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20. März 2017

Trauer um Kardinal Miloslav Vlk

Am Samstag verstarb im Alter von 84 Jahren der frühere Prager Erzbischof Miloslav Kardinal Vlk. Aus diesem Anlass erklärt Martin Kastler, der Bundesvorsitzende der Ackermann-Gemeinde:

Kardinal Miloslav Vlk beim Gottesdienst mit der Ackermann-Gemeinde auf dem Katholikentag 2016 in Leipzig.

„Die Ackermann-Gemeinde trauert gemeinsam mit der Kirche in Tschechien um Kardinal Miloslav Vlk. Mit großer Dankbarkeit schauen wir auf sein Lebenswerk. Sein Vertrauen in Gott und seine Stärke im Glauben, die er in der Zeit der Verfolgung vor der Wende gezeigt hat, sind und bleiben uns Vorbild. Er gehörte zu den Motoren der deutsch-tschechischen Versöhnung. Als Bischof von Budweis setzte er mit einem Brief an die nach dem Zweitem Weltkrieg aus seinem Bistum vertriebenen Deutschem ein frühes Zeichen der Annäherungen. Er warb für einen ehrlichen Umgang mit der Geschichte und den dadurch gegenseitig zugefügten Verletzungen. Bis zuletzt hat er sich als Brückenbauer zwischen unseren Ländern eingesetzt. Im vergangenen September feierte eine Gruppe der Ackermann-Gemeinde noch mit Kardinal Vlk das Fest des Heiligen Wenzel in Rom. Gemeinsam mit dem Kardinal besuchte ich im Anschluss an die Messe im Petersdom den emeritierten Papst Benedikt XVI. Diese letzte Begegnung mit Kardinal Vlk wird mir dauerhaft in Erinnerung bleiben. Möge der Herr ihm all das Gute vergelten.“

Die Ackermann-Gemeinde verbindet mit Kardinal Vlk ein langer gemeinsamer Weg. Sie stand schon vor der Wende mit Vlk im Kontakt, der von den kommunistischen Machthabern mit Berufsverbot belegt wurde und zeitweise in Prag als Fensterputzer arbeiten musste. Er gehört zu den über 1.200 Geistlichen in der Tschechoslowakei, die bis 1989 durch das Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde unterstützt wurden.

Nach der Wende gab es mit Vlk als Bischof von Budweis/České Budějovice und später als Erzbischof von Prag eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit. 2009 ehrte die Ackermann-Gemeinde den Kardinal mit der „Versöhnungsmedaille der Ackermann-Gemeinde“, der höchsten Auszeichnung der 1946 von vertriebenen Katholiken aus Böhmen, Mähren und Schlesien gegründeten katholischen Gemeinschaft, die sich für ein engeres und versöhntes Miteinander von Deutschen und Tschechen einsetzt und sich aus christlicher Verantwortung für Europa engagiert. In seiner Rede setzte sich Kardinal Vlk damals deutlich für eine rasche Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen ein. „Am meisten Unglück haben im vergangenen Jahrhundert die Lüge und der Hass in die Welt gebracht – ob von Seiten des Kommunismus oder des Nazismus“, sagte er. „Der Hass ist ein Teufelskreis, der sich nur mit der Versöhnung durchbrechen lässt. Es gibt keinen anderen Weg.“ Der Geehrte unterstrich in seiner Dankesrede 2009 auch die Bedeutung der tschechischen und der deutschen Ackermann-Gemeinde für die Annäherung beider Länder heraus. „Obwohl die Erfahrungen der Ackermann-Gemeinde verschwindend klein wirken könnten im Vergleich zur lastenden Erfahrung der großen Ideologien“, so der Kardinal, „wiegt ihre Arbeit auf der Waage Gottes wesentlich schwerer.“ Das gelte umso stärker, weil die Arbeit des Verbandes von der christlichen Erfahrung des Dialogs geprägt werde. Dadurch werde sie zu einem wichtigen gesellschaftlichen Orientierungspunkt, an dem sich das Handeln ausrichten lasse.

Noch im letzten Jahr war Vlk auf Einladung der Ackermann-Gemeinde zu Gast bei Leipziger Katholikentag. Dort feierte er nicht nur gemeinsam den Gottesdienst, sondern stellte sich in einem Biographischen Gespräch unter dem Titel „Vom Fensterputzer zum Kardinal“ den Fragen des Publikums. Zu einer letzten Begegnung einer größeren Gruppe der Ackermann-Gemeinde mit dem emeritierten Prager Erzbischof kam es Ende September 2016 in Rom anlässlich der Feierlichkeiten des Heiligen Wenzels.