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Deutsch-tschechische Akzente

Seit der Gründung im Jahr 1145 war das Prämonstratenserkloster Speinshart über Jahrhunderte ein religiöses und kulturelles Zentrum in der nördlichen Oberpfalz. Wie zahlreiche Ordensniederlassungen wurde auch Speinshart mit Einführung der Reformation in Teilen der Oberpfalz aufgehoben, doch konnte das Klosterleben bereits 1661 durch Mitbrüder aus der oberbayrischen Abtei Steingaden wieder aufgenommen werden. Das Ende des 18. Jahrhunderts zählte zu den Glanzzeiten des Klosters. Unter den Architekten Georg und Wolfgang Dientzenhofer entstand die Klosteranlage, die bis heute gut erhalten geblieben ist. Die Säkularisation im Jahre 1803 setzte dem blühenden Kloster zwar ein erneutes Ende, doch konnte das Stift Tepl/Teplá in Böhmen dank seiner wirtschaftlichen und personellen Ressourcen die Klostergebäude zurückkaufen und 1921 wieder besiedeln. Mit Speinshart kehrte der Orden der Prämonstratenser erstmals seit der Säkularisation nach Deutschland zurück. Bereits 1923 erfolgte die Wiedererhebung zur Abtei. 1944 erlangte Speinshart die Unabhängigkeit von Tepl, das aber weiterhin Mutterabtei blieb. Als die deutschsprachigen Tepler Chorherren wie die deutsche Bevölkerung überhaupt 1946 Böhmen verlassen mussten, war Speinshart erste, wenn auch nur vorübergehende Anlaufstelle für die Vertriebenen.

Speinshart war stets auch bemüht, während der Zeit des Kommunismus den Kontakt zu den tschechischen Mitbrüdern im Untergrund zu halten. Als der Eiserne Vorhang fiel, wurde das Noviziat von Tepl während mehrerer Monate in Speinshart beherbergt, da in Tschechien dafür noch keine geeigneten Gebäude zur Verfügung standen.

Die Beziehungen nach Böhmen waren auch bei der Errichtung der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart im Jahr 2012 maßgebend. Vor dem Hintergrund der engen geschichtlichen Verflechtung sollte die Begegnungsstätte deutlich erkennbare Akzente auf die deutsch-tschechische Nachbarschaft in Geschichte und Gegenwart legen. Kulturschaffende, Referenten und Musiker aus Tschechien bereichern seither regelmäßig das Veranstaltungsangebot der Begegnungsstätte. Speinshart will als Ort der Begegnung Kulturschaffende und kulturell Interessierte aus der Region wie auch aus anderen Konfessionen und Nationen zusammenführen. Das Ambiente eines nahezu vollständig erhaltenen Gebäudeensembles bietet dafür einen einzigartigen Rahmen, den geistlichen Boden aber für alle Aktivitäten und Veranstaltungen der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart gibt das klösterliche Leben des heute noch (oder wieder) bestehenden Konvents. 

Thomas Englberger