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Geschichte stiftet Zukunft

Das Zisterzienserkloster Osek/ Ossegg wurde 1192 gegründet und ist ein guter Zeuge für eine bewegte Geschichte. Hochzeiten und Tiefpunkte menschlicher, kultureller und religiöser Art haben das Kloster und seine Bewohner bewegt. Enteignungen, Kriege, Verfolgungen und Zweckentfremdung während der über 800-jährigen Geschichte sind an diesem Ort bis heute erfahrbar. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten alle deutschsprachigen Mönche das Kloster verlassen. Das Gebäude wurde sehr verschieden genutzt, bis es auch als Internierungskloster für Schwestern einiger Frauenorden, deren Klöster durch die Kommunisten aufgelöst worden waren, diente. Nach dem Ende der ČSSR hat zunächst eine Gruppe Zisterziensermönche um Abt Bernhard Thebes aus dem Priorat Langwaden das Kloster Osek/Ossegg wieder besiedelt. Große Teile des Klosters sind renoviert worden und dienten vielen Besuchern als Ort der Einkehr und Begegnung. Als Abt Bernhard Thebes auf Grund einer schweren Krankheit das Kloster verlassen musste, wurde auch der letzte Mönch des Klosters, Pater Charbel Schubert, in ein anderes Zisterzienserkloster versetzt. Doch auch ohne monastisches Leben ist das Kloster nach wie vor ein Ort der Begegnung. Neben einem tschechischen und einem deutschen Freundeskreis gibt es noch weitere Gruppen, die sich für das Leben im Kloster einsetzen. Inzwischen gehört das Kloster in den Zuständigkeitsbereich der Diözese Litoměřice/Leitmeritz, die den deutschen Priester Philipp Irmer als geistlichen Leiter sowie Dr. Jindřich Koska als Geschäftsführer damit betraut hat, ein zukunftsfähiges Konzept für das Kloster Osek als Schulungs- und Bildungszentrum und damit als einen guten Ort der Begegnung zu entwickeln.

Auch mich hat dieser Ort angezogen und so studiere ich als Seminarist für die Diözese Litoměřice/Leitmeritz Theologie in Salzburg. Nach wie vor bin ich begeistert vom internationalen und überkonfessionellen Austausch und von den Begegnungen, die sich immer wieder am Rande oder als Kern gemeinsamer Feiern ergeben. So feiern wir gerne bei Anwesenheit deutschsprachiger Gäste die Liturgie zweisprachig. Während des jährlichen Oseker Stadtfestes, das wir zu Maria Himmelfahrt als Patronatsfest feiern, sind wir als Gemeinde mit einem Stand vertreten, bieten einen Imbiss und Getränke an und somit ebenfalls Raum und Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Im letzten Jahr waren wir auf dem Katholikentag in Leipzig mit einem Stand vertreten. Die Begegnungen, Gespräche und Erfahrungen haben uns ermutigt, dieses Unternehmen im nächsten Jahr in Münster auf der Kirchenmeile zu wiederholen.

 

Christopher Cantzen