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Auf den Spuren P. Engelmar Unzeitig

Eines der Ziele der Sternfahrt beim Bundestreffen der Ackermann-Gemein­de war Glöckelberg/Zadní Zvonková im Böhmerwald. Dort war die letzte Wirkungsstätte von P. Engelmar Unzeitig, eines sudetendeutschen Glaubenszeugens in der NS-Zeit. Geboren  1911 in Greifendorf/Hradec nad Svitavou im Schönhengstgau; er trat in den Orden der Mariannhiller Missionare ein und kam nach seiner Priesterweihe nach Glöckelberg (1940). Dort wandte er sich in seinen Predigten gegen die nationalsozialistischen Macht­haber, weshalb er im April 1941 verhaftet und im Priesterblock des KZ Dachau inhaftiert wurde. Dort wurde er zum „Märtyrer der Nächstenliebe“: Als gegen Kriegsende eine Typhus-Epidemie im Lager ausbrach, meldete er sich freiwillig zur Pflege der Erkrankten, wobei er sich selber infizierte und am 2. März 1945 verstarb. 2016 soll er seliggesprochen werden.

Glöckelberg widerfuhr nach 1945 das Schicksal vieler Böhmerwaldorte: Alle 600 Bewohner wurden vertrieben, der Ort wurde dem Erdboden gleichgemacht bzw. verwilderte. Doch bereits im Juli 1990 trafen sich Vertreter der Vertriebenen mit dem damaligen Bischof von Budweis, Miloslav Vlk, in Glöckelberg und besprachen die Erneuerung des Ortes, „als einen Ort des gemeinsamen Gebetes, der Versöhnung und des Zusammentreffens“. So machten sich ehemalige Glöckelberger gemeinsam mit tschechischen Bürgern der Region daran, die Kirche St. Nepomuk und den Friedhof zu renovieren. Geleitet wurden die Arbeiten von Horst Wondraschek aus Linz, dessen Mutter in Glöckelberg geboren war. Er führte die AGler bei ihrem Besuch durch die Kirche und erzählte: „Am 20. September 1990 fingen wir mit Pickel und Schaufel an, die alten Grabsteine auszugraben, bis Allerheiligen hatten wir schon 100 gefunden.“ Auf zwei neuen Glasfenstern im Altarraum sind der hl. Johannes Nepomuk und P. Engelmar Unzeitig abgebildet. Nach unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit konnte die Kirche im August 1992 neu geweiht werden.

Das Museum neben der Kirche behandelt die Ortsgeschichte sowie das Leben von Engelmar Unzeitig aber auch Johannes Urzidil; der Prager Schriftsteller verbrachte mehrere Sommer in Glöckelberg und hat den Ort auch literarisch in seiner Erzählung „Grenzland“ verewigt.

Dass Glöckelberg heute von vielen Menschen besucht wird, beweisen auch die zahlreichen Eintragungen im Gästebuch, das im Museum ausliegt, wie zum Beispiel: „Je tu krásně!“ – Es ist hier wunderschön!

 

Christoph Mauerer