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Josef Stingl

*19. März 1919, Maria Kulm – †19. März 2004, Leutesdorf

Josef Stingl hat es als selbstverständliche Pflicht angesehen, nach Hans Schütz das Amt des Bundesvorsitzenden der Ackermann-Gemeinde zu übernehmen.

1919 wurde er in Maria Kulm geboren. Er war aus vollem Herzen Egerländer. In seiner Jugend wurde er geprägt vom Bund Staffelstein.

Walter Rzepka schrieb über den Einfluss des Bundes Staffelstein auf Josef Stingl 2004 im Mitteilungsblatt der Ackermann-Gemeinde: „Hier wurde ihm klar, dass persönlicher Glaube und gesellschaftliches Engagement im öffentlichen Raum zusammengehören. Hier lernte er auch frühzeitig, zwischen besonnenem Bekenntnis der eigenen Nationalität und gefährlichem Nationalismus zu unterscheiden.“

Nach dem Krieg kam er nach Berlin. Von 1953 – 1968 war er Mitglied des Deutschen Bundestages, und als solcher gestaltete er aktiv die Sozialgesetzgebung der Bundesrepublik mit. Auch in der Kirche war er tätig. Er war Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken und Berater der Bischofs-konferenz in gesellschaftspolitischen Fragen. Seine Tätigkeit als Präsident der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg ist noch in guter Erinnerung. Mit einem guten Teil Selbstironie erzählte er, wie einmal ein kleiner Junge gerufen habe: „Schau Mama, der Minister für die Arbeitslosen!“ In den Geschichtsbüchern der Bundesrepublik ist er abgebildet, wie er 1969 den einmillionsten Gastarbeiter aus der Türkei am Münchner Hauptbahnhof begrüßt. Aber nachdenklich sah er ein: „Wir riefen Arbeitskräfte, aber es kamen Menschen.“

Die menschliche Komponente stand bei ihm immer im Vordergrund. Der Verfasser erinnert sich, wie Josef Stingl 1960 auf Burg Feuerstein eben nicht den vielleicht etwas steifen Eröffnungsabend der Bundeswoche der Jungen Aktion besuchte, sondern viel lieber beim Zeltlagerzirkus der Kleinen dabei war. Dass er ein staunenswertes Gedächtnis für Zahlen hatte, ist ebenfalls unvergessen. „Hinter den Zahlen stehen doch Menschen“ meinte er fast entschuldigend.

In der Ackermann-Gemeinde trat er für die Versöhnung mit dem tschechischen Volk ein, er war aber auch ein überzeugter Europäer. Dies beweist das von ihm gegründete „Internationale Institut für Nationalitätenrecht und Regionalismus“. Viele Tagungen des Instituts kamen zu wegweisenden Ergebnissen.

„Bausteine einer friedlichen Ordnung in Europa müssen also Menschenrechte als Individualrecht jedes einzelnen, aber auch als Rechte der Gruppen werden. Damit muss aber auch für eine staatsrechtliche Ordnung das Prinzip der Katholischen Soziallehre gelten, dass Personalität und Solidarität durch das Prinzip der Subsidiarität in eine rechte Beziehung zueinander kommen“, schrieb er 1989. „Dabei wird es nie eine für immer gültige Lösung geben.“ Am 19. März 2004, genau an seinem 85. Geburtstag, ist er gestorben.

Biographische Übersicht

 

Mitglied in der katholischen Jugendbewegung
„Staffelstein“

1947

Beitritt zur Ackermann-Gemeinde

1948-1951

Studium an der Deutschen Hochschule für Politik
in Berlin; Abschluss mit Diplom

1953-1968

Mitglied des Deutschen Bundestages,
dort aktive Mitgestaltung der Sozialgesetzgebung
und vor allem der Rentenreform (Fremdrentengesetz)

1955-1970

Lehrbeauftragter der Freien Universität Berlin,
Otto-Suhr-Institut (früher Dt. Hochschule für Politik)

1962-1968

Vorsitzender des Arbeitskreises für Sozial- und Gesellschaftspolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

1964-1969

Vorsitzender des Landesverbandes Oder-Neiße
in der CDU/CSU

1968-1984

Präsident der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg

1970-1991

Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde

1977

Begründer des Intereg (Internationales Institut
für Nationalitätenrecht und Regionalismus) und
dessen Vorsitzender bis 2002

1980-1990

Vorsitzender der Ackermann-Gemeinde e.V.

Seit 1983

Honorarprofessor der Universität Bamberg
für das Fach „Berufliche Weiterbildung“

1984

Auszeichnung mit dem Europäischen Karlspreis
der Sudetendeutschen Landsmannschaft
und dem Großkreuz des päpstlichen Gregoriusordens

1991

Ehrenvorsitzender de Ackermann-Gemeinde

 

Mitgliedschaften:
Zentralkomitee der deutschen Katholiken,
Sudetendeutscher Rat
Gemeinsame Synode der Bistümer in der BRD