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Der Archivbestand der Hauptstelle der Ackermann-Gemeinde in München


von Dr. Raimund Paleczek, ehem. Generalsekretär der Ackermann-Gemeinde

Zahlreiche Anfragen von Studenten für ihre Abschlussarbeiten, darüber hinaus aber auch Dissertations- und Habilitationsvorhaben machen eine fachgerechte Aufarbeitung des Archivs der Ackermann-Gemeinde nicht nur notwendig, sie bezeugen das in den letzten Jahren zunehmende Interesse an der Vertriebenenthematik.

Die Archivbestände der Ackermann-Gemeinde, die 1946 als Gesinnungsgemeinschaft katholischer Sudetendeutscher in München gegründet wurde, setzen sich aus den Tätigkeitsfeldern nicht nur des bundesweit tätigen Verbandes „Ackermann-Gemeinde“ zusammen. Archivbildend sind darüber hinaus Aktivitäten von Institutionen und Einrichtungen, die der Ackermann-Gemeinde nahe stehen bzw. standen.

1          Tätigkeitsfelder der Ackermann-Gemeinde
1.1      Ursprung und Entstehung der Hauptstelle der Ackermann-Gemeinde

Die Ackermann-Gemeinde wurde am 13. Januar 1946 in München als Solidar- und Arbeitsgemeinschaft katholischer Sudetendeutscher gegründet. Wegen des Verbots von Vereinsgründungen war sie zunächst als Arbeitskreis der im Oktober 1945 gegründeten „Kirchlichen Hilfstelle München für Vertriebene“ unter der Bezeichnung „Katholische Junge Mannschaft“ als rechtliche Absicherung gegenüber den Alliierten tätig. Der Namen „Ackermann-Gemeinde“ entstand als Bezeichnung erst im Dezember 1946. An ihrer Wiege standen vor allem drei Männer, die sich bereits in der Ersten Republik der Tschechoslowakei intensiv in der katholischen Jugendbewegung und der katholischen Sozialarbeit engagierten: Die Priester P. Dr. habil. Paulus OSA (1908-2002), Dr. Franz (1899-1958) – beide aus der Leitmeritzer Diözese – und der Politiker Hans (1901-1982). Ihre Leitgedanken für die Gründung eines Verbandes können etwa wie folgt skizziert werden: Sudetendeutsche und Tschechen haben sich Wunden  geschlagen, die verheilen müssen. Dazu ist das Bereuen eigener Fehler notwendig. Das Europa nach 1945 braucht in seinem Zentrum eine stabile, politische Friedensordnung! Hierfür ist die Versöhnung zwischen Deutschen – zumal Sudetendeutschen – und Tschechen eine Grundvoraussetzung. Maßstab dieser Friedensarbeit ist die katholische Soziallehre. Sehr günstig für die Entwicklung gerade in der Anfangszeit war die Tatsache, dass P. Dr. Sladek als Leiter der oben genannten Kirchlichen Hilfsstelle München ab 6. 11. 1945 eine Schaltstelle des katholischen Flüchtlingswesens bediente, und die sich hieraus ergebende Agenda mit katholischer Laienarbeit zu verbinden wusste. Kein Wunder, dass die Idee der Gründungen weiterer katholischer Vertriebenenverbände bzw. -gemeinschaften in Süddeutschland wesentlich von ihm beeinflusst wurde.

Erster Bundesvorsitzender und „Bürgermeister“ der Ackermann-Gemeinde von 1946-70 war Hans Schütz (s.o.). Ihm folgten nach: Prof. Dr. Josef Stingl (1919-2004) von 1970-91, Herbert Werner MdB (geb. 1941) von 1991-98, Dr. Walter Rzepka (geb. 1932) von 1998-2004, Adolf Ullman (geb. 1942) von 2004-10 und Martin Kastler MdEP (geb. 1974) seit 2010. Der geistige Vordenker des Verbandes, P. Dr. Paulus Sladek, setzte als erster Geistlicher Bundesbeirat (1946-80) Maßstäbe für die Einbettung der Arbeit in die deutsche Gesamtkirche. Ihm folgten bisher nach: P. Angelus Graf  Waldstein OSB (geb. 1931) von 1980-91, Msgr. Anton Otte (geb. 1939) 1992-2010 und Prof. Dr. Albert-Peter Rethmann (geb. 1960) seit 2010. Ende der vierziger Jahre erfolgten Gründungen lokaler Strukturen z. T. mit eigenen Geschäftsstellen auf Diözesanebene im gesamten damaligen Bundesgebiet. Schwerpunkte bildeten dabei Bayern und Baden-Württemberg, nach 1950 auch Hessen. Die Hauptgeschäftsstelle war und ist München. Der erste Hauptgeschäftsführer (seit 1974 Generalsekretär) von 1947-76 war Adolf  Kunzmann (1920-1976). Ihm folgten nach: Franz Olbert (geb. 1935) von 1976-98, Dr. Raimund Paleczek (geb. 1967) von 1998-2007 und Matthias Dörr (geb. 1976), Bundesgeschäftsführer seit 2007.

1.2      Die Tätigkeit des Verbandes bis zur Wende 1989 

Die Tätigkeit in Deutschland zielte in der ersten Zeit vor allem auf die Einbindung und Integration der Sudetendeutschen in die Aufnahmegesellschaft über gesellschafts-politisches Engagement in Kirche und Staat. Die Mitglieder der Ackermann-Gemeinde waren in zahlreichen Rundschreiben, Mitteilungen und auf Tagungen aufgerufen, sich auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene in den kirchlichen und politischen Gremien zu engagieren, sowie Wallfahrten und Studientagungen für die Persönlichkeitsbildung zu organisieren. Für den Zusammenhalt des Verbandes waren und sind die zum Teil mit großem Aufwand organisierten Bundestreffen mit gesellschaftspolitisch wichtigen Themen tragend. Seit 1949 haben 30 Bundestreffen mit anfänglich über 1000, zuletzt (2009) in Pilsen/Plzeň mit 500 Teilnehmern stattgefunden.

Innerhalb der Liturgie und des geistigen Lebens wurden entscheidende Impulse bei der Pflege und Weitergabe des katholischen Erbes aus den böhmischen Ländern gesetzt, so z. B. bei Kirchenliedern und Gebetsempfehlungen („Heilige als Brückenbauer“).

Bereits am 30. 10. 1950 war für die Förderung von vor allem mittelloser sudetendeutscher Jugendlicher ein eigener Rechtsträger innerhalb des Verbandes gegründet worden, das Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde e. V. Erster Vorsitzender war Edmund Leukert (1905-1983), später langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestages. Ihm folgten von 1954-59 Dr. Martha Krause (geb. 1912), von 1959-83 Msgr. Alfons Possel (1907-2004), von 1983-2009 Prälat Prof. Dr. Wolfgang Klieber (1930-2009), seit 2010 ist StD Msgr. Dieter Olbrich (geb. 1948) Vorsitzender. Geistliche Protektoren des Sozialwerkes waren von 1950 bis zu seinem Tode der letzte deutsche Weihbischof von Prag, Msgr. Johannes Nepomuk Remiger (1879-1959), dem der letzte deutsche Abt des Stiftes Tepl in Westböhmen, Prälat Petrus Möhler OPraem. (1897-1968) und von 1969-85 Abt Dr. Wolfgang Böhm OPraem. (1914-1988) folgten. Seit 2010 ist Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB (geb. 1942) Protektor. Erster Geschäftsführer war Pfr. Dr. Hermann Ebert (1914-1972), von 1952 bis zu seinem Tode Adolf Kunzmann (s.o.), seit 1976 Franz Olbert.
Die bedrückende Lage der katholischen Brüdern und Schwestern der verfolgten Kirche in der ČSSR und in der DDR verlangte Solidarität und tätige Hilfe.  In den regionalen Gliederungen des Verbandes (meist Diözesen) wurden eigene Gruppen, so genannte Osthilfekreise, ins Leben gerufen, die mit ungezählten Brief- und Paketsendungen vor allem Laien und Priester materiell unterstützten. Das Sozialwerk übernahm die Koordination der OSthilfearbeitskreise, in denen die Mitglieder je fünf oder mehr Patenschaften für Priester, angehende Theologen und katholische Vertriebenen aus dem Sudetenland in der ČSSR und in der SBZ/DDR übernahmen und in Korrespondenz mit ihnen standen. So konnten von 1965 bis zur Wende 1989 ca. 2.000 Theologen und Priester betreut werden. Nach Beendigung des II. Vatikanischen Konzils war die Beschaffung und Vermittlung der neuen, theologischen Literatur ein zentrales Aufgabengebiet.

Auf gesellschaftspolitischem Felde finden sich unter der sozialpolitischen Avantgarde der Bundesrepublik der fünfziger und sechziger Jahre bedeutende Vertreter, die als Mitglieder der Ackermann-Gemeinde ihre Arbeit wesentlich mitgestaltet haben, z. B. die MdB’s Hans Schütz, Dr. Herbert Czaja, Prof. Dr. h.c. Josef Stingl, Fritz Baier, Edmund Leukert, Dr. Hermann Götz, Ernst Kuntscher.

Inhaltliche Akzente im bildungspolitischen Bereich wurden in verschiedenen, akademischen Arbeitskreisen erarbeitet, die sich 1973 zum Institutum Bohemicum der Ackermann-Gemeinde zusammenschlossen. Ihr erster Vorsitzender von 1973-90, Prof. Dr. Ernst Nittner (1915-1997) hat zahlreiches, wertvolles Schriftgut hinterlassen, ebenso die Mitglieder Dr. Emil Franzel (1901-1976), Dr. Franz Lorenz (1901-1983), Dr. Franz X. Böhm (1909-2000; Bruder des Abtes Wolfgang, s. o.) und Dr. Rudolf Ohlbaum (1912-2006).

Die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und die anschließende Exilwelle 1968-71 mit bis zu 80.000 Tschechen und Slowaken im Bundesgebiet fand ihren Niederschlag auch in der Arbeit des Verbandes. Für die kirchliche Integrationsarbeit wurde 1969 das Büro für die katholische Exiljugend in Mitteleuropa (seit 1972 Internationales katholisches Jugendwerk für Ost- und Mitteleuropa) als Teilbereich der Jugendarbeit der Ackermann-Gemeinde gegründet. Langjähriger Geschäftsführer von 1969-1988 war Walter Klötzl (geb. 1934). Im Rahmen dieser speziellen Bildungs- und Integrationsarbeit wurden 1969-74 mehrere Begegnungsfahrten nach Polen durchgeführt, wo unter anderem Kontakte mit den Kardinälen Wyszynski und Wojtyła entstanden sind.

Um der verfolgten Kirche in der ČSSR wirksam und mit den bescheidenen, zur Verfügung stehenden Mitteln helfen zu können, war die Beschaffung von Informationen zur Lage der Kirche notwendig. Mit Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz richtete die Ackermann-Gemeinde ein Kontaktbüro in Rom ein, um die Möglichkeiten der kirchlichen Zentralstellen, vor allem des Staatssekretariates nutzen zu können. Leiter dieses Katholischen Büros für ost- und mitteleuropäische Fragen („Rappresentanza dell´Ackermann-Gemeinde di Monaco di Baveria per affari d’Europa centro-orientale“) waren: Msgr. Dr. Norbert Kocholaty (1905-1992) von 1972-76, dann bis zur Auflösung 1990 Prälat Prof. Dr. Josef Rabas (1908-2003). Sie veröffentlichten „Berichte zur Lage der Kirche in der ČSSR“. Prälat Rabas hat umfangreiches Schriftgut hinterlassen, der sich aufgrund testamentlicher Verfügung zum Teil im Diözesanarchiv in Leitmeritz/Litoměřice, der Heimatdiözese Rabas’, befindet. Kopien dieser Originale befinden sich aber im Archiv der Ackermann-Gemeinde. 

Eng gestaltete sich die Zusammenarbeit mir dem katholischen, tschechischen Exil, das untrennbar mit Erzabt Dr. Anastaz Opasek OSB (1913-1999) verbunden ist. Von seinem 1972 gegründeten Opus Bonum befindet sich wertvolles Schriftgut im Archiv.

1.3      Entwicklung nach der Wende 1989

Aus der über Jahrzehnte hinweg dauernden Solidarität entstand ein dauerhafter Dialog und damit Vertrauen zwischen Deutschen bzw. Sudetendeutschen und Tschechen. Wichtiger Bestandteil der aktuellen Arbeit der Ackermann-Gemeinde bilden seit 1990 die Gesprächsforen, deren bekannteste die alljährlich stattfindenden Iglauer Symposien (seit 2006 Brünner Symposium) als politisches und die Marienbader Gespräche als kirchliches Forum mit Partnerorganisationen in der Tschechischen Republik stattfinden.

Zentrale Bedeutung hatten und haben für die Ackermann-Gemeinde und ihrem nach wie vor tätigen Sozialwerk der Aufbau und die Förderung kirchlichen Lebens und schulischer wie außerschulischer Bildungsarbeit in der Tschechischen Republik. Nach wie vor belasten nationalstaatliches Geschichtsverständnis und mangelndes Einfühlungsvermögen der gesellschaftlichen Eigenheiten das Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen. Das inhaltliche Handlungsmotiv für diesen Bereich bildet die Fragestellung „Was können Christen beider Länder gemeinsam für den Aufbau eines Europas mit christlicher Werteorientierung tun?“. Archivbildend sind hier v. a. Projekte, z. B. Kirchen- und Friedhofsrenovierungen (Gedenkstättenpädagogik).

Seit 1991 unterhält die Ackermann-Gemeinde ein Informationsbüro in Prag, quasi als Nachfolge des Büros in Rom. Über diese „Dienststelle Prag“, deren Leiter seit Beginn Msgr. Otte (gesitlicher Bundesbeirat 1992-2010) ist, wurden und werden vielfältige Verbindungen v. a. zur tschechischen Kirche, Bildungseinrichtungen und staatlichen Stellen hergestellt. Es ist eine unverzichtbare institutionelle Hilfe für die aktuelle Partnerschaftsarbeit in der Tschechischen Republik geworden, die sich beachtlicher Anerkennung erfreut.

 

2          Archivbestände
2.1      Was ist vorhanden ?

Den Hauptanteil der Archivalien bilden Bestände der Hauptstelle in München. Die Provenienz des Materials ist aber inhaltlich oft untrennbar mit weiteren Einrichtungen des Verbandes verknüpft bzw. in ihrem Umfeld entstanden. Folgenden archivbildenden Gruppen kann das Material zugeordnet werden:

a) Kirchliche Hilfsstelle München (1945-51) und ihre Nachfolgeeinrichtung, die Katholische Arbeitsstelle Süd für Heimatvertriebene der Deutschen Bischofskonferenz.
Rechtsträger: Arbeitsstelle für Heimatvertriebene (Süd) e.V.  – Selbstauflösung aufgrund Beschluss der Bischofskonferenz am 18.02.2004
Vorsitzende: Von 1958-72 Prälat Prof. Dr. Alfons Hufnagel (1899-1975), von 1972-86 Prälat Johannes Barth (1919-2004), 1986-2004 Prälat Prof. Dr. Klieber (s. 1.2).
Leiter/Geschäftsführer der Arbeitsstelle: Von 1945 bzw. 1951-81 P. Dr. Sladek (s. o.), 1981-2004 Msgr. Johannes Tasler (geb. 1932).

b) Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde (seit 1950)
u.a. über 2.000 Briefe aus Korrespondenz mit Geistlichen und Theologie-Seminaristen in der ČSSR, so z. B. die Korrespondenz zwischen 1967-90 mit dem damaligen Seminaristen des Budweiser Priesterseminars Miloslav Vlk (heute Prager Kardinal), überhaupt Kontakte zum Zentralseminar in Litoměřice/Leitmeritz. 

c) Das Katholische Büro für ost- und mitteleuropäische Fragen der Ackermann-Gemeinde („Rappresentanza dell’ Ackermann-Gemeinde di Monaco di Baveria per affari d’Europa centro-orientale“) über die Lage der Kirche in der ČSSR in Rom (1972-90, s.o.)

d) Bestände aus den regionalen Gliederungen (Diözesangeschäftsstellen) der Ackermann-Gemeinde, überwiegend Korrespondenz.

e) Die Jugendarbeit der Ackermann-Gemeinde:
- Aktion heimatvertriebener katholischer Jugend (später Aktion       landsmannschaftlicher katholischer Jugend, seit 1972 Aktion West-Ost im BdkJ), Archivalien von der Gründung 1951 bis 1990. Sie entstand auf Initiative Dr. Hermann Eberts von der Ackermann-Gemeinde.
- Der Hochschulring (1948-96), Zusammenschluss der Hochschülerinnen und –schüler. – Archivalische Bedeutung hat v. a. die Korrespondenz mit dem tschechischem Exil in ganz Europa und USA bereits in den fünfziger Jahren unter dem ersten Leiter des Hochschulringes, Pfarrer Dr. Ebert (s.o.).
- Die Junge Aktion (seit 1950): eigenes Periodikum „junge aktion“, seit 1952.
- Das Jugendbildungsreferat (seit 1972).

f) Büro für die katholische Exiljugend in Mitteleuropa (seit 1972 Internationales katholisches Jugendwerk für Ost- und Mitteleuropa), s.o.


2.2      Archivierung

Eine systematische Archivierung hat bis 2004 nicht stattfinden können. Seit Oktober 2004 werden die genannten Bestände unter fachlicher Aufsicht durch das Archiv des Erzbistums München und Freising geordnet und verzeichnet und damit das Archiv der Ackermann-Gemeinde nach allgemein für kirchliche Archive geltenden Richtlinien eingerichtet. Bis September 2008 war hierfür eine Mitarbeiterin im Rahmen einer Projektfinanzierung durch den VDD und das Erzbistum München und Freising tätig (Frau Dr. Benita Berning). Von Oktober 2010 bis April 2012 wurde die Archivierung der Marterialien vom Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde e.V. (Herr Florian Wörner) fortgesetzt. Das Archiv der Ackermann-Gemeinde ist über das Erzbischöfliche Archiv in München für die Forschung zugänglich. Darüber hinaus gibt es eine bescheidene Handbibliothek. Die ehemalige Studienbibliothek der Ackermann-Gemeinde mit ca. 12.000 z. T. wertvollen Bänden ist 1983 in den Bestand der Sudetendeutschen Bibliothek des Collegium Carolinum (80669 München, Hochstr. 8) überführt worden und dort eingelagert.

Die Anfänge der Katholischen Vertriebenenseelsorge und der mit ihr verbundenen Laienarbeit im süddeutschen Raum, ihre Ausgestaltung vor allem im Bereich der Sudetendeutschen Laien, der Kontakt zum tschechischen und slowakischen Exil sowie die Gestaltung der Dialog- und Begegnungsarbeit kann damit endlich Forschern zugänglich gemacht werden. In den Archivalien sind wichtige Impulse für die katholische Laienarbeit in Deutschland überhaupt dokumentiert.

3          Konzepte – Ausblick für die Zukunft für archivbildende Bestände

Der Dialog ist nicht ersetzbar, geschweige denn verzichtbar: Begegnungsveranstaltungen müssen fortgeführt werden mit der Zielrichtung, Partnerschaften zwischen Tschechen und Deutschen, darüber hinaus aber überhaupt in Mitteleuropa aufzubauen. Für die Forschung gerade im Vertriebenenbereich ist die integrationsfördernde Rolle der katholischen Kirche und ihrer verbandlichen Strukturen noch ungenügend erforscht. Dabei liefern die Impulse, die kirchliche Einrichtungen in den Dialog- und Versöhnungsprozess mit den Völkern Ostmitteleuropas (MOE-Staaten) -speziell mit der Tschechischen Republik - gesetzt haben und weiterhin setzen, ein weites Forschungsfeld. Im Kontext mit der Aufarbeitung gesellschaftsideologischer Strukturen des 20. Jahrhunderts könnten folgende Überlegungen Anregungen für die Forschung mit den Archivbeständen der Ackermann-Gemeinde liefern:

  • Aufnahme der sudetendeutschen Katholiken in den Ortskirchen der Aufnahmegesellschaft (diözesan; bundesweit)

  • Kirche und Nationalismus als Feld kirchenhistorisch-sozialgeschichtlicher Forschung. In welchem Maße ist Kirche bzw. sind ihre Vertreter der Ideologie des Nationalismus erlegen (1848 ff.), welche geistigen und gesellschaftspolitischen Folgen sind hieraus entstanden? Ist bzw. wie ist damit umgegangen worden?

  • Katholische Kirche als Motor in der Begegnungs- und Dialogarbeit mit den tschechischen Nachbarn.

  • Katholische Vertriebenenverbände als Impulsgeber in der Sozial- und Verständigungspolitik.

 

Dezember 2006, aktualisiert im Oktober 2010

 
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