann und der Tod“ in tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Doch wenn eine junge Tschechin, die aus einer deutsch-tschechischen Familie stammt und seit vielen Jahren in der Jungen Aktion der Ackermann-Gemeinde und in der Ackermann-Gemeinde selbst sehr aktiv ist, für die Inszenierung verantwortlich ist, dann verdient dies eine besondere Betrachtung. Für Kristýna Kopřivová war die Inszenierung der künstlerische Abschluss ihres Masterstudiums im Studiengang „MusikTheaterRegie“ am „Institut MusikTheater“ der Hochschule für Musik Karlsruhe. Nach der Premiere am 29. September in der Kirche St. Martin in Karlsruhe war die Aufführung im Rahmen der Jubiläumsfeier der Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese Freiburg sozusagen die Kür.

Aufführung der Kammeroper "Der Ackermann und der Tod" in Rastatt.

Die Regisseurin Kristýna Kopřivová fúhrte in die Aufführung ein.

Szene aus der Kammeroper "Der Ackermann und der Tod".

Der "Ackermann" Max Friedrich Schäffer.

Standig ovations gab es für die Aufführung in Rastatt.

Auch das Orchster begeisterte mit der Darbietung der Musik von Emil Viklický.

„Oráč a smrt“ heißt die Kammeroper „Der Ackermann und der Tod“ im tschechischen Original, die im Jahr 2002 der eher im Modern Jazz beheimatete Komponist und Pianist Emil Viklický geschaffen hat. Der am 23. November 1948 in Olmütz/Olomouc geborene Musiker studierte 1977/78 Komposition am Berklee College in Boston und erhielt vor allem für sein Jazz-Opus zahlreiche Preise. Unter anderem stammt von ihm auch die Komposition „The Mystery of Man“ nach Texten von Václav Havel. Von 1991 bis 1995 war er Präsident der tschechischen Jazz Society. Neben Jazz komponiert er auch Filmmusik, Opern, sinfonische Werke sowie elektroakustische Musik.

Die Initiative für die Kammeroper ging vom Theaterregisseur, Dramatiker und Schauspieler Dušan Robert Pařízek aus. Nach einer ersten konzertanen Aufführung im Juni 2002 an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin erlebte das Werk seine Weltpremiere als Kammeroper im Januar 2003 in der Prager Staatsoper. Pařízek schrieb auch das Libretto und führte damals Regie. Viklický unterteilte das Libretto in zwei Akte mit zehn Szenen, wobei die erste Hälfte durch ein Faschingsfest dominiert wird. Die Oper wurde als Kammeroper für zwei Solisten – einen lyrischen Mezzosopran in der Figur des Todes und einen hohen dramatischen Tenor als Ackermann – sowie den Chor gestaltet. Musikalisch vermischen sich lyrische Melodien mit prägnanten Rhythmen, Jazz und Volksmusik.

Zentrale Aussagen aus der bekannten Dichtung finden sich auch in der Kammeroper. Der Ackermann, dessen Pflug die Feder ist, wird ambivalent dargestellt: als wütender Ankläger, der nach Gerechtigkeit fragt, und als liebender Mann, der sich nach seiner Frau sehnt, die Menschheit verteidigt, die Vorzüge der Ehe lobt und auch Philosophen wie Platon zitiert. Der Tod ist – als stolzer Verteidiger, als ein „Instrument Gottes“ von lyrischen Melodien geprägt. Doch auch er lässt sich im Verlauf des Gesprächs zu zornigen, ungeduldigen Ausrufen hinreißen. Er führt den Ackermann durch die Geschichte und weist darauf hin, dass jedes Lebewesen, egal wie mächtig und edel es auch ist, sein Ende im Sterben finden muss. In der aufgeführten Inszenierung steht dem Ackermann übrigens – auch aufgrund der Tatsache, dass es in der tschechischen Sprache „Smrt“ (die Tod) heißt – eine wandelnde Tödin gegenüber. Der Chor, den die Autoren den beiden Solisten zur Seite stellen, übernimmt neben anderen Funktionen auch die Stimme der sterbenden Frau des Ackermann, des klagenden Ackermann und des sich verteidigenden Todes. Am Ende stellt der Chor auch die das Urteil verkündende Stimme Gottes dar. Mit dem Chor sollten lebendige Bilder entstehen, die den Text symbolisch ergänzen.

„Es ist für mich eine große Ehre, hier zu sein mit den Studierenden und Mitwirkenden. Ich bin ja selbst in der Ackermann-Gemeinde groß geworden – der Organisation, die sich dieses Werk zum Namen gemacht hat“, erklärte Kopřivová. In ihrer Begrüßung in der Aula des Bildungshauses St. Bernhard. Sie stellte damit den Bezug zur Ackermann-Gemeinde her, die – wie der Ackermann in der Oper – das Schicksal des Verlustes (der Frau bzw. der Heimat) aus christlichem Geist bewältigen will. „Es ist großartig, dass ich 70 Jahre nach der Gründung der Freiburger Ackermann-Gemeinde hier stehen und ein Werk aufführen kann, das erst 17 Jahre alt ist. Und es ist eine Besonderheit, dass das Thema des Textes auch in die Musik verwebt wurde. Es ist nicht nur eine Metapher für Leben und Tod, sondern hat auch viele Bilder aus der Bibel, der Mythologie und der Geschichte zum Inhalt, die wir Ihnen näher bringen wollen“, erläuterte die Regisseurin. Sie dankte der Ackermann-Gemeinde und den weiteren Organisatoren und Unterstützern, ohne die die Aufführung nicht möglich gewesen wäre.

Gut eineinhalb Stunden dauerte diese Aufführung mit Ekaterina Mamysheva als Tod und Max Friedrich Schäffer als Ackermann. „Nicht nur zwischen den Zeilen, sondern auch direkt in ihnen zu lesen ist mein Inszenierungsansatz. Ich versuche vor allem vom Inhalt des Werkes auszugehen. Entscheidend ist, was erzählt wird, was mich fasziniert, was Fragen aufwirft. Dafür suche ich mit meinem Team die passende szenische Form. Mit Musiktheater Werte zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen, das ist das, wofür ich brenne. Das Streitgespräch zwischen dem Ackermann und dem Tod fasziniert mich seit Jahren. Es reizt mich, die Mitwirkenden und das Publikum die bereichernden Gedanken, die das Stück in sich birgt, durch meine Inszenierung entdecken zu lassen“, beschreibt Kopřivová. Mit langanhaltendem Beifall zollte das Publikum die Leistung des Ensembles und insbesondere der Regisseurin.

Markus Bauer