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Das Butterbrotfest

Kaum einer weiß etwas vom ‚Butterbrotfest‘ in Sahorsch/Záhoří in Westböhmen. Leider, muss man sagen. Das schöne Fest mitten in der Natur knüpft an eine Tradition an, die vor ein paar Jahren buchstäblich aus dem Nichts wieder ins Leben gerufen wurde und bei der nun tschechischsprachigen Bevölkerung auf ein unverhofft großes, positives Echo der Umgebung gestoßen ist.

Einst luden Bewohner des kleinen deutschsprachigen Dorfes Sahorsch am ersten Samstag im Juni ihre Nachbarschaft aus umliegenden Gemeinden zum „Butterbrotfest“ ein. Es wurde vor der kleinen Dreifaltigkeits-Kapelle unter freiem Himmel ein Gottesdienst gefeiert und im Anschluss daran hausgebackenes Brot mit Butter zur Verköstigung der Pilger angeboten. Von daher rührt der Name des Festes.

Nach der Vertreibung wurde der Ort dem Erdboden gleich gemacht, er lag in einer neu errichteten Militärzone. Nur ein einziges Haus blieb wie durch ein Wunder stehen, doch verwahrloste es mit den Jahren immer mehr. Die Kapelle war noch schlimmer dran, am Ende war sie fast eine Ruine. Durch den Einsatz und durch Zuwendungen sowohl der aus der Gegend stammenden Deutschböhmen als auch engagierter Tschechen wurde sie langsam in Stand gesetzt; nun strahlt sie wieder wie neu.

Das erneuerte Butterbrotfest zog und zieht immer größere Kreise, es kamen und kommen neben ehemaligen deutschen Bewohnern und ihren Nachfahren auch Tschechen aus der Umgebung, Wochenendhäusler, Schüler aus Tschernoschin, engagierte Bürger, Neugierige usw. Natürlich darf auch ein Geistlicher nicht fehlen. Der Pfarrer aus Plan/Planá feiert die Feldmesse sogar zweisprachig, und auch fürs Dolmetschen ist gesorgt.Und wie wird das Fest in der Gegenwart begangen? Fast wie früher. Es wird ein Gottesdienst vor der Kapelle gefeiert, danach lassen sich Besucher die mitgebrachten Brote in diversen Variationen und mit verschiedenen Brotaufstrichen gut schmecken. In der Mehrzahl werden die Brote wirklich zu Hause gebacken; im letzten Jahr war auch Mohn- und Zwiebelbrot dabei. Als Aufstrich ist mehr als Butter das Griebenschmalz der Renner. Sprudel oder Bier sorgen für gutes Nachspülen.

Es ist jedes Jahr eine Freude zu beobachten, wie sich die tschechischen und die deutschsprachigen Böhmen näher kommen, wie sie unkompliziert, gleichsam auf natürliche Weise, immer mehr zusammen wachsen.

In diesem Jahr 2014 wird das Butterbrotfest am Samstag, dem 7. Juni, gefeiert. Die Feldmesse findet um 14:30 Uhr vor der Dreifaltigkeits-Kapelle von Sahorsch/Záhoří statt, der Zelebrant ist P. Šašek aus Planá. Die Kapelle befindet sich ein wenig oberhalb des ehemaligen Dorfes, am Weg nach Triebl/Třebel. Alle sind herzlich eingeladen!

 

Dr. Kateřina Kovačková